6. Internationales Symposium mit Fachausstellung

Holz Innovativ

Nachbericht

Themenvielfalt lockt die Holzbranche

  • Internationaler Branchentreff Holz Innovativ 
  • Über 500 Teilnehmer aus 18 Ländern in Rosenheim
  • Trend und Zukunftsmarkt energieeffizientes Bauen mit Holz

Der Sektor Forst und Holz ist mit einem Umsatz von rund 30 Mrd. Euro und 200.000 Beschäftigten eine wichtige Säule in Bayerns Wirtschaft. Zukunftsweisende Materialentwicklungen wie acetylierte Holzfasern und Holz-Polymer-Komposites (WPC) sowie attraktives und kundenorientiertes Design der Holzprodukte lassen die Branche wachsen. Die Firmen sehen sich jedoch auch ökonomischen, ressourcen- und klimaschutzorientierten Herausforderungen gegenüber. Diese können in Kooperation mit Partnern erfolgreich angegangen werden.
Über 500 Teilnehmer aus 18 Ländern nutzten das sechste Symposium „Holz Innovativ“ am
1. und 2. April 2009 in Rosenheim, um sich über aktuelle Trends und jüngste Entwicklungen zu informieren und neue Geschäftskontakte aufzubauen. Der Kongress wurde von der Bayern Innovativ GmbH in Zusammenarbeit mit der Holzforschung der TU München, der Hochschule Rosenheim, der Deutschen Gesellschaft für Holzforschung e.V. sowie dem Cluster Forst und Holz ausgerichtet. Eingebunden waren zudem die Cluster Energietechnik, Logistik und Neue Werkstoffe. Das Symposium erfuhr umfassende Unterstützung durch das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie sowie durch neun Sponsoren und acht Medienpartner.

Plenum – Best Practice für zukünftige Marktstrategien

In den Plenarvorträgen wurden anhand von Best Practice Beispielen Erfolgsstrategien auf nationalen und internationalen Märkten aufgezeigt.
 „Holz Innovativ ist auch 2009 wieder eine interessante Plattform für die Präsentation jüngster Entwicklungen und beeindruckender Beispiele aus Holz- und Innenausbau wie gebäudeintegrierte Photovoltaik und neuartige Oberflächen. Aber auch die strategische Einbeziehung von Planern und Endkunden für die Realisierung von Holzprojekten steht im Mittelpunkt“, unterstrich Prof. Dr. Josef Nassauer, Geschäftsführer, Bayern Innovativ GmbH. Durch die Vernetzung mit anderen Technologien und die Anwendung in verschiedensten Branchen bietet Holz ein großes Innovationspotenzial.
 
„Dieses gilt es für bayerische Unternehmen zu nutzen, um auch im kommenden Aufschwung weiterhin wettbewerbsfähig zu sein“, so MDirig. Dr. Günter Graf, Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie, in seiner Eröffnungsrede.

Hierfür ist auch die enge Verzahnung von Wirtschaft und Hochschule sowie eine gezielte Weiterbildung - z. B. der Masterstudiengang Holzbau für Architekten an der Hochschule Rosenheim - wesentlich, wie Prof. Dr.-Ing. Alfred Leidig, Präsident der Hochschule Rosenheim, hervorhob.

Darüber hinaus werden Netzwerke und regionale Cluster, insbesondere angesichts kleinststrukturierter Unternehmen (700.000 Waldbesitzer und 10.000 Handwerksbetriebe in Bayern) immer wichtiger, erklärte Prof. Dr. Dr. habil. Drs. h.c. Gerd Wegener, Holzforschung,
TU München und Sprecher des Clusters Forst und Holz, anhand von Projekten in den Modellregionen Allgäu, Augsburg und Bayerwald.

Vorteilhaft für die Netzwerkbildung eines Unternehmens ist die langfristige Bindung an einen Standort. Diese Kontinuität und verantwortungsvolle Planung, vernünftige Konzepte und menschliche Umsetzung stehen für Verlässlichkeit und bilden Vertrauen bei Mitarbeitern und Kunden, wie Ursula Grossmann-Bönisch, Inhaberin des Familienunternehmens Grossmann Bau GmbH, Rosenheim, darstellte. Mit dieser Philosophie lassen sich auch erfolgreich Aufträge für Großbauprojekte außerhalb der Heimatregion gewinnen, wie für den Hauptbahnhof Kassel, den Skandinavienkai in Travemünde oder die Schwerlastbrücke in Kössen-Tirol.

