Kooperationsforum

Drug Development

Targets-Technologies-Strategies
20. November 2007, Vogel Convention Center, Würzburg

Bericht

Impressionen

Entwicklung hochspezifischer Medikamente

  • Kooperationen Pharma, Biotech und Wissenschaft
  • Trotz Kostendruck Chancen für innovative Arzneimittel
  • Forum „Drug Development“ mit 190 Teilnehmern in Würzburg

Neue biopharmazeutische und auch chemische Wirkstoffe ermöglichen spezifische Therapien gegen nur schwer heilbare Erkrankungen. Krebs, Diabetes, Infektionen und Herz-Kreislauf Erkrankungen stehen im Fokus von Wissenschaft und Pharmaunternehmen.

Forschung ist jedoch teuer und langwierig: Sie erfordert in der Regel 10–12 Jahre und einen Aufwand von rund 800 Millionen Euro. Von 5.000 in der präklinischen Prüfung getesteten Substanzen gelangen nur fünf in die klinische Prüfung am Menschen; nur eine davon wird erfolgreich zugelassen. Deshalb sind Kooperationen entlang der Wertschöpfung, von der Wissenschaft über die Biotech-Firmen bis zu den Pharmaunternehmen, unerlässlich. Das Kooperationsforum „Drug Development“ wurde von Bayern Innovativ in Zusammenarbeit mit der Universität Würzburg am 20. November 2007 im Vogel Convention Center in Würzburg durchgeführt.

Es gab Einblick in aktuelle Strategien der Wirkstoffforschung. Dr. Klaus Wilgenbus von Boehringer Ingelheim brachte es auf den Punkt: „Weil Kooperationen mit ‚Biotechs’ häufig als sehr effizienter Weg zu neuen Arzneimitteln gelten, ist bei fast allen Pharmafirmen ein wachsender Anteil der Pipeline mit Wirkstoff-Molekülen bestückt, die aus der Biotech-Industrie stammen. Die pharmazeutische Industrie zeigt sich in den letzten Jahren zunehmend an Forschungsprojekten
in frühen Stadien interessiert.“ Als ein Beispiel für neue Technologie-Plattformen stellte Dr. Roland Kreutzer, Geschäftsführer der Roche Kulmbach das große Potenzial der RNAi-Technologie für die Entwicklung von Medikamenten gegen Stoffwechsel-, Krebs- und Entzündungserkrankungen vor. Mit Hilfe von RNAi, für deren Entdeckung der Nobelpreis im Jahr 2006 verliehen wurde, können krankheitsassoziierte Gene selektiv herunterreguliert und damit die Krankheit „an der Wurzel gepackt“ werden.

Ein weiterer thematischer Schwerpunkt war die Entwicklung onkologischer Wirkstoffe. Das Identifizieren tumorspezifischer Targets und die gezielte Synthese therapeutischer Antikörper
präsentierte Dr. Rainer Wessel vom Biotech-Unternehmen Ganymed in Mainz. Die Bedeutung von Protein-Kinasen als potente Angriffspunkte für Therapeutika stellte Prof. Ulf Rapp von der Universität Würzburg dar. Ausgehend von der RAF-Kinase als Target erläuterte Dr. Bernd Riedl von der Bayer Schering Pharma in Berlin die erfolgreiche Entwicklung des Therapeutikums Nexavar für die Behandlung von Nieren- und Leberkrebs.

Mit über 190 Teilnehmern und 20 Ausstellern hat sich das Forum „Drug Development“, das bereits zum dritten Mal in Würzburg stattfand, zu einem festen Treffpunkt entwickelt. Am Vorabend fand eine Podiumsdiskussion "Innovative Arzneimittel für Therapien von morgen – Wer trägt die Kosten?" mit ca. 100 Teilnehmern statt; gemeinsam organisiert mit dem Verband Forschender Arzneimittelhersteller (VFA) und moderiert von Wolfgang van den Bergh, stellvertretender Chefredakteur der Ärzte Zeitung. Um Kosten zu begrenzen, sollen innovative, patentgeschützte Arzneimittel einer Kosten-Nutzen-Bewertung unterzogen, ein Höchstpreis vereinbart und ihre Verschreibung von einer zweiten ärztlichen Meinung abhängig gemacht werden. Die Auswirkungen dieser im Rahmen der Gesundheitsreform 2007 auf den Weg gebrachten Neuerungen wurden von Dr. Siegfried Throm (VFA), Dr. Rainer Wessel (Ganymed Pharmaceuticals/BIO Deutschland), Helmut Heckenstaller (Techniker Krankenkasse), Prof. Dr. Dr. Peter Oberender (Universität Bayreuth) und Dr. Jürgen Bausch (Kassenärztliche Vereinigung Hessen) diskutiert. Die Teilnehmer waren sich einig, dass eine Kosten-Nutzen-Bewertung notwendig ist, damit bedeutende Innovationen auch in Zukunft bezahlbar bleiben. In Anbetracht der Kosten für neue Entwicklungen wäre eine frühzeitige Abklärung zwischen Pharma- bzw. Biotech-Industrie und Gemeinsamem Bundesausschuss aus betriebs- und volkswirtschaftlicher Sicht durchaus sinnvoll.

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