Life Sciences – ein bedeutender Faktor für die Wirtschaft
Nürnberg/Garching, 23.03.2011 - In den Biowissenschaften gewonnene Erkenntnisse ermöglichen immer häufiger Lösungen für zentrale Herausforderungen wie die Bekämpfung komplexer Erkrankungen, Sicherstellung ausreichender Nahrungsversorgung sowie Schaffung einer breiteren Rohstoffbasis in der Chemie. Die Life Sciences stellen somit gerade mit der Pharma-, Lebensmittel- und der chemischen Industrie einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor dar.
Beispielhaft hierfür stehen folgende Zahlen: Der Pharma-Markt in Deutschland hat ein Volumen von 30,9 Milliarden Euro, der Anteil von Biopharmazeutika beträgt mit einem Umsatz von 4,7 Milliarden Euro bereits über 15 Prozent. Jedes Vierte neu zugelassene Medikament in Deutschland ist bereits ein Biopharmazeutikum.
Die Chemie in Deutschland verzeichnet insgesamt einen Umsatz von 170 Milliarden Euro. Von den hergestellten Produkten basieren rund 13 Prozent auf nach-wachsenden Rohstoffen. Auf etwa 90 Milliarden Euro weltweit wird der wachsende Markt für gesundheitsfördernde Lebensmittel geschätzt.
Und die Entwicklungen gehen in beeindruckender Weise weiter voran: Die Mechanismen komplexer Erkrankungen werden immer mehr entschlüsselt. Sie sind häufig Folge des Zusammenspiels von Genetik, Ernährung, Lifestyle und auch der Umwelt. Mit Hilfe des wissenschaftlichen Verständnisses werden zunehmend gezielte, personalisierte Therapien möglich, zur Behandlung bislang schwer heilbarer Krankheiten wie Krebs oder Herzinsuffizienz.
Des Weiteren leidet eine Milliarde Menschen an Hunger oder Unterernährung, wie Mangel an Mikronährstoffen. Neueste Entwicklungen der Pflanzenbiotechnologieleisten hier einen wichtigen Beitrag und sind Baustein einer neuen Bioökonomie. Aber auch pragmatische Lösungen bringen vielfach schnell Verbesserungen, wie erfolgreiche Projekte aus Entwicklungsländern zeigen. Für hoch entwickelte Märkte sind dagegen richtungsweisende Ansätze für geeignete Ernährungskonzepte sowie gesundheitsfördernde Lebensmittel erforderlich. Erdöl ist der wesentliche Rohstoff für die chemische Industrie, ist jedoch nicht unbegrenzt verfügbar. Biotechnologische Verfahren ermöglichen zunehmend den Einsatz nachwachsender Rohstoffe bzw. landwirtschaftlicher Reststoffe.
Mit verbesserten Prozessen gelingt die Herstellung neuer biopharmazeutischer Wirkstoffe, wertgebender Inhaltsstoffe für Nahrungsmittel oder von Grundstoffen für die chemische Industrie. Dabei bieten sich Lösungen häufig durch eine sinnvolle Kombination von Biotechnologie und Chemie.
Alle diese Herausforderungen brauchen die interdisziplinäre Vernetzung in der Wissenschaft zur weiteren Aufklärung biologischer Vorgänge sowie die frühzeitige Einbindung der Wissenschaft durch verschiedenste Branchen, um neue Wertschöpfungsketten aufzubauen - für weitere innovative Produkte, Technologien und Dienstleistungen zum Wohle der Menschen.
Treffpunkt für Open Innovation - Konzeption durch Bayern Innovativ
Zum siebten Mal konzipiert die Bayern Innovativ GmbH, Zentrum für Innovation und Wissenstransfer des Freistaates Bayern, als Koordinator des Netzwerks Life Science den Internationalen Kongress „Forum Life Science 2011".
Am 23./24. März 2011 präsentieren über 60 Referenten aus 12 Ländern aus Industrie und Wissenschaft aktuelle Forschungsergebnisse und marktrelevante Konzepte aus den Bereichen „Pharma Development", „Food & Nutrition" und „Industrial Biotechnology".
Dieser interdisziplinäre Treffpunkt führt themenspezifisch Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft zusammen. Er bietet eine attraktive Plattform für Informationen über aktuelle Entwicklungen und deren Umsetzung.