„Auch ein Global Player wie Swedwood International aus Ängelholm lässt sich nach den Prinzipien eines Familienunternehmens führen“, erläuterte Lars-Erik Sandstrom, Technical Manager. Der schwedische Konzern entwickelt und produziert trendige Möbel für IKEA, mit 17.000 Mitarbeitern an 31 Standorten auf drei Kontinenten nach dem ‚SWOP’-Prinzip (Swedwood Way of Production). Lars-Erik Sandstrom sieht hier noch Potenzial für Produktivitätssteigerungen von 30 bis 50 Prozent. Ziel ist es, nicht schneller, sondern intelligenter zu produzieren. Die Basis dazu sind Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz. Es erfordert zudem ein hohes Maß an Qualität, Effizienz und Flexibilität jedes einzelnen Mitarbeiters. Diese Faktoren sind auch im Holzbau essenziell, um neue Marktsegmente zu erschließen.

Zukünftige Marktpotenziale liegen vor allem in mehrgeschossigen Holzbauten, wie Prof. DDI Wolfgang Winter, TU Wien, mit faszinierenden Beispielen verdeutlichte. Hauptentwicklungsrichtungen sind dabei der Leichtbau und neue Materialkombinationen, Brandschutz und Wärmedämmung, Recyclingfähigkeit von Holzwerkstoffen wie auch die Erhöhung der Erdbebensicherheit.

Kongressthemen – Impulse in Unternehmensstrategie, Material, Oberfläche und Produktion
Das Symposium Holz Innovativ bestach auch in diesem Jahr durch eine beeindruckende Themenvielfalt entlang der gesamten Wertschöpfungskette mit ihren unterschiedlichsten Ausprägungen. Über 70 Experten aus sieben Ländern informierten in neun parallelen Themenreihen über Holzressourcen und -logistik, stellten Lösungen und Anwendungen mit innovativen Holzwerkstoffen und Oberflächen vor, demonstrierten deren Einsatz im Holzbau und der Holzarchitektur und zeigten vielversprechende Strategien und Technologien für neue Märkte auf, so z. B. für Gebäude mit integrierter Photovoltaik.

Die nachfolgenden Inhalte sind wie folgt gegliedert:

Mobilisierung, Bereitstellung und Nachhaltigkeit von Holzressourcen

Eine wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Holzwirtschaft ist – auch angesichts des zunehmenden Rohstoffwettbewerbs – eine optimierte und gleichzeitig nachhaltige Rohstoffversorgung und -bereitstellung. Diese erfordern insbesondere effizientes Waldmanagement und Logistik sowie den Einsatz moderner IuK Technologie.

Hier setzte Gernot Rücker, Geschäftsführer von ZEBRIS GbR in München, mit dem sogenannten "Waldinfoplan", neue Akzente. Vor dem Hintergrund schwankender Rohholzmengen und veränderter, oft kleinteiliger Besitzstrukturen dient das webbasierte Infosystem als Instrument zur effizienten und nachhaltigen Waldbewirtschaftung für den Privat- und Kommunalwald. Ziel ist ein durchgängiger Informationsfluss entlang der forstlichen Wertschöpfungskette mit gravierenden Vorteilen für Forstbetriebsgemeinschaften, Waldbesitzervereinigungen und forstliche Zusammenschlüsse: Integration von forstlichen und geografischen Basisdaten als professionelle Planungsgrundlage für Holzeinschlag, Abfuhr (z. B. Polterverwaltung) und waldbauliche Maßnahmen, Kostenersparnis durch professionelles Holzflussmanagement und Waldpflege-verträge, optimierte Marktposition aller Beteiligten durch Informationsvorsprung und Qualitäts-steigerung.

