

Univ.-Prof. Dr.-Ing. Henning Wallentowitz, Institut für Kraftfahrwesen (ika), RWTH Aachen
Neben dem weltweiten Wettbewerb unserer Automobilindustrien gibt es auch einen Wettbewerb um die "besten Köpfe". Das bedeutet, die Ausbildung der zukünftigen Ingenieure hat eine erhebliche Bedeutung für die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit der Automobil- und Zulieferindustrie. Deshalb galt es festzustellen, unter welchen Bedingungen verschiedene Universitäten weltweit ihren Aufgaben nachkommen können. Um zu dieser Frage einen Überblick zu bekommen, wurden die Universitäten von Stanford, Clemson und Berkely in den USA, Tsinghua- und Tongji-University in China und das ika der RWTH in Aachen angesehen.
Als Ergebnis lässt sich zusammenfassen, dass die bearbeiteten Aufgaben in allen Universitäten ähnlich sind. Entwicklungen zum automatische Fahren finden sich mehrfach, Entwicklungen zu Hybrid- und Brennstoffzellenfahrzeugen sind mehrer Universitäten gemeinsam, Mechatronische Systeme sind an allen Universitäten Schwerpunkte.
Unterschiede finden sich vor allem bei den Randbedingungen. In den USA (Clemson) und in China (Tongji) werden neue Universitäten gebaut. Hier sind eine Reihe von Stiftungsprofessuren eingerichtet worden, an der auch die deutsche Industrie in großem Maße beteiligt ist. Die Projektarbeit wird zu einem erheblichen Teil von öffentlichen Auftraggebern finanziert (Armee in den USA, Regierung in China). Die deutsche Universität zeichnet sich vor allem durch die Qualität der Mitarbeiter aus. Während in den USA und in China die Forschungsarbeiten im wesentlichen von einem Professor mit "seinen" Studenten bearbeitet werden, haben wir in Deutschland wissenschaftliche Assistenten, die bei einem der Industrie vergleichbaren Gehalt u.a. auf eine Dissertationsschrift hinarbeiten. Hier erreichen wir Arbeitsergebnisse, die direkt in die industrielle Anwendung gehen. Die Finanzierung automobiltechnischer Hochschulinstitute findet deshalb auch zu einem überwiegenden Teil durch Industrieaufträge statt. Diese Art der Finanzierung erleichtert den Betrieb eines Hochschulinstitutes nicht gerade, sie erzeugt allerdings ein hohes Maß an Verbindlichkeit. Die heute in der Diskussion befindlichen PhD - Studenten (also ein Studium, das zum Doktortitel führt) nähert sich den amerikanischen und chinesischen Verhältnissen an. Davon ist abzuraten.
Ließen sich die Bauaktivitäten aus den USA und China, die breite Finanzierung durch die Öffentliche Hand (USA und China) mit der hohen Qualität der deutschen wissenschaftlichen Mitarbeiter verknüpfen, würde das die Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Universitätssystems noch weiter steigern. Die heute bereits "besten Köpfe" würden noch besser werden, da sie zusätzlich zur industriellen Projektarbeit auch die Möglichkeiten hätten, Nebengebiete nach Lösungen "abzusuchen". Diese Zusatzaktivitäten würden die industriellen Fragestellungen ergänzend beantworten. Wir hätten eine ausgezeichnete Zukunft vor uns.
Ansprechpartner:
Univ.-Prof. Dr.-Ing. Henning Wallentowitz
Institut für Kraftfahrwesen (ika)
RWTH Aachen