
Best Minds Meet - Stärkung der Innovationsfähigkeit im Mittelstand
Best Minds Meet fand nach dem Auftakt 2009 in Meran nun erstmals in Bayern statt, am 12. Mai 2010 auf Gut Ising am Chiemsee. Es wurde ausgerichtet von der Bayern Innovativ GmbH in Zusammenarbeit mit enjoy more und TIS Innovation Park aus Südtirol und mit Einbindung der Tiroler Zukunftsstiftung und dem F.A.Z.-Institut, Frankfurt.
Es kombinierte Kongress und einen intensiven Meinungs- und Erfahrungsaustausch in moderierten Workshops. Deshalb wurde die Teilnehmerzahl auf 75 Führungspersönlichkeiten mittelständischer Unternehmen beschränkt. Im Fokus stand das Thema Innovationsfähigkeit.
Prof. Dr. Josef Nassauer, Geschäftsführer, Bayern Innovativ GmbH und Dr. Dr. Evelyn Oberleiter, Geschäftsführerin, enjoy more, Südtirol, erläuterten in ihrer Begrüßung und Einführung die Bedeutung des gewählten Themas Innovationsfähigkeit sowie Konzeption und Ablauf von Best Minds Meet.
Die Innovationsfähigkeit ist essenzielle Voraussetzung für die Innovationskraft eines Unternehmens und somit von zentraler Bedeutung für das Bestehen im Wettbewerb. Für die eigene Innovationsfähigkeit sowie die des gesamten Unternehmens sind u. a. gelebte Visionen und Unternehmertum, das Kennen der eigenen Kernkompetenzen, Kreativität, Kundenorientierung auf allen Ebenen, zielgerichtete Kommunikation, Nutzen von Netzwerken und Offenheit für Open Innovation wichtig.
Auf einzelne dieser Faktoren konzentrierten sich die Impulsreferate zum Auftakt von Best Minds Meet. In ihrer Gesamtheit standen diese Aspekte dann im Mittelpunkt der anschließenden moderierten Workshops. Die 75 Teilnehmer kamen aus über 30 verschiedenen Branchen und Disziplinen und standen somit nicht im Wettbewerb zueinander. Dies führte zu einem sehr offenen und konstruktiven Austausch mit der Gewinnung neuer Perspektiven für jeden Einzelnen.
Nach den Workshops wurden die Ergebnisse in einer gemeinsamen Sitzung allen Teilnehmern vorgestellt. Den Tag beschloss ein gemeinsames Abendessen, bei dem noch viele Gedanken ausgetauscht und Ideen weiter entwickelt wurden.
Impulsreferate
Vision und Faszination
Eine außergewöhnliche Geschichte präsentierte Friedhelm Wiesmann, Geschäftsführer der Sportwagen-Manufaktur Wiesmann in Dülmen, in seinem Impulsvortrag. Aufgewachsen in einer Familie, die ein Fiat- und Lanciaautohaus betrieb, führte ihn sein Weg über den Vertrieb von Kinderbekleidung und die Fertigung von Hardtops für Cabrios, u. a. für BMW, zur Idee für sein heutiges Unternehmen. Basierend auf der Faszination für Autos war es seine Vision, Unikate an Fahrzeugen zu entwickeln und zu bauen, und zwar Roadsters mit zeitlosem Design, hoher Detailqualität und ausgefeilter Technik. Die Entwicklung des ersten Roadsters dauerte fünf Jahre - heute gibt es fünf verschiedene Wiesmann-Modelle auf dem Markt. Friedhelm Wiesmann betonte, dass ein Top-Produkt allein aber noch keine Marke ist. Für die Markenbildung sind eine gute Kommunikation und ein innovatives Marketing unerlässlich. Wiesmann entschied sich aus Kostengründen für reinstes Guerilla-Marketing und nutzte hierfür die populäre Tennis- und Formel1-Szene der 90er Jahren mit großem Erfolg. Wiesmann Roadster rangieren heute auf Platz 7 der deutschen Luxusmarken. Die Erfolgsgeschichte zeigt auf, dass großer Enthusiasmus, Können und Ausdauer aber auch Zufälle für die Realisierung von Visionen ausschlaggebend sind.
Kommunikation für Imagebildung und Innovationskultur
Wie wichtig überzeugende Kommunikation für die Imagebildung eines Unternehmens ist, erläuterte Judith Rakers, Journalistin und ARD-Nachrichtensprecherin. Hierzu sollte bewusst eine bestimmte Ausrichtung mit Adjektiven wie innovativ, erfolgreich, nachhaltig und verantwortungsbewusst gewählt werden.