Auf die Vorteile einer exakten Kontrolle des Materialflusses zwischen Wald und Sägewerk mittels RFID ging Christian Kaul von der TU München, Freising, ein. Der Transponder wird an den Holzstamm angebracht, wodurch via Funk alle Daten zu dem Holzstamm auslesbar sind. Die Informationen sind mit einer Nummer vergeben, die klar zuzuordnen ist. Im Rahmen von zwei Forschungsprojekten wurde die technische und wirtschaftliche Machbarkeit nachgewiesen (Die Wirtschaftlichkeit einer Einzelstammmarkierung hängt stark von der Stückzahl des markierten Sortimentes ab). In dem Vortrag wurde ein Praxistest zwischen Wald und Sägewerk dargestellt. Kritisch sind noch die geringen Lesereichweiten (via Funk) sowie die Einflussgröße der Ausrichtung des Transponders zur Antenne. Dies kann die Auslesbarkeit stark beeinträchtigen. Weiterhin ist der Untergrund zu beachten, auf dem der Transponder angebracht ist. Die Informationen werden vom Stamm auf das einzelne Brett übertragen, um über die gesamte Holzkette den Informationsfluss zu gewährleisten. Die im Projekt untersuchten Markierungstechnologien sind für eine Fortführung der Markierung bis zum Schnittholz via Direktdruck mit Tintenstrahldruckern sowie Lasermarkierung mit einem CO2-Laser möglich.

Die Forst- und Holzwirtschaft steht aber auch vor anderen Herausforderungen. Nach Prof. Dr. Hartmut Graßl, Vorsitzender des Bayerischen Klimarates und vormaliger Direktor des Weltklimaforschungsprogramms, erfordert der Klimawandel aufgrund der geänderten Zusammensetzung verfügbarer Baumarten einen intelligenten Waldumbau in Wirtschaftswäldern und damit angepasste Techniken der Holzbearbeitung. Zudem können Wälder nur einen moderaten Anteil an der Energieversorgung der Menschheit liefern, da die Biomasse begrenzt verfügbar ist. Die stoffliche Holznutzung z. B für energieautarke Gebäude – "ohlenstoffoptimiertes Bauen und Modernisieren"– sollte daher vor der energetischen Nutzung stehen. Die öffentliche Hand könnte durch den vermehrten Einsatz von Holz in der Bauwirtschaft eine wichtige Vorbildfunktion und damit Vorreiterrolle übernehmen.

Welchen Beitrag Wald und Holz zur CO2-Einsparung leisten können, verdeutlichte Dr. Klaus Richter, Empa Dübendorf, Schweiz in seinem Vortrag über optimierte Holznutzung. Die Material- und Energiesubstitution mit Holz haben dabei den grössten Effekt: die maximale globale CO2-Einsparung beträgt nach 20 Jahren 8 Mio. Tonnen/Jahr, dies entspricht 15 % des heutigen Ausstoßes.

Innovative Holzwerkstoffe und Oberflächen

Materialinnovationen auf Holzbasis, wie acetylierte Holzfasern und nanobeschichtetes Holz sowie neue Klebtechniken und auch maßgeschneiderte Oberflächentechnologien, sind zukunftsweisende Entwicklungen, die neue Marktchancen eröffnen.

Dr. Jürgen Stebani, Vorstand der Polymaterials AG, Kaufbeuren, stellte die intelligente Kombination von Naturstoffen und Kunststoffen in den Mittelpunkt seines Vortrags. Technische Verbindungen können über Reaktions-, Funktions- und Konstruktionssysteme (Kleber, Mikrokapseln, Kunststoffcompounds) erfolgen. Um die Compoundentwicklung zu vereinfachen, gibt es ein neues Verfahren zur schnellen Findung geeigneter Rezeptur-Eigenschaftskombinationen.  „Hybridwerkstoffe“ mit synergistischen Eigenschaften lassen sich durch gezielte Kombination beider Werkstoffwelten und angepasster Verarbeitungsverfahren erschließen. Für die End-of-life-Nutzung wird eine innovative Verklebung immer wichtiger.

