Unter den Bundesländern stellt die Energiewende den Freistaat vor die größten Herausforderungen, betonte Dr. Martin Elsberger, Leiter des Referates Energie-Infrastruktur, Erneuerbare Energien und Monitoring der Bayerischen Energieagentur Energie Innovativ, fest. Als Gründe dafür nannte er den im Ländervergleich bisher höchsten Anteil der Kernenergie an der Stromerzeugung sowie die ehrgeizigen Ziele des im Mai 2011 von der bayerischen Staatsregierung beschlossenen Energiekonzeptes. Bis 2021 soll sich die Quote der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung in Bayern auf 50 % verdoppeln und am Endenergieverbrauch auf 20 % steigen, wobei der Pro-Kopf-Ausstoß an CO2 auf deutlich unter 6 t/a gesenkt werden soll. Elsberger lobte den dynamischen Ausbau von Windkraft und Photovoltaik, durch den im vergangenen Jahr der erneuerbare Anteil an der bayerischen Stromerzeugung bereits auf 30 % gestiegen ist. Mit diesem Anstieg rückt nun zunehmend die Versorgungssicherheit in den Fokus, da über einen Zeitraum von rund 1 500 h/a nur 1 % der installierten Leistung aus Wind- und Solarkraftwerken verfügbar ist. Um in dieser Zeit die Stromversorgung zu gewährleisten, ist neben einem Ausbau von Stromnetzen auch der Bau neuer Gaskraftwerke und der Ausbau im Bereich Kraft-Wärme-Kopplung sowie der industriellen Eigenerzeugung mit einer elektrischen Gesamtleistung von 3 000 bis 4 000 MW notwendig
![]() Einwellen-GuD-Turbinenstrang im Kraftwerk Irsching Bild: Siemens |
Die Gaskraftwerke werden vor allem die Aufgabe übernehmen müssen, die fluktuierende Stromeinspeisung aus Sonne und Wind sowie Netzengpässe auszugleichen, was bereits die ersten Ergebnisse einer Energiesystemanalyse für Bayern bestätigen.Das Optimierungs- und Simulationsmodell, das im Auftrag des Clusters Energietechnik der Bayern Innovativ an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg entwickelt wird, stellte Professor Reinhard German vor.
Sowohl gasmotorische Blockheizkraftwerke als auch moderne Gasturbinen- und Dampfturbinenkraftwerke (GuD) lassen sich flexibel einsetzen, zeigten Marcus Mücke von der MTU Onsite Energy GmbH, Dr. Peter Maagh von der E.ON AG und Lothar Balling vom Energy Sector der Siemens AG in ihren Vorträgen.Was allerdings noch fehlt, sind die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die Kraftwerksinvestitionen auch bei geringer Auslastung möglich machen.
Deshalb forderte der bayerische Wirtschaftsminister Martin Zeil zum Abschluss der Tagung eine Novellierung des KWK-Gesetzes sowie zusätzliche Anreize für den Bau hocheffizienter Gaskraftwerke. Der Minister gab abschließend einen Ausblick hinsichtlich Bau und Betrieb neuer Gaskraftwerke.Der Minister gab abschließend einen Ausblick hinsichtlich Bau und Betrieb neuer Gaskraftwerke. Die technischen Voraussetzungen hierfür sind in Bayern und Deutschland exzellent. Im Hinblick auf Versorgungssicherheit sind aber jetzt zusätzliche Anreize von Seiten des Bundes zu setzen, um Investoren zu gewinnen, sich in Kraftwerken mit potenziell geringeren Laufzeiten und damit geringerer Wirtschaftlichkeit zu engagieren.
Weitere Informationen:
www.energie-innovativ.de
www.bayern-innovativ.de/gaskraftwerke2012