

Nürnberg/Penzberg, 15.04.2008 Biopharmazeutika, d. h. biotechnologisch hergestellte Arzneimittel, finden erfolgreichen Einsatz in der Therapie von Krankheiten wie Diabetes, Krebs, Multiple Sklerose oder Rheumatoide Arthritis. Ihre Bedeutung spiegelt sich in einem stetig wachsenden Marktpotenzial wider: Im Jahr 2006 wurde in Deutschland erstmals die 3-Milliarden-Euro-Umsatz-Marke überschritten. Zudem waren rund 30 % der neu zugelassenen Arzneimittel mit neuen Wirkstoffen Biopharmazeutika.
Zu den Biopharmazeutika zählen therapeutische Proteine, die vorwiegend in der Substitutionstherapie eingesetzt werden, wie z. B. Insuline für die Behandlung von Diabetes. Ein hohes Wachstumspotenzial besitzen biologische Wirkstoffe mit neuen Wirkmechanismen, wie etwa monoklonale Antikörper, die hochspezifisch an krankheitsrelevante Zielmoleküle binden und ihre Wirkung entfalten.
Deutschland spielt als Standort für biotechnologische Produktion in der ersten Liga und nimmt gemessen am Bioreaktor-Volumen weltweit den zweiten Platz hinter den USA ein. Dabei zählt Roche in Penzberg mit ungefähr 4.400 Mitarbeitern zu den größten Biotechnologie-Standorten in Europa. Vereint sind dort Forschung, Entwicklung und Produktion für biopharmazeutische Wirkstoffe und Diagnostika.
In Zukunft wird mit einem weiteren Ausbau der weltweiten Produktionskapazitäten gerechnet. Verantwortlich hierfür sind aktuelle Projekte in Forschung und klinischer Prüfung, die die Entwicklung biologischer Substanzen mit einer verbesserten Wirksamkeit zum Ziel haben sowie die Erforschung neuer Targets und Wirkstoffe zur Therapie weiterer Krankheitsbilder.
Inhalte des gemeinsamen Kooperationsforums
Vor diesem Hintergrund konzipiert und organisiert die Bayern Innovativ GmbH als Koordinator des Netzwerkes Life Science Bavaria erstmals gemeinsam mit Roche Penzberg das Kooperationsforum "Biopharmaceuticals" in Benediktbeuern, in unmittelbarer Nähe zum Standort im oberbayerischen Voralpenland.
„Die gemeinsame Konzeption und Ausrichtung des Forums mit Roche als exklusivem Partner sehen wir als besondere Chance und als Anerkennung unserer langjährigen konstruktiven Zusammenarbeit“ so Professor Dr. Josef Nassauer, Geschäftsführer der Bayern Innovativ GmbH, Nürnberg. „Dabei ist es für uns eine besondere Freude, dass sich Prof. Dr. Dr. Klaus Strein, Leiter Pharma-Forschung Deutschland bei Roche, aktiv in dieses Forum einbringt. Er wird zum Auftakt aktuelle Entwicklungen und Trends im Bereich Biopharmazeutika und speziell der monoklonalen Antikörper aus Sicht der Pharma-Industrie vorstellen“.
Im Mittelpunkt des Forums stehen Neu- und Weiterentwicklungen von Wirkstoffen sowie neue Plattformen für die biopharmazeutische Produktion.
Methoden zur Erhöhung der Wirksamkeit therapeutischer Proteine oder monoklonaler Antikörper bieten Technologien wie Glykosylierung oder PEGylierung. Des Weiteren werden Ansätze zur Entwicklung bispezifischer und trifunktionaler Antikörper vorgestellt. Gezieltes Gen-Design ermöglicht es, unmittelbar maßgeschneiderte biopharmazeutische Wirkstoffmoleküle zu generieren. Weiterhin werden heute neue Molekülstrukturen mit Antikörper-ähnlichen Eigenschaften entwickelt, wie z.B. Anticaline, die aufgrund ihrer geringeren Größe Vorteile in Applikation und Herstellung aufweisen.