In Verbindung mit einer begleitenden Ausstellung mit 110 Ausstellern und zahlreichen Posterbeiträgen ermöglicht der Kongress den direkten Kontakt zu Experten, potenziellen Anwendern und Kunden für den Austausch von Ideen und Erfahrungen sowie zur Anbahnung zukünftiger Kooperationen für Innovationen von morgen.
THEMEN DES KONGRESSES
Zukunftsweisende Strategien
Der Fortschritt in Pharma, Food und Industrieller Biotechnologie wird stark von der Wissenschaft geprägt. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit über Fakultäts- und Institutsgrenzen hinweg ist in einzigartiger Weise an der Technischen Universität München gegeben. Das erläutert Präsident Prof. Dr. Wolfgang A. Herrmann in seinem Grußwort und der Vorstellung des heute eingeweihten „Forschungszentrum für Weiße Biotechnologie".
Bayerns Wissenschaftsminister Dr. Wolfgang Heubisch betont in seiner Videobotschaft die Bedeutung von Biotechnologie und Life Sciences für den Forschungsstandort Bayern. Über das aktuelle Programm „Aufbruch Bayern" hinaus wird die Wissenschaft auch zukünftig unterstützt, sowie das überregional vernetzte Arbeiten mit der Wirtschaft - eine besondere Stärke der bayerischen Institute und Firmen.
Dr. Rudolf Staudigl, Vorstandsvorsitzender der Wacker Chemie AG, zeigt Strategien für die Integration biotechnologischer Prozesse in der chemischen Wertschöpfungskette. Auf diesem Weg zu einer biobasierten Ökonomie, vor allem aber auch für eine ausreichende Verfügbarkeit von Nahrung, leistet die moderne
Pflanzenbiotechnologie einen wesentlichen Beitrag, wie BASF Vorstandsmitglied Dr. Stefan Marcinowski darlegt.
Das Verständnis der Zusammenhänge von Ernährung und Gesundheit bietet neue Ansätze für gesundheitsfördernde Nahrungsmittel und damit auch für die Prävention ernährungsbedingter Krankheiten. Prof. Dr. Jimmy Bell (Imperial College London) präsentiert jüngste Erkenntnisse zu molekularen Wechselwirkungen, gewonnen durch modernste Verfahren der Bildgebung.
Mit Hilfe der Systembiologie werden Abläufe und Prozesse in Zellen und Organen entschlüsselt. Damit werden Vorhersagen bei inneren und äußeren Störungen des Systems möglich. Dieses neue Verständnis wird weiteren Fortschritt in Produkten und Verfahren der Life Sciences bewirken. Davon ist Prof. Dr. Patrick Cramer vom Genzentrum der Ludwig-Maximilians-Universität München überzeugt.
Pharma Development:
Therapien für bisher schwer behandelbare und komplexe chronische Erkrankungen stehen im Fokus der Pharmaforschung. Einen Ansatz der gesamtheitlichen Betrachtung zeigt Prof. Jochen Maas, Geschäftsführer Forschung & Entwicklung bei Sanofi-Aventis, am Beispiel Diabetes. Ein weiteres wichtiges Thema ist die zielgerichtete Therapie, wie sie durch eine Biomarker-gestützte Diagnostik ermöglicht wird. Diese Strategie ist das zentrale Thema des im BMBF-Wettbewerb erfolgreichen Bayerischen Spitzenclusters „m4 - Eine neue Dimension der Medikamenten-entwicklung" aus der Region München.
Prof. Christoph Klein, Ärztlicher Direktor am Dr. von Haunerschen Kinderspital an der Ludwig-Maximilians-Universität München und Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preisträger 2010, geht auf die umfassende Untersuchung humaner Gendefekte bei Kindern mit seltenen Krankheiten ein. Pathogene Veränderungen auf molekularer Ebene lassen sich auch mithilfe von Stammzellen untersuchen; hierzu gibt Prof. Nissim Benvenisty, Direktor der Stammzellforschung an der Hebrew Universität in Jerusalem, ein Beispiel. Ein wichtiger Schwerpunkt für Stammzellen liegt in der Zelltherapie. Das Potenzial aus Sicht der Pharmaindustrie erörtern unter verschiedenen Aspekten Prof. Ralf Huss, Vice President Pharma Research & Early Development bei Roche in Penzberg, Dr. Christine Günther, Geschäftsführerin Apceth GmbH & Co. KG sowie aus Sicht der Wissenschaft Dr. Insa Schröder von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.
