Zukunftskongress mit Ausstellung

TOMORROW+

Zukünftige Innovationen für unser Leben... und das Automobil
30./31. Oktober 2007, BMW Welt München

Bericht

Ein Zukunftskongress setzt Signale - Gewagt und Gewonnen

  • Erster Kongress in der neuen BMW Welt
  • Neuartige Ausrichtung in Inhalt und Darstellung
  • Eröffnungsrede von Bayerns Wirtschaftsministerin Emilia Müller

Dieser Kongress war ein großes Wagnis: Eine neuartige inhaltliche Konzeption, ein neues Ausstellungsformat, eine ungewohnte technische Umgebung und die beeindruckende Architektur der neuen BMW Welt waren Herausforderungen, denen es galt, gerecht zu werden. Die Bayern Innovativ hat diese einmalige Chance wahrgenommen – und konnte nach zwei Kongresstagen sagen: Es hat sich mehr als gelohnt! TOMORROW+, von Bayern Innovativ in enger Abstimmung mit dem Hause BMW entwickelt, war ein überwältigender Erfolg: Rund 650 Teilnehmer aus 8 Ländern, 40 Aussteller und zahlreiche Journalisten zeigten sich beeindruckt von Konzept und Durchführung der Veranstaltung in diesem faszinierenden Ambiente.

Mit TOMORROW+ beschritt Bayern Innovativ einen neuen Weg: Der Kongress warf einen Blick auf technologische Entwicklungen der nächsten 10 bis 15 Jahre im Automobil, insbesondere aber auf verwandte Lebenswelten mit Einfluss auf die Erwartungen an das Auto von morgen. Neben technologischen Aspekten beleuchtete TOMORROW+ die Macht der Medien und künftige Formen der Kommunikation, die das Werteempfinden der Käufer gegenüber neuen Produkten maßgeblich beeinflussen werden.

Im Mittelpunkt standen auch politische Rahmenbedingungen und deren Weichenstellung für künftige Entwicklungen. In ihrer mit viel Beifall aufgenommenen Eröffnungsrede unterstrich Bayerns
Staatsministerin für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie Emilia Müller
, dass in Bayern Innovation auch zukünftig hohe Priorität haben wird – vom weiteren Ausbau der angewandten Forschung bis hin zu einer noch stärkeren Vernetzung von Wirtschaft und Wissenschaft durch die konsequente Fortsetzung der Cluster Initiative „Allianz Bayern Innovativ“.

Strategien für Innovationen

Die Reise durch zwei Tage TOMORROW+ begann und endete mit BMW: Entwicklungsvorstand Dr. Klaus Draeger stellte zum Kongressauftakt die Erfolgsfaktoren des Unternehmens, einem der Innovationsführer der Automobilbranche, dar: „Jede Neuerung muss eine klare Differenzierung gegenüber dem Wettbewerb und einen klaren Kundennutzen haben“, so Dr. Draeger. Er betonte, dass die Erfüllung der Kundenwünsche nach Dynamik und Fahrfreude nicht im Widerspruch zu Umweltbelangen stehen müssen. Bei BMW zeigen dies die bereits vor vier Jahren aufgenommenen erfolgreichen Entwicklungen im Bereich Efficient Dynamics mit Einsparungen an Kraftstoff und an
CO2. Ein herausragender Aspekt der Innovation gilt der unternehmerischen Innovationskultur.

Wichtige Faktoren und Voraussetzung dafür sind Inspiration und Know-how der Mitarbeiter, die Vernetzung von Technologien innerhalb des Unternehmens, aber auch die gezielte Zusammenarbeit mit externen Partnern, wie Jürgen Jaworski von 3M Deutschland erläuterte, einem Konzern mit 35 Technologiefeldern, 10 Zielmärkten und 50.000 Produkten. Kann 3M aus einer
unwahrscheinlichen „Breite“ schöpfen, so hat die Eybl International AG eine Herausforderung in der „Tiefe“. Das weltweit operierende österreichische Unternehmen mit 4.000 Mitarbeitern
konzentriert sich ausschließlich auf den Automobilinnenraum und hat damit nur wenige, aber sehr anspruchsvolle, Kunden wie die Premium-Hersteller. Vorstand Peter Löschl demonstrierte, wie sich Eybl International beim Design neuer Materialien auf das umfassende technologische Know-how der Mitarbeiter, aber auch auf Inspiration durch den „Genius Loci“ setzt – also auf die schöpferische Kraft durch Verbundenheit zu Natur und Kultur einer Region.

Ausstellung: Großes Interesse an neuen Technologien

Vor Beginn des Kongresses unternahm Wirtschaftsministerin Emilia Müller einen ausführlichen
Rundgang durch die begleitende Fachausstellung.

Die Ausstellung war ganz in Weiß gehalten, gab den Exponaten den Vorrang und fügte sich hervorragend in die Atmosphäre der erst zwei Wochen zuvor offiziell eröffneten BMW Welt ein. StaatsministerinEmilia Müller war beeindruckt vom Design der Ausstellung und den  zukunftsorientierten Exponaten.

Mit großem Interesse verfolgte sie die Erläuterungen über neue Entwicklungen im Automobil, in
der Mechatronik oder im Leichtbau.

Zukunftspotenzial – Die Welt des Riechens

„Viele Dinge, die in der Zukunft liegen, sind durch Strukturen vorgeprägt. Daher können sie durch
wissenschaftliche Methoden sehr zuverlässig prognostiziert werden“, fasste Prof. Dr. Hans G. Graf von der Universität St. Gallen Ergebnisse aus der Zukunftsforschung zusammen. Ein wesentlicher Faktor in diesem Makroumfeld sind die Technologien. Dr. Georg Rosenfeld von der Fraunhofer Gesellschaft stellte 12 maßgebliche Schlüsseltechnologien vor, deren gesellschaftliche Akzeptanz mit zu berücksichtigen und mitzugestalten ist.