Die Herstellung und Aufreinigung biopharmazeutischer Wirkstoffe stellt besondere Anforderungen an biotechnologischen Produktionsanlagen. Deren Konzeption und aktuelle Trends wie die Nutzung von Einmalbehältern, sogenannten Disposables, für den Fermentationsprozess werden diskutiert und bewertet. Zudem werden neue Technologien im Hinblick auf eine flexible Produktion von kleinen Wirkstoffmengen für präklinische und klinische Tests vorgestellt. Als Alternative zu Säugetierzellen oder Bakterienzellen wird das Einsatz von Pflanzenzellen als zukünftige Option für die Herstellung therapeutischer Antikörper aufgezeigt.
In der öffentlichen Diskussion wird einerseits eine unzureichende Anzahl von innovativen Produkteinführungen im Pharma-Bereich in Deutschland moniert, andererseits werden hohe Kosten in Anbetracht der Entwicklungsdynamik und der zahlreichen Wirkstoffkandidaten in präklinischen und klinischen Test befürchtet. Diese Fragestellung wird abschließend aus Sicht eines Unternehmens sowie des Verbandes Forschender Arzneimittelhersteller VFA diskutiert.
Daten und Fakten zum Kooperationsforum
Bayern Innovativ führt sie wieder zusammen: Rund 280 Teilnehmer aus dem gesamten Bundesgebiet sowie Belgien, der Schweiz und Österreich, treffen sich, um aktuelle Informationen auszutauschen und neue Kooperationen für weiterführende Entwicklungen aufzubauen. Zu den Teilnehmern zählen Unternehmen aus Pharma, Biotech, Verfahrens- und Medizintechnik sowie wissenschaftliche Einrichtungen und Verbände, u. a. Boehringer Ingelheim, Fresenius, GSK, Glycotope, Hexal, Merck, MorphoSys, Novartis, Pieris, ProBioGen, Qiagen, Rentschler Biotechnologie, Roche, Sandoz, Siemens, Wacker-Chemie, Deutsches Krebsforschungszentrum, Helmholtz-Zentrum München, Max-Planck-Institut für Biochemie, ETH Zürich, die Universitäten Aachen, München, Erlangen und Ulm sowie der Verband der Forschenden Arzneimittelhersteller VFA.
Im Rahmen der begleitenden Ausstellung präsentieren 22 Unternehmen und wissenschaftliche Institute ihre Technologien und neueste Ergebnisse.
Am Vortag hatten Teilnehmer des Kooperationsforums die Gelegenheit, die Produktion von Biopharmazeutika bei Roche in Penzberg direkt vor Ort zu besichtigen und zu erleben.
Bayern Innovativ GmbH – Life Science Bavaria – Cluster Biotechnologie
Die Bayern Innovativ GmbH koordiniert seit knapp zehn Jahren das internationale Netzwerk „Life Science Bavaria“, mit dem Firmen und Institute Zugang zu potentiellen Partnern in mittlerweile rund 30 Ländern finden. Eine wichtige Informationsquelle ist der vierteljährliche Newsletter in englischer Sprache an einen Kreis von Interessenten, die auch zu den Teilnehmern von Kongressen und Kooperationsforen gehören. Deren Konzeption und Ausrichtung ist Kernkompetenz der Bayern Innovativ GmbH. Dazu gehören auch Gemeinschaftsstände wie auf der „Analytica“ Anfang April 2008 in München mit dem Schwerpunkt Life Science Analytik. Auf diesem Stand waren auch zwei Preisträger, u. a. einer der beiden Gewinner des erstmals von Roche ausgelobten Analytica–Forschungspreises. Die jeweiligen Arbeiten sind von hoher Relevanz für ein besseres Verständnis von Krankheitsursachen und damit auch für die weitere Entwicklung von Diagnostik und Therapie – insbesondere auch auf Basis von Biopharmazeutika.
In all den Aktivitäten arbeitet die Bayern Innovativ GmbH synergetisch mit der BioM Biotech Cluster Development GmbH zusammen, verantwortlich für das Management des Clusters Biotechnologie. Zu deren Aufgaben zählt u. a. die Repräsentanz des Biotech-Standortes Bayern, z. B. durch Vorstellung des aktuellen Biotech-Reports am 14. April 2008 in München.
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