Kongress

Energieeffizienz

Potenziale, Rahmenbedingungen, Umsetzung
30. September 2009, Arvena Park Hotel, Nürnberg

Nachbericht

  • Energieeffizienz, das Zukunftsthema
  • Kongress des Clusters Energietechnik
  • 270 Teilnehmer und 32 Aussteller in Nürnberg

Die Erhöhung der Energieeffizienz bei der Umwandlung von Primärenergie in Wärme und Strom und bei der Nutzung von Endenergie ist eine Aufgabe mit betriebswirtschaftlicher und volkswirtschaftlicher Bedeutung und zudem von hoher Umweltrelevanz hinsichtlich Ressourcenschonung und CO2-Vermeidung.

Die Entwicklung energieeffizienter Investitionsgüter und die Herstellung von Produkten mit optimiertem Energieverbrauch eröffnen Unternehmen neue Marktchancen. Wesentliche Wettbewerbsvorteile bieten sich zudem allen Unternehmen, die auf eine energieeffiziente Produktion setzen. Betrachtet werden müssen hier die Prozesse, die Effizienz der Anlagen und Antriebe sowie die Energieeffizienz von Produktions- und Verwaltungsgebäuden.

Die Politik setzt die Rahmenbedingungen, europäisch und auch national, mit Gesetzen und Verordnungen, aber auch mit Anreizen wie z.B. Programmen zur Umsetzung von Effizienzmaßnahmen. Für die Unternehmen ist neben diesen Rahmenbedingungen die Kenntnis konkreter Maßnahmen zur Einführung energiesparender Lösungen und Technologien von besonderer Bedeutung. Dieser Thematik widmete sich der Kongress „Energieeffizienz, Potenziale, Rahmenbedingungen, Umsetzung“ am 30. September in Nürnberg.

In seiner thematischen Einführung gab Professor Jochen Fricke, Cluster-Sprecher Energietechnik einen umfassenden Überblick über Effizienztechnologien in der Umwandlung, z.B. im Kraftwerksbereich, in der Windenergie und der Photovoltaik, bei Strom- und Wärmespeichern sowie in der Nutzung im industriellen Bereich bis hin zu innovativen Beleuchtungssystemen- und Wärmedämmmaterialien.

Dr. Detlef Kayser von McKinsey & Company stellte in seinem Vortrag Ergebnisse der aktuellen Studie „Wettbewerbsfaktor Energie“ vor. So sei bereits heute Energie für 40% der Weltwirtschaft ein strategischer Wettbewerbsfaktor mit einem Potenzial von allein in Deutschland 850.000 Arbeitsplätzen. Deutsche Unternehmen und Haushalte könnten in 2020 ihre Energiekosten um 53 Mrd. Euro p.a. reduzieren. Die Steigerung der Energieproduktivität rücke immer stärker in den Fokus der Unternehmen. Hier seien Transparenz und Kenntnisse bei den Akteuren sowie konsequente Umsetzungsstrategien erforderlich. Energieeffizienz müsse im Produktionssystem verankert sein, so Kayser. In einer „Lernfabrik“ für Energieproduktivität, die McKinsey gemeinsam mit der TU München entwickelt hat sollen Studenten, Ingenieure und Manager in einem realen Umfeld umfassend mit der Thematik vertraut gemacht werden.

Die Strategie der Bayerischen Staatsregierung zur Energieeffizienz erläuterte MDirig Martin Mitterer, Leiter der Energieabteilung im Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie. Bayerns Bilanz hinsichtlich Energieeffizienz, Energieproduktivität und hinsichtlich des Einsatzes Erneuerbarer Energien sei positiv. Bayern nähme im deutschlandweiten Vergleich einen Spitzenplatz ein. Die Ziele bis 2020 seien ehrgeizig. So wolle man die Energieproduktivität und damit die Energieeffizienz in Bayern um 30 % steigern, den Anteil der erneuerbaren Energien am Gesamtenergieverbrauch verdoppeln und an der Stromerzeugung auf 30 % erhöhen und so insgesamt die CO2-Emissionen pro Kopf auf deutlich unter 6 Tonnen verringern. Vorraussetzung hierfür sei allerdings, so Mitterer, dass die Kernenergie ihren bisherigen Beitrag zur CO2-freien Stromerzeugung leisten könne. „Denn bei aller Bedeutung und allem politischen Ehrgeiz in Bezug auf höhere Energieeffizienz und erneuerbare Energien: 60 % des Stroms lassen sich bis 2020 weder einsparen noch durch erneuerbare Energien ersetzen.“

Das Einsparpotenzial beim Stromverbrauch sei enorm, berichtete Otmar Frey vom Zentralverband der Elektronik- und Elektroindustrie, ZVEI. Allein in den Bereichen Antriebe, Beleuchtung und Kühlung könnten ca. 60 Mrd. Kilowattstunden eingespart werden hinzu kämen ca. 10 Mrd. Kilowattstunden durch intelligente Prozessautomatisierung. Die Elektroindustrie sähe sich hier als Treiber für den Klimaschutz, so Frey. Mit einem Bündel von Maßnahmen wolle man aufklären und zum aktiven Handeln anleiten. Für den umfassenden Einsatz von „energie-intelligenter“ Technologien müsse man Anwender, Politik und Elektroindustrie gleichermaßen gewinnen.

