Zulieferer Innovativ – ein heißer Kongress
• Feuerwerk an Innovationen von morgen
• 1.200 Teilnehmer aus 20 Ländern im Audi-Forum
• BAIKA und Cluster Automotive gehen Hand in Hand
Ein voll besetztes Audi-Forum, tropische Temperaturen und eine Rekordausstellung mit faszinierenden Neuentwicklungen waren äußere Zeichen des 8. BAIKA Jahreskongresses am 5. Juli 2006 in Ingolstadt. Die Organisation erfolgte in bewährter Partnerschaft mit dem Verband der Automobilindustrie VDA, Frankfurt, und der IFG Ingolstadt sowie mit umfassender Unterstützung des Bayerischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie.
Die Automobilindustrie wird weiter wachsen; bis 2011wird ein Wachstum von 17 % auf über 70 Millionen weltweit produzierter Fahrzeuge pro Jahr prognostiziert. Diese Volumenzunahme betrifft vor allem das Kleinwagensegment in den neuen Märkten Asien, Osteuropa und Lateinamerika. Die etablierten Märkte wie Westeuropa, Nordamerika und Japan werden dagegen vorwiegend durch die zunehmende Wertigkeit der Fahrzeuge mit höherer Funktionalität, Attraktivität und Qualität wachsen.
Innovationen spielen deshalb in der Automobilindustrie auch zukünftig eine herausragende Rolle, sowohl für das Fahrzeug wie auch für die Produktion. Bayern ist hier sehr gut aufgestellt mit zwei weltweit führenden Premiumherstellern, innovativen Top-Zulieferern und bedeutenden wissenschaftlichen Einrichtungen. Deren noch intensivere Vernetzung über den neuen Cluster Automotive bietet der einheimischen Automobilindustrie gerade jetzt weitere Chancen regionaler Wertschöpfung – eine wichtige Perspektive, um besser, schneller und flexibler zu sein als der Wettbewerb. „Mit einem Umsatz von mehr als 70 Mrd. Euro und über 180.000 Arbeitsplätzen ist die Automobilindustrie die Branche Nr. 1 in Bayern“, so Wirtschaftsstaatssekretär Hans Spitzner in seiner Eröffnungsrede. Auch international nehme sie eine führende Position ein und sei Vorreiter in der Entwicklung und Anwendung von Spitzentechnologie. „Ein entscheidender Faktor hinsichtlich globaler Marktentwicklungen“, meinte Prof. Dr. Bernd Gottschalk, Präsident des VDA. Denn gerade China und Indien würden ihre Produktionskapazitäten deutlich erhöhen, um die eigenen Märkte zu bedienen, aber auch um zukünftig zu exportieren, z. B. nach Europa.
Dies erhöhe die Intention der Premiumhersteller, voll auf Innovation zu setzen, wie Dr. Werner Widuckel, Mitglied des Vorstandes der AUDI AG, in seinem brillanten Beitrag belegte. Dabei sei die Kundenbegeisterung hinsichtlich Emotionalität und Qualität der Produkte von besonderer Bedeutung. Die Imagepositionierung der Marken beruhe maßgeblich auf der Innovationskraft der Unternehmen. „Es ist notwendig, daß wir unsere Innovationsprozesse besser vernetzen, zwischen Zulieferern und Herstellern, aber auch zwischen den Zulieferern untereinander“, betonte Widuckel. So entstünden neue Bindungen zum Standort, der sich nicht mehr allein über Kosten, sondern insbesondere über
Qualifikation, Effizienz und Flexibilität definiere.
Genau hier, so Prof. Dr. Josef Nassauer, Geschäftsführer der Bayern Innovativ GmbH, setze der neue Cluster Automotive an. Die regionale Wertschöpfung über eine intensivierte Vernetzung stärken, sowohl in der Wirtschaft, als auch zwischen Wirtschaft und Forschung, ist zentrales Element dieser neuen Initiative der Bayerischen Staatsregierung unter Federführung von Wirtschaftsminister Erwin Huber. Der Jahreskongress bot die ideale Gelegenheit, einem großen Kreis den aktuellen Stand, die ersten Handlungsfelder sowie die effiziente Verzahnung des Clusters Automotive mit BAIKA vorzustellen.
