Die Abkürzung RFID steht für "Radio Frequency Identification" - zu Deutsch schlicht: Funkerkennung. Beschleunigt durch einen Feldversuch der Metro Gruppe mit dem Ziel, die Technologie für den Einzelhandel wirtschaftlich einzusetzen, findet RFID heute in immer mehr Systemen und Bereichen Anwendung. Ein attraktives Betätigungsfeld ist die Intralogistik. Speziell hier sorgt der Vorteil, große Datenmengen berührungsfrei zu erfassen für eine wachsende Verbreitung. Dabei sind die Möglichkeiten der Technologie derzeit bei weitem noch nicht ausgeschöpft. Experten gehen davon aus, dass sich RFID in den nächsten Jahren weiter durchsetzen wird und neue Einsatzfelder hinzu kommen.
Aktuelle Praxisbeispiele zeigten Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft beim Cluster-Treff „RFID in der Intralogistik" im BMW Werk Regensburg. Über 80 Teilnehmer aus den Bereichen der Logistikdienstleistungswirtschaft und der Industrie informierten sich über Herausforderungen, Lösungen und Trends.
Investitionen erfordern heute einen schnellen „ROI". Die Implementierung von RFID-Projekten kann sich dennoch für viele Unternehmen als mittel- oder langfristiges Investitionsvorhaben lohnen, wenn Synergieeffekte und ergänzende Anwendungen von Anfang an in die Betrachtung mit einbezogen werden. Zentrale Herausforderung ist die Bewertung der Nutzenpotenziale unter Betrachtung von Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit. Philipp Precht vom Zentrum für Intelligente Objekte des Fraunhofer-Instituts für Integrierte Schaltungen IIS in Erlangen erläuterte beim Cluster-Treff „RFID in de Intralogistik", wie eine strukturierte und ganzheitliche Vorgehensweise für die Nutzenbewertung aussehen kann. Prämisse beim Einsatz neuer Technologien ist, dass dies kein Selbstzweck sein darf. Die Erfassung und Dokumentation der Prozesse ist Grundvoraussetzung für ihre Diskussion und Bewertung. Hier sollte auch immer eine „Verortung" der Nutzenpotenziale stattfinden, um bei einer Gegenüberstellung von Kosten und Nutzen die mittel- oder langfristigen Potenziale mit zu betrachten. Nur so kann die Frage, in welchen Anwendungsszenarien RFID zum Einsatz kommen kann und wann sich die Investitionen tatsächlich lohnen, sinnvoll beantwortet werden.
Dass mit dem Einsatz von RFID auch kurzfristig ein Return on Invest erreicht werden kann, zeigte Christoph Bloechl, Spezialist Produktions-IT im BMW Werk Regensburg, eindrucksvoll anhand eines bei BMW realisierten Projekts, über dass sich die Teilnehmer des Cluster-Treffs auch bei einer Führung durch die Produktion hautnah informieren konnten. BMW setzt RFID im Werk Regensburg nicht nur zur Lokalisierung und Identifikation der Fahrzeuge auf dem Produktionsband ein. Eine spezielle Software ermöglicht, zum Beispiel per Funk die individuellen Drehmomentdaten an Schraubenschlüssel für den anstehenden Arbeitsvorgang am jeweiligen Fahrzeug zu übermitteln. Dies erhöht nicht nur die Prozesssicherheit, sondern führt auch zu einer erheblichen Zeitersparnis. Somit konnten in diesem Projekt sowohl die Produktqualität als auch die Kosten erheblich verbessert werden. In der Wirtschaftlichkeitsrechnung ergab sich eine Amortisation von unter einem Jahr. Dabei wurden die mittelfristigen Planungen der Implementierung einer Stellplatzverwaltung und Logistiksteuerung mittels RFID noch nicht eingerechnet.
Ein Praxisbeispiel aus der Papierbranche stellte Stefan Scheller, Business Development Manager der smart-TEC GmbH & Co. KG aus Oberhaching, vor. Sein Unternehmen versah beim Neubau der Lagerhalle eines Kunden den kompletten Boden mit passiven RFID-Tags und stattete alle Gabelstapler mit UHF-Lesegeräten und -antennen aus. Über die RFID-gesteuerte Staplerführung kann nun jede einzelne der mit passiven Transpondern versehenen Papierrollen lokalisiert und ein- und ausgelagert werden. Eine Pulkerfassung an einem RFID-Gate am Hallentor ermöglicht darüber hinaus eine automatische Buchung in Echtzeit.
Während die Nutzung von RFID bei Papier relativ einfach ist, erfordern Praxisanwendungen das Behältermanagement aufgrund oftmals rauherer Umgebungsbedingungen oder der Verwendung metallischer Behälter komplexere Lösungen. Helmut Mühlbauer, Leiter Transport und Verkehr der ESG Elektroniksystem- und Logistik GmbH aus Fürstenfeldbruck berichtete über die Herausforderungen, Tests und Lösungen für einen geschlossenen Kreislauf metallischer Behälter. Ein besonderes Augenmerk bei der Einführung von RFID sollte seiner Ansicht nach auf die Reichweite der unterschiedlichen RFID-Transpondertypen gelegt werden. Meist hängt die Erfassungsgenauigkeit nicht nur von der Frequenz und Umgebung ab, sondern auch von der Anbringung am Behälter und dem entsprechenden Lesewinkel der Antennen.
Norbert Jungbauer, Geschäftsführer der initPRO GmbH aus Regensburg demonstrierte den Teilnehmern abschließend, wie standardisierte, passive RFID-Tags mit einem handelsüblichen RFID-Drucker „beschriftet" werden und auf welche Parameter in der Praxis zu achten ist. Welche und wie viele Informationen auf einem passiven 96-Bit-Transponder hinterlegt werden können, wird vom verwendeten Standard vorgegeben. Wie sein Vorredner Helmut Mühlbauer unterstrich auch Norbert Jungbauer, dass das Erkennen der RFID-Tags und das Auslesen der Informationen sehr stark abhängig vom Winkel zwischen Antenne und Tag abhängt, während die Entfernung - je nach Umgebung - nur eine untergeordnete Rolle spielt.
Fazit: Die Möglichkeiten der RFID-Technologie sind derzeit noch nicht annähernd ausgeschöpft. Da RFID heute noch in vielen Bereichen Einschränkungen unterliegt, erfordern entsprechende Projekte kundenspezifische Lösungen. Ist ein sinnvoller Einsatz gewährleistet, kann RFID erheblich zur Effizienz-, Qualitäts- und Kostenoptimierung beitragen. Experten gehen davon aus, dass sich RFID in den nächsten Jahren weiter durchsetzen wird und neue Einsatzfelder hinzu kommen.