In der Pressearbeit zählt „Tue gutes und rede darüber". Kompetenzen gezielt mit Emotionen zu kombinieren, erhöht die Wahrscheinlichkeit einer Veröffentlichung in den Medien. Neben Emotionen sind Aktualität, Seltenheitswert, Humor, Wissenschaft und Fortschritt Faktoren, die über eine Veröffentlichung entscheiden. Darüber hinaus können sich Unternehmer über Wahrheit, Objektivität und damit Glaubwürdigkeit als Experten zu spezifischen Themen etablieren.
Von großer Bedeutung ist der Einklang von interner und externer Kommunikation.
In Zukunft werden neue Medien wie Facebook oder Twitter noch mehr Gewicht erhalten und sollten deshalb von Firmen nicht unbeachtet bleiben. Facebook wird derzeit von jedem zehnten Deutschen genutzt und ist seit Beginn 2010 um 56 Prozent gewachsen. Wird Facebook für die interne und externe Kommunikation mit Kunden und Partnern eingesetzt, betont dies die innovative, kontaktfreudige Seite des Unternehmens. Zudem werden „Corporate Sites" gut von Suchmaschinen indiziert. Allerdings kann eine offene, hierarchiefreie Kommunikation auch Nachteile mit sich bringen.
Kunst und Inspiration - Quelle von Kreativität und Innovationen
Durchgängig wurde von den Teilnehmern die Bedeutung von Netzwerken für das Generieren von Innovationen hervorgehoben: Sowohl für die Nutzung von Synergieeffekten und das Erhalten von Impulsen im Sinne von Open Innovation als auch zur Inspiration.
Die Inspiration gilt als eine Quelle für Innovationen. Helmut Danninger - Opernregisseur und -produzent - veranschaulichte, wie Kunst als Inspirationskraft auch in einem Unternehmen wirken kann und zeigte Parallelen zwischen Kunst- und Wirtschaftprojekten auf.
Inspiration steht für das Einhauchen von Seele und Leben. Jede Inspiration benötigt Tiefgang und ein Erlebnis. Erst durch das Erleben mit vielen anderen kann ein gesellschaftliches Ereignis entstehen. Kunst sollte ein fester Bestandteil einer modernen Unternehmenskultur sein. Sie kann Mitarbeiter zum freien Denken inspirieren, Kreativität und Innovationsfähigkeit somit beflügeln.
Bei einer Inszinierung ist Kreativität nicht nur seitens des Regisseurs, sondern auch des Produzenten gefordert. Er ist verantwortlich für die Finanzierung der Produktion und muss hierfür Sponsoren und Partner gewinnen. Kunstprojekte sind in seltenen Fällen wirtschaftlich rentabel, werten aber den Standort bzw. das Image der sich beteiligenden Unternehmen auf. Als Beispiel nannte Danninger das aktuelle Projekt „Licht" - ein Opernzyklus von Stockhausen. Gerade wird die Uraufführung des „Mittwochs" dieser Heptalogie für die Bregenzer Festspiele 2012 vorbereitet. Erst durch die Reibung zwischen bekannter und neuer Handlungsdarstellung sowie durch eine ausreichend starke Idee wird das Publikum in eine andere Welt entführt und in ihrem Denken und Tun inspiriert.
Kunstprojekte sind auch Wirtschaftsprojekte. Allerdings darf die Kunst, ähnlich wie die Ambition zum Querdenken, in ihren Anfängen nicht von wirtschaftlichen Rahmenbedingungen eingeschränkt werden. Nur dann sind neue Inszenierungen sowie bahnbrechende Innovationen realisierbar.
Auszug an Ergebnissen aus den Workshops
Die Workshops verdeutlichten, dass innovative Firmen von Persönlichkeiten mit Visionen getrieben werden. Jede Vision ist dabei subjektiv und muss kontinuierlich weiter entwickelt werden. Zu unterscheiden sind die vorwettbewerbliche und wettbewerbsrelevante Vision. Erstere bezieht sich auf allgemeine Werte und Vorstellungen, Verhalten und Auftreten, wird gemeinsam mit den Mitarbeitern erarbeitet und nach außen kommuniziert. Die zweite bezieht sich auf das ganz frühe Erkennen von Chancen in Technologien und Märkten, ist damit wettbewerbsrelevant und wird in der Regel nicht veröffentlicht. Aus der Vision werden Ziele und Strategien abgeleitet.
Herzblut, Mut, Risikobereitschaft, Flexibilität, Durchhaltevermögen, Netzwerke, Intuition und Kommunikation sind für die Umsetzung von Visionen gefragt. Jedoch existiert keine Musterlösung wie die unterschiedlichen Unternehmergeschichten bei Best Minds Meet zeigten. Es gibt Gemeinsamkeiten, aber auch einen großen Anteil individueller „Geschichte", nicht ohne weiteres wiederholbar. Entscheidend ist, den Augenblick, die Chance zu erkennen und zu nutzen.