Ebenfalls eine neue Klebetechnologie zur zuverlässigen Verklebung von Buchenholz, auch farbverkerntes, für tragende Holzbauteile wurde von Michael Schmidt von der Holzforschung München vorgestellt. Die überlegenen Festigkeits- und Steifigkeitseigenschaften von Buchenholz gegenüber Fichtenholz bieten die Möglichkeit, Bau¬teile mit einer höheren Tragfähigkeit herzustellen, die größere Spannweiten überbrücken können. Somit lassen sich auch architektonisch anspruchsvolle Bauwerke, die bisher nicht in Holzbauweise umgesetzt werden konnten, realisieren. Zudem ist in den nächsten Jahrzehnten aufgrund des Klimawandels mit einem guten Angebotsbestand von Buchenholz zu rechnen.

Eine neuartige Verbindungstechnik ist das WoodWelding – ein Verfahren zur leimfreien Befestigung in porösen Materialien. Dabei wird Holz mit durch Ultraschall geschmolzene und thermoplastische Kunststoff-Dübel auf beiden Seiten gleichzeitig miteinander verschweisst – eine schnelle, stabile und saubere Methode für Rahmenkonstruktionen mit nicht allzu tiefen Einbautiefen, wie Laurent Torriani, Teilhaber, Creaholic S.A., Biel, Schweiz betonte. Das WoodWelding wird auch in der Automobilindustrie und im Health-Care-Bereich erfolgreich eingesetzt, z. B. bei Schädeloperationen. Großes Potenzial in der Medizintechnik besteht bei Biopolymeren, die sich nach einer gewissen Zeit abbauen. Auch Anwendungen in Asphalt oder Zellbeton sind denkbar. 

Prof. Dr. Holger Militz von der Universität Göttingen stellte dimensionsstabile, pilzhemmende Holzoberflächen vor. Dieses Modifikationsverfahren durch den Einbau von Silikonen und Silanen
in die Holzzellwand führt zu einer Erhöhung der Dimensions- und Abbaustabilität (Schutz, Wasserabweisung, Farberhalt). Impulse für dieses Verfahren kommen aus der Textilveredelung, der sogenannten Avivage-Applikation. 

Das acetylierte Holz "Accoya" hat seinen Weg bereits in die erfolgreiche Anwendung gefunden, wie Michael Maes von Titan Wood aus Arnhem, Niederlande, in seinem Beitrag veranschaulichte: Der wertbeständige weil witterungsresistente Holzwerkstoff wurde für die weltweit erste 32 m lange Schwerlastbrücke im holländischen Sneek eingesetzt.

Dr. Stefan Friebel vom WKI Braunschweig stellte in seinem Bericht ein neuartiges Beschichtungssystem für dauerhafte Fassadensysteme vor. Mit dem neuen Verfahren lassen sich unregelmäßige Vergrauungen auf hitzevergütetem Holz zukünftig verhindern – einer der wichtigsten Argumente für einen Einsatz von Holz im Außenbereich.

Auch die optische Aufwertung von Holz ist ein wichtiger Aspekt für die Holzverwendung. Martin Weigl vom Kompetenzzentrum Holz, Linz, nahm in seiner Präsentation Einfärbungen der Holzoberfläche unter Berücksichtigung der Holzanatomie ‚unter die Lupe’. Die Holzanatomie wie Betonung oder Kaschierung von z. B. Jahrringgrenzen, Holzstrahlen oder Kernholz kann so zur Generierung neuer Dekore, damit Designmöglichkeiten und letztendlich neuer Marktchancen genutzt werden

Richtungsweisende Ansätze in Strategie, Architektur und Konstruktion im Holzbau

Erschließung zusätzlicher Marktsegmente durch neue Marketingkonzepte oder technische Innovationen, Kundenorientierung mit individueller Fertigung, Herausbildung von Alleinstellungsmerkmalen durch die Entwicklung intelligenter Holzbausysteme oder eine Konzentrierung auf die Modernisierung des Baubestandes in Anbetracht rückläufiger Neubautätigkeit kennzeichnen den zukunftsweisenden Holzbau.

