Symposium

Bau Innovativ

Energieeffizienz und Wirtschaftlichkeit

Nachbericht

Symposium Bau Innovativ - Energieeffizienz und Wirtschaftlichkeit

  • Herausforderungen Energieeffizienz und Wirtschaftlichkeit
  • Branchentreff mit 275 Teilnehmern in der IHK Akademie in Nürnberg
  • Plenarvorträge der Staatssekretäre Katja Hessel und Franz Josef Pschierer

Am 10. März 2010 trafen sich bei „Bau Innovativ" in Nürnberg Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Kommunen und Forschung zum Dialog und zur Diskussion über aktuelle Themen der Bauwirtschaft. 275 Teilnehmer und 18 Aussteller aus Bayern und dem ganzen Bundesgebiet nahmen an dem von der Bayern Innovativ GmbH konzipierten und organisierten Symposium teil. Durch die Kooperation mit den bayerischen Bauverbänden, die Unterstützung des Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie und die Einbindung des Bayerischen Staatsministeriums der Finanzen sowie namhafter Experten der Baubranche wurde eine breite Basis für die Themen Wirtschaftlichkeit, Energieeffizienz und altersgerechtes Planen und Bauen geschaffen.
Bayerns Staatssekretärin für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie, Katja Hessel, betonte in ihrer Eröffnungsrede die Schlüsselrolle der Baubranche mit 130.000 Arbeitsplätzen und einem Umsatz von 16 Milliarden Euro für Bayerns Wirtschaft.
Um die bayerischen Bauwirtschaft in den kommenden Jahren zu stabilisieren, sind staatliche Finanzierungs- und Förderinstrumente attraktive und wichtige Anreizsysteme für Investitionen im Bausektor. Kommunen können die zur Verfügung stehenden Freiräume nutzen; Banken und Investoren könnten gezielt Impulse setzen, so Bayerns Staatssekretär der Finanzen, Franz Josef Pschierer.
Prof. Josef Nassauer, Geschäftsführer, Bayern Innovativ GmbH, hob in seiner Einführung hervor, dass vielfältige neue Technologien in Bauvorhaben genutzt werden können, um Energieeffizienz und Wirtschaftlichkeit zu erhöhen. Hierzu bietet sich die Bayern Innovativ GmbH als Drehscheibe an, die auch überregional gezielte Vernetzungen herstellt: zu Bereichen wie der Energietechnik und der Elektronik, neuen Baumaterialien wie Glas und Textil oder der Logistik. Allein logistische Abläufe bedingen rund 25 Prozent der Baukosten und bieten besonderes wirtschaftliches Optimierungspotenzial.

Auf dem diesjährigen Symposium „Bau Innovativ" gelang es der Bayern Innovativ, die Experten und Entscheidungsträger der Branche zusammenzuführen, um Perspektiven und Chancen, aber auch die zukünftigen Herausforderungen im Bausektor tiefgehend zu diskutieren.

Die Inhalte des Symposiums wurden im nachfolgenden Text wie folgt gegliedert:

 

Trends in der Baubranche

Beeinflusst wird der Kurs der Bauwirtschaft maßgeblich von fünf Megatrends, wie Dr. Veit Walthelm, Repräsentant des Bayerischen Bauindustrieverbands und Geschäftsführender
Gesellschafter eines traditionsreichen Bauunternehmens, schilderte. Diese Trends, die die Baubranche in Zukunft wesentlich beeinflussen werden, lassen sich wie folgt zusammenfassen: Globalisierung und neue Märkte, Mobilität und Kommunikation, wachsende und alternde Bevölkerung, Energie und Umweltschutz, sowie Urbanisierung. Die Schwerpunkte der Bauforschung konzentrieren sich auf Effizienzsteigerung im Bauablauf, z. B. durch den Einsatz von RFID, neue Partnerschaftsmodelle, Nanomaterialien, Flächenoptimiertes Bauen, Lärmreduzierung im Schienen- und Straßenverkehr und energieeffizientes Bauen.

Energieeffizienz im Wohnungsbau

Nicht nur die Initiierung von Neubauprojekten, sondern auch die energetische Gebäudesanierung ist eines der zentralen Themen im Wohnungsbau. Trotz zahlreicher Förderprogramme ist der Sanierungsbedarf alten Wohnraums um ein Vielfaches größer als die bereits umgesetzten Gebäudesanierungen. Sowohl die hohen energetischen Standards der ENEV 2009 als auch der steigende Bedarf an altersgerechtem Wohnraum erfordern Modernisierungsmaßnahmen, die sich langfristig meist nicht amortisieren. Sind die Defizite an einem sanierungsbedürftigen Gebäude zu groß, stellt aus wirtschaftlicher Sicht im Einzelfall der Abriss und Ersatzneubau die bessere Alternative dar. In diesem Punkt waren sich Reinhard Zingler, Vorstand der Joseph Stiftung und Professor Volker Eichener von der EBZ Business School GmbH einig.