Die Stärkung der Innovationskraft durch Vernetzung von Wirtschaft und Wissenschaft erläuterte Prof. Dr. Bernd Heißing von der TU München, der beispielhaft über richtungsweisende Forschungskooperationen im Bereich der Fahrerassistenz berichtete. Zeichnet sich bei den Automobilherstellern zunehmend eine Ausrichtung auf Premium- bzw. Volumenmärkte ab, so sind international agierende Zulieferer bestrebt, beiden Herausforderungen gerecht zu werden. Mit großem Interesse verfolgten die Teilnehmer die Ausführungen von Steve Rodgers, Vice President Marketing and Business Development Asia Pacific von Magna International Inc., Kanada. Der weltweit drittgrößte Zulieferer ist entschlossen, sowohl im Feld der klassischen Massenproduktion wie auch im Aufbau individueller, flexibler und höchsteffizienter sowie qualitativ hochwertiger Prozessketten eine führende Position einzunehmen.
Flexibilität und Effizienz in der Produktion war eines der zentralen Themen des Kongresses mit einer Vielzahl an Lösungsansätzen. So hat die BMW eine eigene Business-Unit für ihre M-Modelle etabliert. Für diese Kleinserien wird höchste Effizienz und Qualität auf der Basis supra-adaptiver Logistik-Systeme realisiert. Anders die Strategie von Toyota im Kerngeschäft: Die bereits geringe Anzahl an Plattformen soll weiter reduziert, gleichzeitig die Modellvarianten erhöht werden. Der Zulieferer Cherry optimierte in Anlehnung an das Toyota-Modell die Arbeitsprozesse kontinuierlich und wandelte sich vom Komponenten zum Systemlieferanten, um mehr Freiheitsgrade für Produktinnovationen zu erzielen.
Design und Funktionalität der Karosserie prägen die Attraktivität von Fahrzeugen. Herausragende Beispiele in dieser Vortragsreihe waren neue Mischbauweisen für das TT Coupé oder eine Weltneuheit im Bereich Cabrio-Systeme. Forschung und Entwicklung konzentrieren sich immer mehr auf die Lösung sehr komplexer Fragestellungen. Ein Beispiel waren die Ausführungen von Dr. Ralf Kunkel, AUDI AG, zur weiteren Reduzierung von Fahrgeräuschen, die nur mehr durch eine ganzheitliche Optimierung aller Fahrzeugkomponenten zu erzielen ist. Hierzu rücken neuartige Simulationsverfahren in den Vordergrund, die zu deutlich verkürzten Entwicklungszeiten beitragen.
Abschließender Höhepunkt war der Ausblick von Frank M. Rinderknecht, Rinspeed AG, Schweiz. Als einer der führenden seiner Branche fühlt er zukünftige Emotionalität rund um das Fahrzeug „voraus“ und lässt sie in ersten Concept Cars und Prototypen Realität werden.
Die begleitende Fachausstellung mit rund 190 Ausstellern zeigte faszinierende Neuheiten wie Fußgängerschutzentwicklung, Skinplex-Technologie (Datenübertragung über die Haut), Mechatronik-Lösungen zum Schalten und Steuern für Antriebsstrang und Karosserie, revolutionäre Lichttechnik oder ein erstes transparentes Hardtop aus Polycarbonat. Zu den teilnehmenden Firmen zählten Hersteller wie Audi, BMW, Daimler-Chrysler, Toyota, Porsche und Volkswagen sowie Zulieferer wie Behr, Brose, Clariant, Cherry, ContiTemic, Degussa, Delphi, Dräxlmaier, Edscha, Grammer, Helsa Automotive, HÖR Technologie, INA-Schaeffler, KATHREINWerke, Leoni, MAN Nutzfahrzeuge,
Oechsler, Peguform, Siemens, TEIJIN MONOFILAMENT, Webasto, W. L. Gore, ZF Sachs. Lehrstühle der Universitäten Cottbus, Würzburg, München, Linz und St. Gallen sowie bayerische Fachhochschulen, Fraunhofer-Institute und Forschungsverbünde repräsentierten die Wissenschaft.
Vorträge sowie Interviews sind unter www.bayern-innovativ.de/Kongress-TV als Aufzeichnung zu sehen.