BAIKA-Jahreskongress

Zulieferer Innovativ 2007

04. Juli 2007, Audi Forum Ingolstadt

Bericht

Zulieferer Innovativ – ein Magnet in Europa

  • 1.300 Teilnehmer aus 25 Ländern im Audi-Forum
  • Innovationen vom Antriebsstrang bis zum Innenraum
  • Neue Impulse von der Formel 1 für die Serienproduktion
  • Eröffnungsrede von Wirtschaftsstaatssekretär Hans Spitzner

Der 9. Jahreskongress „Zulieferer Innovativ 2007” war erneut ein herausragender Treffpunkt der Automobilindustrie. Er zog rund 1.300 Teilnehmer und 183 Aussteller in das Audi-Forum nach Ingolstadt. Ausgerichtet wurde der Kongress im Rahmen von Netzwerk BAIKA und Cluster Automotive mit umfassender Unterstützung durch das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie, sowie mit den langjährigen Partnern VDA Frankfurt und der IFG Ingolstadt, vertreten durch OB Dr. Alfred Lehmann. „Die Konzeption des Plenums spiegelt das erfolgreiche Zusammenwirken von BAIKA und Cluster Automotive“, so Professor Nassauer in seiner Einführung. Der thematische Faden führte von globaler Positionierung der Premium-Hersteller, neuen Entwicklungsstrategien der Formel 1 als Vorreiter für die Serie, Indien als neuem, speziellen Automobilmarkt sowie internationalen Aspekten der Ausbildung von Ingenieuren zu ersten Verbundprojekten im landesweiten Cluster Automotive.

Wirtschaftsstaatssekretär Hans Spitzner unterstrich in seiner Eröffnungsrede die Bedeutung
der Automobilindustrie für Bayerns Wirtschaft. Bezüglich der aktuellen CO2-Debatte forderte er Augenmaß und einen Beitrag von allen Fahrzeugklassen.

Innovationen gelten weiterhin natürlich auch jenen Attributen eines Fahrzeuges, die Kunden begeistern und den Markterfolg sichern. Dies zeigen in besonderem Maße die bayerischen Premium-Hersteller. „In Anbetracht ständig reduzierter Entwicklungszeiten, immer individuellerer
Kundenwünsche und engerer gesetzlicher Rahmenbedingungen haben Innovationen für das Bestehen im globalen Wettbewerb immense Bedeutung und damit auch für neue Arbeitsplätze“,
betonte Ulf Berkenhagen, Mitglied des Vorstandes der AUDI AG. Im Rahmen der Innovationsstrategien präsentierte er u. a. den modularen Baukasten für mehr Effizienz und damit auch weniger CO2.

Auch Innovationen der Formel 1 werden zukünftig Einfluss auf Serienfahrzeuge haben, schilderte Prof. Burkhard Göschel, Chairman der Grand Prix Manufacturing Association und der Formula One Manufacturer Advisory Council of FIA. Um die Kosten für die Hersteller zu optimieren, werden künftig primär Neuentwicklungen verfolgt, die auch „road car relevance“ haben. So will die FIA im Jahr 2011 in der Formel 1 Regularien zum Energiemanagement mit Rückgewinnung von Bremsenergie einführen – Trends, die schon heute Strahlkraft auf Hersteller wie Zulieferer ausüben.

Dr. Albert Hieronimus, Chairman von MICO LTD, einem Unternehmen der Bosch-Gruppe in Bangalore, beschrieb das Potenzial Indiens als Wachstumsmarkt für Fahrzeuge im Niedrigpreissegment. So hat sich Bosch in Indien speziell diesem Segment verschrieben. Dabei sind völlig andere technische Entwicklungen erforderlich als in Europa, z. B. eine kostengünstige Common Rail-Technologie für einfache 2-Zylinder-Motoren.

„Auch Forschung und Ausbildung für den Automobilsektor stehen im globalen Wettbewerb“ erläuterte Prof. Dr. Henning Wallentowitz, Leiter des Instituts für Kraftfahrwesen der RWTH Aachen. So ist der Anteil der öffentlich geförderten Forschung in den USA und China wesentlich größer als in Deutschland, die ausgeprägte Drittmittelfinanzierung hierzulande bewirkt dagegen eine ausgeprägte Industrienähe.

Industrienah sind auch die ersten Verbundprojekte im Cluster Automotive. Die von Bayern Innovativ unter Einbeziehung von Herstellern und Zulieferern erstellte Studie „Automobil + Innovation“ zeigt relevante Trends der nächsten fünf bis zehn Jahre in Märkten und Technologien. Sie liefert damit einen komprimierten Handlungsrahmen für Firmen und Institute wie auch für das Netzwerkmanagement. Die neuartige Online-Plattform „Innovation Car“ bietet Zulieferern und Instituten die Möglichkeit, innovative Komponenten und Systeme dreidimensional und realitätsgetreu zu präsentieren. Damit sollen Zulieferer verstärkt an die bereits von allen Herstellern eingesetzten neuen Tools der 3-D-Virtual Reality herangeführt werden, die essenziell für Schnelligkeit und Effizienz in der Entwicklung sind.