Die Kommunikation beeinflusst wegweisend den Erfolg von Innovationen. Dessen sollten sich Führungskräfte vor allem auch in mittelständischen Unternehmen stärker bewusst sein. In diesem Zusammenhang sollte auch die Metakommunikation berücksichtigt werden.
Die Teilnehmer plädierten zudem für eine effizientere Kommunikation und Verwendung der Kommunikationstechniken, um mehr Freiräume für Kreativität und Innovation zu erhalten. Es sollte wieder mehr Wert auf den persönlichen Kontakt gelegt werden.
Das Kennen der eigenen Kernkompetenz und die Öffnung für Open Innovation sind relevant für die Arbeit in Netzwerken, tragen wesentlich zur Innovationsfähigkeit einer Firma bei und liefern Mehrwert für den Kunden.
Ein Paradigma sollte dabei gelebte Kundennähe sein: Den Kunden nicht nur zu kennen, sondern zu verstehen, seine zukünftigen Wünsche zu antizipieren und zu deren Erfüllung eigene Veränderungs- und Anpassungsbereitschaft einzubringen.
In der Zusammenarbeit kommen damit das Pull- wie auch das Push-Prinzip zum Tragen: Entwicklung im Auftrag des Kunden oder die vorausschauende Realisierung von Ideen in Eigenregie. Der Fokus sollte aber nicht nur auf dem Kunden, sondern auch auf den Mitarbeitern liegen, denn nur zufriedene Mitarbeiter sind zur Innovation fähig und haben auch zufriedene Kunden.
Die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt für Innovationen kann nicht objektiv beantwortet werden. Eine kontinuierliche Marktforschung und -analyse ist unerlässlich, letztendlich entscheidet aber die Intuition, das sekundenschnelle Abrufen von Erfahrungswissen, wie die Berichte der Teilnehmer offen legten.
Hierzu gehört auch Mut und Risikobereitschaft, die eine Fehlerkultur im Unternehmen verlangt. So äußerten die Teilnehmer, dass für das Top-Management nur jemand geeignet sei, der bereit ist, vertretbare Risiken einzugehen und damit auch den einen oder anderen Fehler zu machen.
Alle Führungspersönlichkeiten zeichnet in diesem Zusammenhang aber ein besonderes Verantwortungsbewusstsein gegenüber den Mitarbeitern aus. Die mittelständischen Unternehmer waren sich einig, dass nur ein bewusstes, kontrolliertes Wachstum verfolgt werden sollte, das die Firma auch verkraften kann. Studien belegen, dass 50 Prozent der wachsenden Betriebe im Wachstumsprozess Wert vernichten. Wächst ein Unternehmen über mehrere Jahre mehr als 30 Prozent pro Jahr, ist die Wahrscheinlichkeit für ein Scheitern relativ hoch. Gerade für Inhaber geführte Unternehmen auch ein großes persönliches Risiko.
Alle Teilnehmer waren sich einig: Dieser offene und intensive Austausch abseits vom Alltag ganz im Sinne von Best Minds Meet war ein voller Erfolg. Der Mehrwert für jeden Einzelnen war mehr als die Summe der Einzelinformationen. Es ergab sich ein Bild zu Innovation und Innovationsfähigkeit
weit über den eigenen Erfahrungsbereich hinaus mit Bestärkung und neuen Ideen für das eigene zukünftige Handeln.
Die sieben Workshops wurden moderiert von Dr. Günter Reifer und Dr. Dr. Evelyn Oberleiter, beide enjoy more, Prof. Dr. Kurt Matzler und Prof. Dr. Birgit Renzl, beide Universität Innsbruck, Michael Weiss, Fokus Prinzip, Hermann Demmel, Sport Scheck, München und Prof. Josef Nassauer, Bayern Innovativ.
Die Ergebnisse wurden in einer abschließenden gemeinsamen Sitzung allen Teilnehmern vorgestellt.
Am folgenden Tag wurden unter Leitung von Dr. Günter Reifer mit den Moderatoren, den sieben Berichterstattern und den Vertretern des F.A.Z.-Instituts die konzeptionelle Grundstruktur für das vorgesehene Buch erstellt, das im September 2010 erscheinen soll.
(Berichterstatter: Tanja Flügel, Saskia Flohr, Katrin Frank, Jürgen Frickinger, Christina Nassauer, Nicola Socha, Susanne Zehnter, alle Bayern Innovativ)
Ansprechpartner:
Christina Nassauer
Susanne Reimann
Gabriel von Lengyel-Konopi