Eine der größten Herausforderungen ist es, neurodegenerative Erkrankungen zu entschlüsseln und ursächlich zu behandelnMit den Therapiemöglichkeiten von Morbus Parkinson z. B. beschäftigt sich Prof. Jürgen Winkler, Universitätsklinikum Erlangen und Sprecher des Forschungsverbandes ForNeuroCell.
Food & Nutrition:
Weltweit tätige Unternehmen und Institutionen engagieren sich, um die Nahrungs-versorgung nachweislich zu verbessern. John Gregg, früher in leitender Position bei einem Weltkonzern der Nahrungsmittelindustrie tätig, engagiert sich in einem Projekt im Rahmen der American Christian International Foundation. Das Vorhaben WARE fördert die landwirtschaftliche Wertschöpfung in Afrika; demonstriert am Beispiel Ananas vom Anbau über die Verarbeitung bis hin zum Vertrieb.
Dr. Alan Wolfschoon, Krafts Foods Europe, München, schildert seine Erfahrungen über unmittelbaren Technologietransfer in einem UNO-geförderten Projekt in Nicaragua und Bhutan. Schließlich informiert Prof. Suwimon Keeratipibul, Chulalongkorn University Bangkok, über Maßnahmen, die die mikrobiologische Qualität industriell hergestellter Lebensmittel in Thailand verbessern.
Industrie und insbesondere Wissenschaft analysieren zudem genauer die gegen-wärtige Ernährungssituation, z. B. hinsichtlich der Mikronährstoffe. Denn jeder dritte Mensch weltweit weist trotz ausreichender Kalorienzufuhr einen Mangel an
Vitaminen und Mineralstoffen auf. Dr. Manfred Eggersdorfer, DSM, gibt hierzu einen aktuellen Situationsbericht. Prof. Wilhelm Gruissem, ETH Zürich, berichtet, wie sich mit Hilfe innovativer Pflanzenzüchtung der Gehalt wertgebender Inhaltsstoffe der Cassava-Knolle erhöhen lässt; einem Grundnahrungsmittel für über 600 Millionen Menschen.
Die TU München Weihenstephan ist eines der großen Forschungszentren für Lebensmittel und Ernährung. Prof. Hannelore Daniel von der TU München moderiert eine Vortragsreihe über neueste Ergebnisse bezüglich der Wechselwirkung von Ernährung und Gesundheit. Darin erläutert Prof. Werner Klaffke, Unilever Vlaardingen, den Einfluss gesundheitsfördernder Substanzen aus dem Grüntee anhand molekularer Untersuchungen.
Ernährung und Gesundheit erhalten also vielfältige Ansatzpunkte aus den Bio-wissenschaften und damit auch für neuartige Produkte. Dies zeigen Beiträge von Dr. Carl Erik Hansen, Group Manager Bioprocessing, Nestlé Research Center, Lausanne, über den Einsatz von Enzymen und Fermentationstechnologie in der Lebensmittelherstellung und von Dr. Jean-Michel Antoine, Senior Scientist, Danone Vitapole, Palaiseau/Frankreich über den Nachweis gesundheitsfördernder Wirkung von Lebensmitteln.
Industrial Biotechnology:
Zahlreiche Unternehmen und Institutionen engagieren sich, um mit gezielten Projekten mittelfristig die Rohstoffbasis der chemischen Industrie zu erweitern.
Dr. Alfredo Aguilar-Romanillos, Europäische Kommission, Brüssel, erläutert die Rohstoffstrategie der EU, welche auf eine nachhaltige, biobasierte Industrie zielt. Jean Hamel, FPInnovations, Quebec/Kanada zeigt die erweiterte Wertschöpfungs-kette von Holz als Ausgangsstoff für chemische Produkte.
Dr. Andre Koltermann, Süd-Chemie, München, stellt mit dem Sunliquid-Verfahren die nachhaltige Produktion von Cellulose-Ethanol aus Agrarreststoffen vor. Die direkte Nutzung von Kohlendioxid als Rohstoffquelle für Fermentationsprozesse präsentiert Dr. Thomas Haas, Evonik Degussa, Marl, als zukunftweisende Option.