Die Holzbau AG, Brixen, ist seit Jahren erfolgreich am italienischen Holzbaumarkt tätig. Einen besonderen Beitrag leistet hierzu das ‚strategische Marketing’ zur Gewinnung von Planern und Architekten für den Holzbau, verdeutlichte Marlies Rubner, Marketingleiterin. Schlüssel zum Erfolg ist die Kooperation und intensive Einbindung von Architekten und Planern wie z.B. die gezielte Zusammenarbeit mit Universitäten, Information über Projekte in Printmedien, bei Vorträgen und Tagungen. So gelingt es auch, ursprünglich in Beton geplante Bauten in Holz zu bauen. Ein herausragendes Beispiel ist das Sportstadion in Livorno. Über allem steht das Motto ‚Italienische Formensprache gekoppelt mit deutscher Gründlichkeit’.

Gründlichkeit in rechtlichen Fragen, insbesondere bei Haftungsrisiken für Unternehmen, spielt eine tragende Rolle in Geschäftsbeziehungen, sowohl Business-to-Business als auch Business-to-Consumer. Darauf wies Michael Pinstock, Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht, Ehringshausen, in seinem Vortrag über die rechtlichen Hintergründe von DIN-Normen und Richtlinien hin. DIN-Normen sind demnach nur Empfehlungen und müssen nicht automatisch den Stand der Technik widerspiegeln. Entscheidend ist der abgeschlossene Vertrag, solange er nicht rechtswidrig ist. In dem Vertrag sollte ausdrücklich beschrieben sein, was die Vertragspartner erwarten. Diese Erwartungen müssen dann erfüllt werden, unabhängig ob sie den DIN-Normen entsprechen, außer es wird ausdrücklich eine DIN-Norm von einem Vertragspartner im Vertrag vorausgesetzt.
 
Die Firma Huber & Sohn, Bachmehring, bewegt sich in den drei Bereichen Holzbau, Fenster und Holzindustrie (Verpackung). Trotz, oder gerade wegen dieser Produktvielfalt gelingt es dem Unternehmen, seine Marktanteile auszuweiten. Auf der einen Seite stehen Chancen der Vielfalt wie eine größere Unabhängigkeit von Branchenkonjunkturentwicklungen und eine breite Marktauswahl, auf der anderen Seite Risiken wie mangelnde Transparenz in den Kostenstrukturen oder sinkende Qualität wegen fehlender Spezialkenntnisse. ‚Wenn man sich dieser Risiken bewusst ist, überwiegen die Chancen’, so Josef Huber, Geschäftsführender Gesellschafter. Seine Erfolgsgrundsätze lauten: Trotz Vielfalt sind Spezialisierung, modernste Produktionsmittel und Transparenz essenziell. Flexibilität und Innovation sind erforderlich. Z.B. wurde in Kooperation mit der Hochschule Rosenheim eine solarthermische Fassadenvorheizung mit Heizungsrücklauf entwickelt. Qualität und Differenzierung sowie Kooperationen sind ebenfalls ein Muss. Um bei aller Vielfalt den Überblick nicht zu verlieren, ist es ratsam, sich in bekannten Märkten zu bewegen.

Edgar Haas hingegen, Architekt und Fachberater für Holz und Holzbau, Berlin, hat sich auf unbekanntes Terrain gewagt. Er beleuchtete in seinem Vortrag den boomenden Markt der sog. ‚Bauherrengruppen’. Diese bestehen meist aus nachhaltig orientierten und gleichzeitig anspruchsvollen Konsumenten, die modern, gesund aber dennoch kostengünstig mit natürlichen Baustoffen bauen möchten. Bauherrengruppen entwickeln sich so zu Innovationstreibern und spielen eine wichtige Rolle als Vorreiter für den Einsatz von Holz im verdichteten Wohnungsbau. Hier entwickelt sich ein wachsender Markt, auf dessen Bedürfnisse sich zukünftig Architekten, Planer und Bauträger einstellen müssen.

Ein großes Marktpotenzial besitzen schon jetzt die Bereiche Mehrgeschossiger Holzbau und Bauen im Bestand in Holzbauweisen, wie Marcus Wehner von der Hochschule Rosenheim, ausführte. Voraussetzung für deren Erschließung für den Holzbau ist die Stärkung des Image für qualitativ hochwertige Holzhäuser, die Gewinnung von Bauherren der Immobilien- und Wohnungswirtschaft für Modellprojekte, der Ausbau von Holzbau-Weiterbildungsangeboten für Architekten und die Weiterentwicklung einer kostengünstigen Brandschutztechnologie.

