Symposium

Polymere im Automobilbau

Textil - Kunststoff - Faserverbund

Bericht

Polymere erobern das Automobil
• Innovationen vom Innenraum bis zur Karosserie
• Blick in die Zukunft mit dem Astrolab der ISS-Station
• Erster Cluster-Höhepunkt mit Wirtschaftsminister Erwin Huber

550 Teilnehmer aus 11 Ländern Europas sowie aus Quebec/Kanada im attraktiven Ambiente des FIZ-Projekthauses, dem Entwicklungszentrum der BMW Group in München kennzeichneten den erstmalig ausgerichteten Kongress „Polymere im Automobilbau“. Neue Materialien und zunehmend auch Polymere sind einer der Innovationstreiber im Automobilbau. Durch gezielte Entwicklung neuer Eigenschaften, kontinuierliche Verbesserung der Produktionstechniken sowie Transfer von Erfahrungen, z.B. aus der Luft- und Raumfahrt, finden sie verstärkten Einsatz im Fahrzeugbau. Bayern ist hierfür sehr gut aufgestellt - mit den zwei führenden Premium-Herstellern BMW und Audi sowie einem umfangreichen Netz hervorragender Zulieferer und bedeutenden wissenschaftlichen Einrichtungen.

Eine noch engere Verzahnung der Unternehmen sowie von Wirtschaft und Wissenschaft durch die Cluster-Offensive „Allianz Bayern Innovativ“ bietet Chancen auf weitere regionale Wertschö-pfung, so Staatsminister Erwin Huber in seiner Eröffnungsrede. Der Cluster Automotive werde unter dem Management der Bayern Innovativ GmbH die Umsetzung von Wissen und Erfindungen in marktreife innovative Produkte vorantreiben. Dies trägt dazu bei, Produktion und Entwicklung im eigenen Land zu halten.

Die Bedeutung von Innovationen für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Automobilindustrie und die Notwendigkeit der Zusammenarbeit zwischen OEM und Zulieferunternehmen unterstrich Frank-Peter Arndt, Vorstand Produktion der BMW AG.

Kunststoffe und Faserverbund haben im Fahrzeug bereits einen Materialanteil von 15-20 Prozent mit weiter steigender Tendenz. Anforderungen, Potenziale und Trends erläuterte Dr. Rudolf Stauber, Leiter Betriebsfestigkeit der BMW Group. Kostenreduzierung an Bauteilen wie Sauganlage oder Benzinpumpe, Gewichtsreduzie-rung im Leichtbau der Karosserie, Designfreiheit, z.B. für vordere Seitenwand des 6er BMW sind nur einige Beispiele. Zukünftige Entwicklungen zielen auf den Einsatz der Nanotechnologie, z.B. für die Erhöhung der Temperaturbeständigkeit für das Online-Lackieren, das 180 Grad für 30 Minuten erfordert. Auch im Faserverbundbereich (CFK) liege noch enormes Entwicklungspotenzial hinsichtlich Reduzierung der Herstellungskosten und der Erhöhung von Langlebigkeit und Reparaturfähigkeit.

Textile Techniken bilden einen „Baukasten“ zur Gestaltung komplexer, auch dreidimensionaler CFK-Bauteile, so Dr. Thomas Schuh, Leiter Polymertechnik der DaimlerChrysler AG, über seine Erfahrungen mit dem Mercedes McLaren SLR. Generell ist es erforderlich, die Fasern belastungs-gerecht anzuordnen, um das Leichtbaupotenzial von CFK vollständig auszuschöpfen.
Für den Serieneinsatz im Fahrzeugbau ist aber notwendig, die Produktionstechnik spezifisch für die Automobilindustrie weiter zu automatisieren. Ein direkter Transfer von Erfahrungen aus der Flugzeugindustrie, wie dem A 380, ist nicht möglich.

Gerade für den Innenraum bieten Kunststoffe auch attrak-tive Optik und Haptik mit besonderer Wertanmutung, z.B. für Cockpits durch die so genannte Sprühhaut-Technolo-gie. Hier kommt den technischen Textilien eine besondere Bedeutung zu. Sie eröffnen die Möglichkeit, individuell und flexibel Vorstellungen im Automobil umzusetzen und beeinflussen maßgeblich die Materialkompositionen von morgen, wie Kirsten Schönharting, Geschäftsführerin Strähle + Hess GmbH & Co. KG, eindrucksvoll aufzeigte.

Einen anwendungsorientierten Blick in die Zukunft gab Prof. Dr. Volker Warzelhan, Senior Vice President, BASF. Wärmereflektierende Lacke, neue Färbetechnol-ogien für Polypropylentextilien, z.B. Dachhimmel, Nanopartikel zur Erhöhung der Kratzfestigkeit der Oberfläche, kosteneffiziente Metallisierung von Polymeren für gestalterische Elemente oder vollständig biologisch abbaubare Kunststoffe auf Basis der Petrochemie sind einige der aktuellen Entwicklungen in der Polymer-Pipeline.

Von hohem Innovationspotenzial ist auch die Polymerelektronik mit Halbleitern aus Kunststoff. Ziel ist es, für Automotive- und Textilanwendungen so genannte „Smart Plastics“ zu entwickeln, die mit konventioneller Drucktechnologie hergestellt werden. Einsatzbereiche für derartige Folien wären smarte Beleuchtung für eine angenehme Atmosphäre im Innenraum, Sensoren zur Fahrerüber-wachung oder Klimakontrolle, so Dr. Karlheinz Bock vom Fraunhofer-Institut für Zuver-lässigkeit und Mikrointegration München.

Aus einer ganz anderen Perspektive – dem Weltraum – zeigte Dr. Reinhold Ewald, Astronaut und Missionsbetriebsleiter von Astrolab der ESA, Potenziale für die Materialforschung auf. Unter dem Einfluss der Schwerelosigkeit können richtungsweisende Erkenntnisse gewonnen werden, z.B. hinsichtlich neuer Katalysatoren oder Halbleiter für spätere Anwendung in indus-triellen Produkten.

Die Bedeutung polymerer Materialien für Innovationen im Automobilbau unterstrich abschließend
Dr. Klaus Draeger, Vorstand Entwicklung und Einkauf, BMW AG, in seinem Ausblick. So wird erwartet, dass der Anteil von Kunststoffen mit ihrer Multifunktionalität, von Faserverbund-werkstoffen mit hoher Steifigkeit bei geringem Gewicht sowie von Technischen Textilien in Zukunft weiter steigen wird. Jedoch gilt es, neben neuen Produkteigenschaften auch die Fertigungstech-nologien weiter zu entwickeln, um die notwenige Kosteneffizienz zu erzielen.



Als Ergebnis der langjährigen Zusammenarbeit auf den Gebieten Automobil und Textil mit der Region Quebec haben führende Unternehmen und Institute an diesem Kongress teilgenommen und wertvolle neue Kooperationen mit hiesigen Firmen erschlossen.

Die Organisation erfolgte in bewährter Zusammenarbeit mit dem Verband der Bayerischen Textil- und Bekleidungsindustrie e.V., dem Quebecer Verband für Spezialfahrzeuge und Transport AMETVS, dem Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau VDMA Bayern sowie mit umfassender Unterstützung durch das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie.

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