Prof. Dr. Dirk Weuster-Botz, Lehrstuhl für Bioverfahrenstechnik, Technische Universität München, Garching, optimiert die mikrobielle Herstellung von Bernstein-säure, einer multifunktionellen Plattformchemikalie. Heutige Verfahren erlauben nach Patrick Piot von der Firma Bioamber, Frankreich, schon Produktionskapazitäten von mehreren tausend Tonnen Bernsteinsäure im Jahr.
Biotechnologische Wege zu „grünem" Polyvinylacetat geht die Wacker Chemie, München, wie Dr. Günter Wich präsentiert. Dass Mikroorganismen sogar zur Gewinnung von Hochleistungsmaterialien wie Spinnenseide genutzt werden, erläutert Axel H. Leimer von Amsilk in Martinsried.
ZAHLEN UND FAKTEN
Teilnehmer
Es haben sich über 1.100 Teilnehmer für den zweitägigen Kongress angemeldet. Dazu gehören u. a. Firmenvertreter von AlzChem, AMGEN, BASF, Beiersdorf, Carl Zeiss, Danone, Dr. Oetker, Evonik, Degussa, Fresenius Kabi, GE Healthcare, Jenapharm, Merck, Nestlé, Mindel-Food, Philips, Priaxon, Roche, Sandoz, Siemens, Sony, Süd-Chemie, Südsalz und Wacker Chemie sowie Vertreter von Fraunhofer-und Max-Planck-Instituten, Universitäten und Forschungsinstituten aus Deutschland, Europa und Asien.
Die internationale Auslegung spiegelt sich in Teilnehmern aus 20 Ländern wider, darunter Österreich, Schweiz, Frankreich, Belgien, Niederlande, Dänemark, Spanien, Kanada, USA, Brasilien, Israel und Thailand. Enge Partnerschaften existieren u. a. mit Kanada/Quebec und Thailand.
Tagungsort
Die Technische Universität München vernetzt in einzigartiger Weise die Disziplinen Ingenieurwissenschaft, Naturwissenschaft, Medizin und Ernährung. Der Campus in Garching beherbergt Chemie und Medizintechnik und seit heute auch das Forschungszentrum Weiße Biotechnologie, liegt in räumlicher Nähe zu den Ernährungswissenschaften und der Lebensmitteltechnologie in Freising-Weihenstephan und zur Biotechnologie in Martinsried.
„Forum Life Science 2011" findet die besondere Unterstützung von TU-Präsident Prof. Wolfgang A. Herrmann. Zahlreiche Institute der TU München sind aktiv mit eingebunden.
Konzeption und Organisation
Als Gesellschaft für Innovation und Wissenstransfer des Freistaates Bayern identifiziert Bayern Innovativ mit einem interdisziplinären Team von 85 Mitarbeitern aktuelle Themen und Trends, durch zahlreiche Kooperationsaktivitäten mit Firmen und Instituten sowie durch die weitere Vernetzung innerhalb der 10 Themenfelder der Bayern Innovativ. Aus diesem Netzwerkwissen entwickelt sie die inhaltliche Konzeption und akquiriert Referenten und Aussteller.
Partner und Sponsoren
Das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie fördert den internationalen Kongress.
Strategische Partner sind die Unternehmen Roche, Penzberg und Süd-Chemie, München, die diesen Kongress auch als Sponsoren unterstützen.
Über das Netzwerk Life Science bindet der Kongress zahlreiche bayerische Firmen und Institute und darüber hinaus in besonderer Weise die bayernweiten Cluster Biotechnologie, Ernährung, Chemie und Medizintechnik ein.
Seitens der Fachpresse begleiten Partnerschaften mit den Verlagshäusern BIOCOM Media, Konradin Medien (bild der wissenschaft), GIT Verlag, Vogel Business Media und GoingPublic Media den Kongress.
Terminhinweis
Anlässlich dieses internationalen Kongresses „Forum Life Science 2011" der Bayern Innovativ GmbH findet heute abend ab 19:00 Uhr ein Staatsempfang der Bayerischen Staatsregierung in der Residenz München statt.