Kooperationsforum

Biopharmaceuticals - Technologien für neue Therapeutika

15. April 2008, Penzberg/Benediktbeuern

Bericht

Biopharmazeutika – Neue Technologien ermöglichen Fortschritt in der Therapie

  • Hochkarätiger Treffpunkt für 290 Teilnehmer aus vier Ländern
  • Optimierung therapeutischer Proteine und monoklonaler Antikörper
  • Erstes gemeinsames Kooperationsforum von Bayern Innovativ und Roche Penzberg

Das erstmalige Kooperationsforum „Biopharmaceuticals - Technologien für neue Therapeutika“ am 15. April 2008 in Benediktbeuern erzielte mit 290 Teilnehmern aus vier Ländern und 22 Ausstellern auf Anhieb eine hervorragende Resonanz. Die Bayern Innovativ konzipierte und organisierte diese Forum in enger Zusammenarbeit mit Roche Penzberg.
Das große Interesse spiegelt auch die zunehmende Bedeutung von Biopharmazeutika, also biotechnologisch hergestellter Arzneimittel, wider. Diese bieten mittlerweile erfolgreiche Ansätze in der Therapie komplexer Erkrankungen, wie Krebs, Multiple Sklerose und Rheumatoide Arthritis. Ihr Anteil am Pharmaumsatz beträgt mittlerweile 12 %, in 2006 waren in Deutschland bereits 31 % der neu zugelassenen Arzneimittel mit neuen Wirkstoffen Biopharmazeutika, zudem wurde erstmals die 3 Milliarden Euro-Umsatzmarke überschritten.

Prof. Dr. Dr. Klaus Strein, Leiter der Pharma-Forschung Deutschland bei Roche, zeigte im Eröffnungsvortrag, dass in den vergangenen 10-15 Jahren deutliche Fortschritte bei der Behandlung einer ganzen Reihe von Erkrankungen erzielt wurden. Herceptin in der Therapie von Brustkrebs oder die Behandlung von Lungenkrebs und metastasierendem Darmkrebs mit Avastin, Erbitux oder Vectibix sind einige Beispiele. Zur Behandlung von Morbus Alzheimer und gewisser Formen von Muskelschwund befinden sich aktuell erfolgversprechende Biopharmazeutika in Forschung und Entwicklung.
Der Einsatz neuer Technologien ermöglicht eine weitere Steigerung der Wirksamkeit sowie eine Verbesserung der pharmakologischen Eigenschaften. Hierzu können beispielsweise therapeutische Proteine in einem zusätzlichen Prozess-Schritt mit Polyethylenglykol (PEG) modifiziert werden, wie Dr. Klaus Reichert von Roche in Penzberg am Beispiel von PEG-Interferon alfa-2a zeigen konnte. Samuel Moser von der Glycart Biotechnology AG stellte mit dem Glycoengineering eine Plattform zur weiteren Verbesserung der biologischen Aktivität therapeutischer Antikörper vor. Prof. Dr. Dario Neri vom Institut für Pharmazeutische Wissenschaften der ETH Zürich präsentierte aktuelle Ergebnisse mit humanen Antikörper-Derivaten in der Bekämpfung von Tumoren durch Hemmung der Versorgung durch Blutgefäße. Eine andere Strategie verfolgt die TRION Pharma GmbH. Ihr Geschäftsführer, Dr. Horst Lindhofer, stellte die von der Münchener Firma entwickelten trifunktionalen Antikörper vor, welche gleichzeitig mehrere Immunabwehr-Mechanismen gegen Krebszellen und eine länger anhaltende Antitumor-Antwort auslösen. Der erste trifunktionale Antikörper zur Behandlung maligner Ascites steht bereits kurz vor der Zulassung.
Prof. Dr. Arne Skerra, Institut für Biologische Chemie an der Technischen Universität München und Gründer der Pieris AG, stellte mit Anticalinen eine neue Wirkstoffklasse basierend auf Lipocalinen vor, die aufgrund ähnlicher Strukturen eine Alternative zu Antikörpern darstellen.
Die großtechnische Produktion und Aufreinigung von Biopharmazeutika ist technisch anspruchsvoll und kostenintensiv. Wie Dr. Jürgen Wahl, Leiter Pharma Biotech Produktion und Entwicklung bei Roche Penzberg, zeigte, sind neben regulatorischen und versorgungstechnischen Anforderungen insbesondere die Ausrichtung der zukünftigen Forschungs-, Entwicklungs- und Produktpipeline entscheidend für die Planung und Realisierung neuer biotechnologischer Anlagen. Neue Technologien für die Zeit- und Kostenersparnis in der Zellinien- und Prozeßentwicklung wurden von Prof. Dr. Florian Wurm, Professor für Biotechnologie an der Ecole Polytechnique Federale in Lausanne und Gründer von ExcellGene SA, aufgezeigt.

Zu den Teilnehmern am Kooperationsforum zählten Unternehmen aus Pharma, Biotech, Verfahrens- und Medizintechnik sowie wissenschaftliche Einrichtungen und Verbände. Vertreten waren u. a. Boehringer Ingelheim, Fresenius, GSK, Merck, Novartis, Pieris, Qiagen, Rentschler Biotechnologie, Sandoz, Siemens, Wacker-Chemie, DKFZ Heidelberg, Helmholtz-Zentrum München, Max-Planck-Institut für Biochemie, ETH Zürich sowie die Universitäten Aachen, München, Erlangen und Ulm.

Am Vortag hatten die Teilnehmer die Gelegenheit, die Biopharmazeutika-Produktion von Roche in Penzberg zu besichtigen. Dabei konnten sie modernste Prozessanlagen zur Fermentation und für das Downstream-Processing direkt vor Ort kennen lernen. Im Anschluß an die Besichtigung fand ein Empfang im Foyer des Produktionsgebäudes „Biologics IV“ statt - eine perfekte Einstimmung auf das Kooperationsforum.

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