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Nürnberg/Benediktbeuern, 18.05.2010 - Biotechnologisch hergestellte Arzneimittel (Biopharmazeutika) sind ein unverzichtbarer Bestandteil moderner Therapien geworden. Aufgrund der hohen Spezifität und Wirksamkeit haben sie bereits zu nachhaltigen Fortschritten bei der Therapie von Krebs, Multipler Sklerose und Rheumatoider Arthritis geführt. Jedes vierte neue Arzneimittel in Deutschland ist heute bereits ein Biopharmazeutikum - Tendenz steigend.
Deutschland ist in Bezug auf biotechnologische Produktionskapazitäten Europa-meister und auf globaler Ebene auf Rang zwei nach den USA. Bayern spielt dabei sowohl bei der Erforschung und Entwicklung biopharmazeutischer Wirkstoffe wie auch in der Produktion in der ersten Liga. Das Team umfasst ausgezeichnete wissenschaftliche Institute, Start-up- und mittelständische Unternehmen sowie Roche in Penzberg - einer der europaweit größten Biotechnologie-Standorte.
Entscheidend für die Entwicklung zukünftiger Therapien ist der Einsatz innovativer Technologien und die interdisziplinäre Zusammenarbeit verschiedener wissen-schaftlicher Bereiche. Durch die Anwendung „molekularer Ingenieurwissenschaften" können beispielsweise Wirkstoffeigenschaften verbessert, neuartige Wirkstoff-strukturen ("Scaffolds") entwickelt und kostengünstigere Produktionsverfahren realisiert werden.
Inhalte des Kooperationsforums
Vor diesem Hintergrund konzipiert und organisiert die Bayern Innovativ GmbH als Koordinator des Netzwerkes Life Science gemeinsam mit Roche Penzberg das 2. Kooperationsforum "Biopharmaceuticals" in Zusammenarbeit mit dem Cluster Biotechnologie Bayern.
Im Mittelpunkt des Forums stehen Strategien biopharmazeutischer Entwicklungen, Ansätze für neuartige Scaffolds, Technologieplattformen zur Optimierung von Biopharmazeutika sowie aktuelle Trends in der Produktion biologischer Wirkstoffe.
Neue Therapien beruhen auf der Identifizierung und Charakterisierung der molekularen Zusammenhänge von Krankheiten sowie auf der Entwicklung hochspezifischer Wirkstoffstrukturen. Diese können zielgenau an krankheits-relevante Targets binden und damit die Eliminierung der erkrankten Zellen einleiten. Beispielsweise spielen monoklonale Antikörper in der modernen Krebstherapie eine wichtige Rolle. Im Vergleich zum Vorjahr ist ihr Markt 2009 um 29 Prozent gewachsen. Neue Ansätze zielen u. a. auf die Entwicklung multi-funktionaler Antikörper ab, die zusätzliche Spieler des Immunsystems aktivieren und damit Krebszellen effektiver eliminieren können. Als Alternative zu Antikörpern werden in Zukunft insbesondere neuartige Scaffolds wie Anticaline und Ankyrine an Bedeutung gewinnen. Sie besitzen eine viel einfachere Struktur und bieten bei analogen Bindungsfunktionen aufgrund der geringen Molekülgrößen Vorteile in Stabilität und Produktion.
Eigenschaften wie Halbwertszeit, Immunogenität und Nebenwirkungen lassen sich durch die gezielte Modifikation des biologischen Moleküls verbessern. Verlängerte Plasma-Halbwertszeiten werden beispielsweise durch PASylierung oder HESylierung erzielt; Bioaktivität und -verfügbarkeit sowie Immunogenität können durch das Design der Zuckerreste, das sogenannte Glycoengineering, optimiert werden. Durch die Entwicklung eines neuen Verfahrens, das auf dem Enzym Hyaluronidase basiert, können bestimmte biologische Wirkstoffe auch subkutan appliziert werden. Der Patient kann dadurch zukünftig zu Hause oder vom Hausarzt behandelt werden.
Innovative Technologien werden insbesondere auch in der Produktion und Aufreinigung biologischer Wirkstoffe angewendet: Prozesse und Produktqualität können durch Modellieren der Fermentation sowie neue Screening-Technologien im Downstream-Processing optimiert werden. Als Alternative zu Säugetierzellen wird die individualisierte Impfstoffproduktion in Tabakpflanzen vorgestellt; für bestimmte Anwendungen stellt sie eine schnelle, flexible und kostengünstige Methode dar.
Biopharmazeutika sind ein wichtiger Bestandteil personalisierter Medizin. Auf dem Forum wird das m4-Konzept zur personalisierten Medizin vorgestellt, mit dem die Biotech-Region München als einer der Gewinner des diesjährigen BMBF-Spitzencluster-Wettbewerbs hervorgegangen ist.
Daten und Fakten zum Kooperationsforum
Mit 270 Teilnehmern aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Frankreich, Irland, Schweden, Dänemark, den Niederlanden und USA bietet das internationale Forum Kontaktmöglichkeiten zu Pharma, Biotech und Wissenschaft - zu Unternehmen wie GSK, Merck, Novartis, Daiichi Sankyo, GE Healthcare, Scil Technology, Rentschler Biotechnologie oder Thermo Fisher sowie zu Forschungseinrichtungen wie HelmholtzZentrum München und Karlsruher Institut für Technologie, zu Fraunhofer-Instituten und den Universitäten Erlangen, München und Regensburg.
In der begleitenden Fachausstellung stellen 27 Firmen und Institute ihre innovativen Produkte, Technologien und Dienstleistungen der biopharmazeutischen Wirkstoff-forschung und -entwicklung, Diagnostik und Analytik sowie der biotechnologischen Prozessentwicklung vor.
Dass Bayern bei Biopharmazeutika zur Spitze in Europa zählt, davon haben sich die zahlreichen Teilnehmer bereits gestern überzeugt. Bei der Besichtigung der Biologics Produktion konnten sie erleben, was am Roche Standort Penzberg gespielt wird.