Laut einer repräsentativen DENA-Studie beschäftigen sich bereits 60% aller in der Studie befragten KMU mit Energieeffizienzmaßnahmen in ihren Unternehmen, ca. 40% sind noch nicht aktiv. Ein Grund seien zu geringe Erwartungen bei den zu erzielenden Energie- und Kosteneinsparungen. Dr.-Ing. Harald Bradke vom Fraunhofer ISI sieht weitere Gründe für die Zurückhaltung von Unternehmen; u.a. mangelnde Kenntnisse und Marktüberblick bei Betrieben und Beratern, hohe innerbetriebliche Such- und Entscheidungskosten, andere Prioritäten der Geschäftsleitung (Arbeitsproduktivität, Umsatzsteigerung, Produktqualität) und keine Produktionslinien-bezogene Messung und Rechnungstellung für Energie und Medien sondern Gemeinkosten-Konzept. Ein besonderes Hemmnis, erläutert Bradke, sei besonders die Orientierung der Investitionen nur an der Amortisationszeit statt auch an der internen Verzinsung. Hier sei ein Umdenken erforderlich. Große Impulswirkung erwartet Bradke von den Energieeffizienz Netzwerken, die vom BMU gefördert werden.

Professor Werner Jensch von Ebert Ingenieure ging in seinem Vortrag speziell auf Effizienzpotenziale bei Gebäuden ein. „Zwischenzeitlich gehen Experten davon aus, dass in einigen Jahren die Betriebskosten den Investitionskosten die Vormachtstellung streitig machen“ meint Jensch und stellte die Frage ob in naher Zukunft Betriebskostenschätzungen Bestandteil in Wettbewerben und Ausschreibungsverfahren sein könnten. Ein Gebäude sei heute als ein ganzes Modul zu sehen, über dessen gesamten Lebenszyklus. Die Gebäudeautomation habe sich zum Herzstück jedes Gebäudekomplexes entwickelt. Gebäudefunktionen würden stetig gesteuert, kontrolliert und überwacht. Eine wesentliche Rolle spiele zudem eine kontinuierliche Betriebsoptimierung, die im Bestand aber auch bei Neubauten zu hohen Einsparungen führe, so Jensch.

In weiteren Vorträgen wurden beispielhaft Effizienztechnologien vorgestellt, wie bei nachhaltigen Beleuchtungssystemen, von Christian Merz, Osram oder in der Automatisierungstechnik, von Thomas Scholz, Baumüller.

Am Ende des Tages berichtete Niels Weide, J.N. Eberle Federnfabrik über die erfolgreiche Einführung von Energiesparmaßnahmen im Rahmen notwendiger Baumaßnahmen, in seinem Unternehmen. Hierzu wurden vier Arbeitsschritte definiert –Analyse, Optionen, Umsetzung, Überwachung. Bereits in einer frühen Konzeptphase wurden alle Gewerke einbezogen und eine Überwachung der Einsparung vereinbart. „Das EB-Team aus Architekt/Energieberater und Gebäudetechniker soll an den erreichten Werten gemessen werden. Eine Leistungsbeteiligung wurde nicht vereinbart.“ erläuterte Weide.

Vieles, in den Vorträgen angesprochene wurde in der Podiumsdiskussion aufgegriffen und vertieft. So wurde auf die Frage, warum immer noch ein hohes Einsparpotenzial brach liege Bezug genommen. Hier sei ein ausgewogenes Verhältnis von gesetzlichen Regelungen und staatlichen Anreizen ein wichtiger Impulsgeber. Insbesondere aber seien die Transparenz in diesem vielschichtigen Bereich zu erhöhen und ein Bewusstsein für die Bedeutung des sparsamen Umgangs mit Energie zu entwickeln. Dies sei entscheidend, bei der technischen Umsetzung und besonders hinsichtlich der Beurteilung der Wirtschaftlichkeit von Effizienzmaßnahmen. Trotz eines bereits heute erreichten hohen technologischen Niveaus seien auch weiter innovative Lösungsansätze gefragt. Ebenso müssten neue, attraktive Ausbildungsangebote für Studenten, Ingenieure und Manager entwickelt werden. Die hohe Bedeutung des Themas wurde von allen Diskussionsteilnehmern unterstrichen.

Die 270 Teilnehmer nutzten den Kongress, sich in den Vorträgen über aktuelle Entwicklungen und Trends zu informieren und in der Fachausstellung vertiefte Einblicke in innovative Technologien, themenspezifische Dienstleistungen und Anwendungen zu gewinnen. Für den Cluster Energietechnik als Ausrichter bildet der Kongress „Energieeffizienz Potenziale, Rahmenbedingungen, Umsetzung“, den Auftakt für weitere Aktivitäten in diesem wichtigen Bereich, von Kooperationsforen zu spezifischen Themen über Kompetenzteams bis hin zu individuellen Kooperationsprojekten

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