Auf die Entwicklung intelligenter Holzfassadenkonstruktionen hat sich Dieter Herz, Geschäftsführer, Herz-Lang GmbH, Weitnau spezialisiert. Diese bieten eine hervorragende Basis für hocheffiziente Gebäudedämmungen aus nachwachsenden Rohstoffen, die auch ideal für die Altbausanierung geeignet sind. Wichtig ist die Integration der Fenster in die Fassade und nicht in die tragende Wand. Eine hocheffiziente Gebäudedämmung sollte immer in Kombination mit einer Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung installiert werden, um Schimmelbildung aufgrund hoher Luftfeuchtigkeit und Temperaturunterschiede zu vermeiden. Die Herz-Lang GmbH setzt auf ein gutes Gesamtkonzept vom Zimmermann, Elektrotechniker und Ingenieurbüro bis hin zum Bauherren. Dieses funktionierende Netzwerk ist entscheidend für den Erfolg der energetischen Gebäudesanierung und wird in einem Stück angeboten.

„Großes Zukunftspotenzial besitzen energieautarke Holzgebäude“, so Peter Aicher, Inhaber Aicher Holzhaus, Halfing und Mitglied des Präsidiums und Vorstands des Bayer. Zimmerer- und Holzbaugewerbes. Aicher Holzhaus hat z. B. eine intelligente Technologie, den sog. ‚Thermosolar’ für „Proenergiehäuser“ entwickelt: einen Sonnenkollektor, der ein flüssiges Medium zur Dampferzeugung nutzt und über eine Turbine Strom gewinnt. Die anfallende Abwärme wird für Warmwasserzubereitung und Gebäudeheizung verwendet. Großen Entwicklungsbedarf sieht Peter Aicher noch bei elektrischen Energiespeichern.

Zukunftsmarkt gebäudeintegrierte Photovoltaik

Neue Marktpotenziale für die Holzbranche können sich auch durch die gebäudeintegrierte Photovoltaik im Holzhaus erschließen. Dr. Robert Bartl, Cluster Energietechnik, Fachbereich Photovoltaik der Bayern Innovativ GmbH und Moderator diskutierte in seiner Einführung die unterschiedlichen PV-Technologien und ihre Bedeutung für die Gebäudeintegration. Hohes technisches Potenzial besitzt die Dünnschichttechnologie, da sie bei diffusem Licht geringere Leistungseinbußen aufweist als herkömmliche kristalline Module. Besonders interessant ist die gebäudeintegrierte Photovoltaik für Architekten und Bauplaner, da sich Energieeffizienz und Ästhetik im Gebäude vereinen lassen. Grund dafür sind technologische Weiterentwicklungen in der Farbgestaltung und Formgebung von Photovoltaikmodulen. Der produzierte Strom wird in der Regel in das öffentliche Netz eingespeist, wodurch die Investition zu einer sicheren Geldanlage wird.

Professor Bernhard Weller von der TU Dresden veranschaulichte mit beeindruckenden Referenzbeispielen, was alles mit Photovoltaik machbar ist. Die Photovoltaik kann eine zentrale ästhetische Funktion im Gebäude übernehmen, aber auch unauffällig für den Betrachter in der Architektur eingebunden sein.

Energieeffizienz steht bei dem fünfstöckigen und drehbaren Holzhaus der Elektro Guggenmos GmbH, Obergermaringen, im Fokus. „Das Haus, ausgestattet mit einer 30 kWp Photovoltaik-Anlage mit  dreht sich für eine optimale Ausbeute nach dem Sonnenstand“, erklärte Geschäftsführer Manfred Guggenmos, ein mittlerweile berühmter Handwerksmeister aus dem Allgäu. Dieses neuartige und außergewöhnliche Gebäude ist ein wahrer Publikumsmagnet und ein Paradebeispiel, wie gebäudeintegrierte Photovoltaik und erneuerbare Energien gemeinsam zum Einsatz kommen können.