Powertrain: Dynamik und Effizienz
Ein Kernfeld der Innovationstätigkeit von OEMs und Zulieferern bildet der Motor mit dem gesamten Antriebsstrang. Zielrichtung sind höchste Effizienz für niedrigen Verbrauch und geringste Emissionen, aber auch hohe Agilität und Dynamik für die notwendige Kundenakzeptanz. Dabei wird das gesamte Spektrum an Motoren weiter entwickelt, um für jeden Einsatzzweck das optimale Fahrzeug anbieten zu können.

Audi setzt in punkto Motorentechnologie auf innovative Weiterentwicklungen der TDI- und TFSI-Technik: „Beim Verbrauch wird sich der Ottomotor dem Diesel nähern, umgekehrt bei den Emissionen der Dieselmotor dem Ottomotor“, brachte Dr. Wurms, Leiter Vorentwicklung und Thermodynamik Ottomotoren, die Bestrebungen auf den Punkt. „Im Bereich Kraftübertragung liefern die heute mit bis zu sechs Gangstufen angebotenen Automatgetriebe einen großen Beitrag zum Fahrkomfort“, so Harald Esser, Entwicklung Automatgetriebe Pkw-Antriebstechnik der ZF Friedrichshafen AG. Mit künftigen 8-Gang Automatgetrieben seien sogar noch weitere Fortschritte bei Dynamik, Effizienz und Verbrauch möglich.

Verbrauchs- und Emissionsoptimierung bieten Weiterentwicklungen der Hybridtechnologie. So wird am Lehrstuhl für Maschinenelemente der TU München derzeit ein Diesel-Hybridsystem mit E-Motor und CVT-Getriebe untersucht. Es liefert deutliche Einsparungen vor allem im Stadtverkehr; die Kundenakzeptanz ist aufgrund mangelnder Beschleunigung noch zu testen.

Eine der großen technologischen Herausforderungen des Hybridsystems ist die Speicherung von Energie. Neben Batteriesystemen oder Ultracaps wird derzeit der Einsatz von Schwungmassenspeichern untersucht. Das von Maximilian Eck, Compact Dynamics, vorgestellte System KERS (Kinetic Energy Recovery System) soll in der Formel 1 erprobt werden.

Der Innenraum: Emotion und Funktionalität
Mit der zunehmenden Individualisierung der Fahrzeuge gewinnt die Gestaltung des Innenraums immer mehr an Bedeutung. Dieser hat vielfältige Funktionen zu erfüllen und soll mit einer perfekten Symbiose aus Form, Material, Farbe und Gestaltung Anmutung und Wertigkeit vermitteln. Ein Beispiel für die perfekte Umsetzung des Aspekts „Emotion“ liefert der brandneue Audi R 8. Ziel der Interieurgestaltung war eine maßgeschneiderte, fahrerorientierte Architektur im Innenraum, die den Insassen das Gefühl vermittelt, in einem Rennwagen zu sitzen. Das Potenzial von 3-D-Virtual Reality zeigte Markus Hinterwallner, Leiter Business Development Eybl International AG, Krems, exemplarisch an der Optimierung Sitzentwicklung. Waren bei Eybl, einem der führenden Lieferanten von Automobiltextilien, für die Neuausstattung eines Sitzes durchschnittlich 300 Bemusterungen erforderlich, so konnte dieser Aufwand auf unter 50 reduziert werden.

Kooperation: Erfahrungen und Trends
Aufgrund der Dynamik des Marktes und sich verändernder Partner-Konstellationen bieten Kooperationen stets Potenzial für Verbesserungen. Karl Mauer, Director Engineering Communications der Adam Opel GmbH, erläuterte den dezentralen Entwicklungsprozess des General Motors-Konzerns. Einen zentralen Entwicklungsansatz wählt hingegen BMW. „Unsere Fahrzeuge werden in München entwickelt und auf der ganzen Welt nahezu baugleich produziert“,
so Martin Kuhn, Leiter Einkaufsstrategie und Ergebnissteuerung der BMW Group.

Besondere Aufmerksamkeit fand Alexander Lang, Manager Strategy, Corporate Marketing von der Webasto AG. Er schilderte den neuen Ansatz, über Lead User unmittelbar Marktinformationen zu gewinnen, die dann beim Tier 1 in die Entwicklung für den OEM einfließen.

Faszinierendes Finale
Einen besonderen Abschluss fand der Zulieferer-Kongress 2007 mit einer professionellen Filmbiographie der Allgäuer Ruf Automobile GmbH. Nur rund 50 auf Basis des Porsche 911
gebaute Sportwagen verlassen die Manufaktur pro Jahr zu Top-Kunden in aller Welt. Jedes Fahrzeug ist ein Unikat und seiner Zeit in punkto Technik und Anmutung oft voraus – nicht zuletzt
durch die Zusammenarbeit mit Entwicklungspartnern. Hierfür spricht auch der unlängst aufgestellte Geschwindigkeitsrekord eines Ruf-Porsche, der technische Detailerkenntnisse auch für die Serie liefern wird.

Die begleitende Fachausstellung mit 183 Ausstellern war ein besonders pulsierender Treffpunkt für die Präsentation eigener Produkte und den Aufbau neuer Kontakte. Die Aussteller waren begeistert – so liegen für den 10. Jahreskongress am 2. Juli 2008 bereits zahlreiche Anmeldungen vor.

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