Das riesige Interesse der Teilnehmer am Thema Olfaktorik belegte, dass Bayern Innovativ den „richtigen Riecher“ hatte, als es dieser noch weitgehend unerschlossenen Form der nonverbalen Kommunikation einen Kongress-Schwerpunkt einräumte. „Düfte beeinflussen unsere Stimmungen
und prägen sich nachhaltig in unser emotionales Gedächtnis ein. Deswegen haben sie ein riesiges
Potenzial für Produkt- und Markendifferenzierung sowie nachhaltige Kundenbindung“: Professor Hanns Hatt von der Ruhr-Universität Bochum erläuterte, dass von 350 beim Menschen entdeckten Riechrezeptoren erst bei dreien die Funktionalität entschlüsselt sei.

Kommunikation und Interaktion

Mit einem brillanten Vortrag über die Kraft und Macht der Medien eröffnete Ranga Yogeshwar den zweiten Kongresstag, dessen erster Schwerpunkt auf der Welt der Kommunikation und
Interaktion lag: „Nur wer umfassend informiert ist, kann technische und gesellschaftliche Prozesse im Gesamtzusammenhang erkennen und begreifen und empfindet Neues nicht mehr als Bedrohung, sondern als positive Chance“, so der führende Wissenschaftsjournalist. Prof. Dr. Hannelore
Daniel
nahm diesen Ball auf und führte aus: „Unausgewogene Information kann zu kognitiver Dissonanz führen. Häufig stehen emotionale Wahrnehmung und rationales Verstehen im
krassen Gegensatz, selbst in Kreisen der Wissenschaft“. Dies erläuterte sie in brillanter Weise an dem sensiblen Feld der Ernährung – durchaus mit Parallelen in andere Produktsegmente wie das Automobil.

Das Zauberwort des Marketings der Zukunft heißt „Just-In-Time-Marketing“ – so Lars Thomsen, CEO, future matters. Information, die den Verbraucher genau zum richtigen Zeitpunkt erreicht, bietet beste Chancen, dem Kunden zusätzlich nützliche Dienstleistungen anzubieten.  Entscheidenden Einfluss werden dabei IT-Plattformen wie das Web 2.0 mit der Bildung
innovativer Communities haben, ist sich Prof. Marc Drüner von der Steinbeis Hochschule Berlin sicher. Eine Beschäftigung mit diesen Feldern könne nicht früh genug erfolgen.

Zukunftsfeld Mechatronik

Nach diesem Exkurs in die Bedeutung der Kommunikation führte Prof. Dr. Gerd Hirzinger, DLR Oberpfaffenhofen, zurück zu neuesten technologischen Entwicklungen. Eindrucksvoll erläuterte er das Universum der Mechatronik – von Applikationen der Mars-Kamera für 3D-Modellierungen
von Landschaften und Gebäuden, ferngesteuerten Robotern in der ISS, neuen Anwendungen im Automobilsektor wie Hybrid-Technologie oder Keilbremse bis zu Instrumenten für die
minimalinvasive Chirurgie. Dr. Guy Hoffman vom renommierten MIT aus Boston berichtete über neueste Forschungsprojekte mit Robotern. „Diese können soziales Verhalten erlernen, zum Beispiel Stimmungen wie Freude oder Verärgerung erkennen“: Dr. Guy Hoffman ist überzeugt, dass in den nächsten 10 bis 15 Jahren einfühlsame Personal Assistant Robots Einzug in verschiedenste Lebenswelten halten werden. Ein essenzielles Thema im Umfeld von Wohnen, Arbeit und Freizeit wie auch im Automobil ist schon heute „Connectivity“. Dr. André Schneider von Samsung Electronics gab einen umfassenden Überblick über die vielfältigen Möglichkeiten der technischen Anbindung von HIFI, IT und Telekommunikation und präsentierte erste attraktive Möglichkeiten der multimedialen Vernetzung im digitalen Heim.

Brillantes Finale

Nach zwei spannenden Kongresstagen beendete Christopher Bangle die Reise durch die Zukunft von Automobil und automobilem Umfeld. Der BMW-Chefdesigner gewährte inspirierende Einblicke. Zwei Kriterien hob er besonders hervor: Der Designer muss die Wertvorstellungen vielfältigster Zielgruppen voraussehen und die Kommunikation zwischen ihnen und dem Hersteller gewährleisten, um den Kundennutzen in den Vordergrund stellen zu können – eine These, die den Kreis zu den Aussagen von Dr. Klaus Draeger und den Botschaften der anderen Referenten schloss. Von allen Teilnehmern wurde die weitgehend von Bayern Innovativ getroffene Auswahl
der Themen, die Gewinnung der Referenten und die Abfolge der Beiträge als ein besonders
stimmiges Konzept erachtet. Das hervorragende Feedback – auch der beteiligten Partner von BMW – wird Motivation sein, Aspekte und Erkenntnisse aus TOMORROW+ in andere Technologie-Symposien einzubringen. Eine Antwort darauf zu geben, ob es ein weiteres TOMORROW+ geben wird, ist noch zu früh. Doch eines steht fest: Mit TOMORROW+ wurde eine neue Marke kreiert, die noch lange Impulse rund um das Automobil setzen wird.

 

 

 

 

 

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