Wirtschaftliches Bauen - wie können die Kosten für die steigenden Anforderungen an Gebäude finanziert werden?

In der Podiumsdiskussion stellte Moderator Jürgen Seitz vom Bayerischen Rundfunk die im Verlauf des Symposiums immer wieder auftretende Frage „ Wer soll die steigenden Anforderungen an Gebäude bezahlen?" zur Diskussion. An der Expertenrunde nahmen teil: Ministerialdirektor Josef Poxleitner, Leiter der Obersten Baubehörde im Bayerischen Staatsministerium des Innern, Professor Gerd Hauser, Leiter des Fraunhofer Instituts für Bauphysik, Rudolf Scherzer, Vizepräsident der Bayerischen Architektenkammer und Reinhard Zingler, Vorstand der Joseph-Stiftung. Prof. Hauser vertrat den Standpunkt, dass es aufgrund der Vorgaben zum Erreichen der Klimaschutzziele keine Alternative zum energieeffizienten Bauen und dem Einsatz erneuerbarer Energien in Gebäuden gibt. Energieeinsparung bedeute aber nicht gleichzeitig auch Kosteneinsparung, der Erfolg einer umgesetzten Gebäudesanierung bzw. eines Neubaus sollte aber auch nicht an der 1. Gasrechnung festgemacht werden. Auch der Betrieb eines Gebäudes über den gesamten Lebenszyklus muss in die Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen einbezogen werden. Eine qualifizierte und integrale Bauplanung mit der Einbindung aller am Bauprojekt beteiligten Akteure und eine optimale Bauwerksperformance sind grundlegende Vorraussetzungen zur Schaffung nachhaltiger und wirtschaftlicher Gebäude, argumentierte Jörg Haller von der HOCHTIEF Projektentwicklung GmbH in München. Ein System zur Kennzeichnung nachhaltiger Gebäude sind Zertifizierungssysteme wie z.B. das Deutsche Gütesiegel für Nachhaltiges Bauen, das neben ökologischen, kulturellen und ökonomischen Werten auch Schutzziele, wie die Sicherung der Gesundheit und das Wohlbefinden der Nutzer von Gebäuden berücksichtigt.

Innovationen für Energieeffizienz und Energieeinsparung in Gebäuden

Innovative Lüftungs- Heizungssysteme tragen sowohl zur Steigerung der Behaglichkeit als auch zur Erhöhung der Energieeffizienz bei. Dr. Burkhard Schulze Darup stellte heraus, dass schon jetzt die technischen Möglichkeiten für den Bau von Häusern, die mehr Energie erzeugen als sie verbrauchen, den sogenannten Plus-Energiehäusern, existieren. Innovationen im Bereich der Gebäudehülle sind z.B. innovative Vakuumverglasungen, die aufgrund ihrer optischen und technischen Eigenschaften eine vielversprechende Ergänzung zu nicht transparenten Bauteilen darstellen. Im Bereich der Haustechnik sind hocheffiziente Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung im Neubau bereits Standard. Durch integrierte Lüftungskanäle in Wärmedämmsystemen können moderne Lüftungsanlagen nun auch bei der Bestandssanierung eingebaut werden, erklärte Prof. Dr. Gerd Hauser, Fraunhofer-Institut für Bauphysik.

Chancen der bayerischen Bauwirtschaft auf internationalen Märkten

Einen Ausblick auf die kommenden EU Vorgaben hinsichtlich der nochmaligen Erhöhung der Energieeffizienz-Standards der EnEV und die Weiterentwicklung der europäischen Gebäuderichtlinie gab Dr. Martin Elsberger. Die Richtlinie hat sich heute schon als Exportschlager erwiesen. Sowohl die USA als auch China wollen Elemente aus der Richtlinie entnehmen. Dies eröffnet europäischen Unternehmen den Markteintritt in diese Länder, so die Meinung von Dr. Elsberger. Die Unternehmen der deutschen Bauindustrie sind im Ausland sehr erfolgreich und haben beste Voraussetzungen, auch in Zukunft im nationalen und internationalen Markt bestehen zu können. Sowohl die aktuellen Forschungsaktivitäten als auch die Innovationen am Bau sind hierbei Impulsgeber und Motor.

Die Partner des Symposiums

Das Symposium wurde konzipiert mit Unterstützung des Bayerischen Bauindustrieverbands, des Bayerischen Industrieverband Steine und Erden, der Bayerischen Baugewerbeverbänden, des Beton Marketing Süd, BetonBauteile Bayern, des Bayerischen Ziegelindustrie-Verbands und der Kalksandsteinindustrie Bayern.

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