

Pressestatement Dr. Arch. Stefan Gamper, Inhaber, Architekturbüro Stefan Gamper, Klausen / Italien
Mehr als 42% der Landesfläche von Südtirol sind von Wald bedeckt. Deshalb ist Holz seit jeher neben dem Naturstein der wichtigste Baustoff. Fichtenholz (62% des Waldbestandes) wird vor allem für tragende Strukturen verwendet, Lärche (18%) dank seines erhöhten Harzgehaltes für Dacheindeckungen, Verkleidungen der Außenwände sowie für die Außenabschlüsse.
Schon zu Zeiten Ötzis, dem berühmten Mann aus dem Eis, errichteten die Alpenbewohner einfache Hütten aus Rundholz. Später wurden die Baumstämme bearbeitet und es entstanden Blockbauten aus gehackten Holzbalken.
Die großen, imposanten Stadelbauten des Mittelalters sind Zeugnisse hoher Zimmermannskunst, die sich im Laufe der Jahrhunderte entwickeln konnte. Neben den technisch ausgereiften Tragkon-struktionen in Ständerbauweise sind diese Bauwerke oft reich an Details wie Symbolen, Zeichen und figürlichen Darstellungen, die zur Abwehrung von bösen Geistern ins Holz geschnitzt worden sind.
Mit dem Beginn des Fremdenverkehrs kam in den 1920/30er Jahren die moderne Architektur in den Alpenraum. Ein herausragendes Beispiel ist das Hotel Monte Pana im Grödnertal, das 1931 von Franz Baumann errichtet worden ist. Der Innsbrucker Architekt hat dabei erstmals neue architektonische Formen eingeführt, sich aber gleichzeitig für eine Kontinuität in der Materialwahl entschieden. Auf einem gemauerten und weiß verputzten Sockelgeschoss sind zwei Stockwerke mit Zimmern aufgesetzt, die mit einer dunklen Holzschalung verkleidet sind.
Nach der kriegsbedingten Unterbrechung der zivilen Bautätigkeit wurde der Baustoff Holz erst in den späten 1970er Jahren von jungen Südtiroler Architekten wieder entdeckt. Bei der Mittelschule von St. Leonhard im Passeiertal haben die Architekten Abram und Schnabl das große Bauvolumen zum einen in mehrere kleinere Baukörper aufgelöst, die sich im richtigen Maßstab in die bestehende dörfli-che Siedlungsstruktur einfügen, und zum anderen die Fassaden mit einer unbehandelten Lärchenscha-lung verkleidet, die nach einigen Jahren eine grau-silbrige Patina erhielt. Auf diese Weise fügen sich die Baukörper noch besser in die Landschaft ein.