Internationaler Kongress

Forum Life Science 2011

Statements Pressegespräch

Pressestatement Prof. Dr. Werner Klaffke

Wechselwirkung von Ernährung und Gesundheit am Beispiel von Inhaltsstoffen

Die vergangenen Jahre haben uns eine Reihe neuer Produkte basierend auf einer vergleichsweise kleinen Zahl an aktiven Inhaltsstoffen beschert. Überraschungen waren sicherlich nicht darunter. Diese enttäuschende Entwicklung zeigt deutlich, dass neue Strategien für eine höhere Erfolgsquote sorgen müssen. Gerade die Prüfung der EFSA auf die Stichhaltigkeit der beworbenen Gesundheits-„claims“ zeigt diesen Mangel überdeutlich.

Es steht außer Frage, daß ernährungsbedingte Krankheiten mit der gesellschaftlichen Entwicklung global einhergehen. Prävention, gerade durch eine angepaßte Ernährung, wird auch vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung ohne Alternative bleiben. Um aber die Fragestellung der Prävention sachgerecht angehen zu können und um den Konsumenten auch von der Notwendigkeit der aktiven Gesundheitsvorsorge überzeugen zu können, wird die Entwicklung eines neuen Gesundheitsbegriffes vonnöten sein. Denn Gesundheit nur als die Abwesenheit von Krankheit zu definieren greift zu kurz. Vielmehr müssen auch die Vorstufen, also die Wege in die Krankheit, quantifizierbar und beweisbar gemacht werden können.

Die bisherige Forschung und Produktentwicklung hat sich sehr an der pharmazeutischen angelehnt und nach einzelnen Interventionspunkten gesucht, die als Stellschrauben für klinische Marker gelten können. Nahrungsmittel hingegen interagieren auf verschiedenen Ebenen und mit verschiedenen physiologischen Zielstrukturen gleichzeitig. Diese Tatsache ruft nach neuartigen Strategien: die parallele Untersuchung der Wechselwirkung definierter Mikro- und Makronutrienten, sowie Naturstoffe mit dem Organismus wird anhand zweier Technologien vorgestellt.

Zum einen eröffnen sie die Möglichkeit im Blut zirkulierende Metaboliten in sub-mikromolaren Konzentrationen nachzuweisen und neuartige auch in ihrer Struktur aufzuklären. Zum Anderen erlauben sie die parallele Verfolgung von mehr als 200 endo- und exogenen Metaboliten innerhalb einer Humanstudie. So wird es in Zukunft gelingen, neuartige Struktur-Wirkungsbeziehungen zu entdecken, Wechselwirkungen am Menschen nachzuvollziehen und zu lernen, wie Nahrungsmittel tatsächlich mit dem Menschen in Wechselwirkung treten.

Mittelfristig wird dies nicht durch eine Instanz alleine zu bewältigen sein – hier müssen akademische und außerakademische Forschung zusammen mit industrieller Produktentwicklung zusammenarbeiten. Doch erst wenn wenn öffentliche und private Gesundheitsvorsorge stärker in den Vordergrund rücken und das Problembewußtsein der Konsumenten gegenüber der Entwicklung chronischer „Wohlstandskrankheiten“ geschärft wird, lassen sich erfolgreiche Produktkombinationen aus Diäten und Serviceangeboten umsetzen.

Prof. Dr. Werner Klaffke
Direktor Biosciences, Nutrition & Health Platform, Unilever R&D
werner.klaffke@unilever.com

 

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