Mehrere Unternehmen bieten marktreife Lösungen an, um Photovoltaik ästhetisch im Gebäude zu integrieren.
Mirko Jan Fath, Geschäftsführer des jungen Unternehmens der Fath Solar GmbH, Spalt, arbeitet vorzugsweise mit kristallinen Technologien. Die zum Einsatz kommenden Module unterscheiden sich vor allem darin, rahmenlos zu sein und werden auf die Unterkonstruktion geklebt. Dadurch sind ganz neue Möglichkeiten in der Architektur und Auslegung möglich.
Die Glaswerke Arnold GmbH, Merkendorf, vertreten durch Thomas Pinnekamp, Produktmanager, verwenden dünne Siliziumschichten als Halbleitermaterial - die sog. amorphe Siliziumtechnologie. Die Module können teilweise lichtdurchlässig sein und kommen nicht nur als Aufdach- oder Indachanlage zum Einsatz, sondern auch in Kalt- und Warmfassaden sowie in der Brüstungsverglasung.
Die Würth Solar GmbH, Schwäbisch Hall, vertreten durch Timo Bauer, Produktmanager, benützt hingegen eine siliziumfreie Technologie, die sog. CIS Technologie, die dem Betrachter durch das auffällig schwarze Erscheinungsbild der Module ins Auge fällt. Würth Solar war der erste deutsche Hersteller am Markt mit dieser Technologie, die besonders für ihre hohen Wirkungsgrade unter den Dünnschichttechnologien bekannt ist.

Ein weiteres Highlight war der Beitrag über die deutsche Wettbewerbsbeteiligung am Solar Decathlon 2007 in Washington D.C., USA, vorgestellt von Burkhard Seifert der TU München. Die beiden Universitäten, TU Darmstadt und TU München überzeugten mit ihrem Energiehaus durch modernes Design und einer nachgeführten Photovoltaikanlage, was ihnen den ersten Platz sicherte.

Strategien und Technologien für neue Holzmärkte

Ein interessanter Markt für Holz könnte sich auch aus der sog. Leichtbaustruktur ‚Tensairity’ entwickeln, wie Dr. Rolf Luchsinger, Empa Dübendorf, Schweiz, in seinem Vortrag veranschaulichte. Mittels großer pneumatischer Tragstrukturen (Luftkissen) können mit wenig Gewicht und in kurzer Zeit kostengünstige und langfristig haltbare Bauwerke errichtet werden. Zu diesem Zweck werden Hüllen aus pneumatischen Schläuchen mit Stäben, Kabeln und Verbindungselementen ummantelt, um die Zug- und Druckkräfte auszugleichen. Der Baustoff Holz eignet sich als zugfestes und elastisches Material für Tensairity-Druckelemente und kann z.B. sehr gut für Brückenkonstruktionen, aber auch Dächer, Werbesäulen oder im Messebau verwendet werden. Überdies ermöglicht dieses revolutionäre Konstruktionskonzept neue Designmöglichkeiten.
Auch hybride Konstruktionen z. B. von Holz mit Stahl, Glas oder Polyurethan erweitern den Einsatzbereich von Holz und ermöglichen eine neue Formensprache, wie Prof. Dr.-Ing. Volker Schmidt, TU Berlin, anhand beeindruckender Projekte darstellte: Ein Beispiel hierfür ist die Mensa Karlsruhe, eine Holzstruktur mit einer dampfdiffusionsoffenen Polyurethan-Spritzbeschichtung.

Einen völlig neuen und branchenübergreifenden Ansatz wagte Prof. Dr. Behrokh Khosnevis, University of California, Los Angeles, USA, der über die automatische Fertigung von Betongebäuden berichtete. Diese Konstruktionstechnologie ermöglicht eine sehr komplexe architektonische Formgebung. Weitere Vorteile sind die äußerst schnelle Errichtung von Gebäuden inklusive aller sanitären und elektrischen Einrichtungen – man benötigt nur zwölf Stunden, bis ein Haus mit fünf Räumen per Roboter in die Betonbauformen gegossen wird. Des Weiteren werden die Baukosten verringert, da weniger Arbeitskräfte und Materialeinsatz benötigt werden. Daher wäre diese neue Bautechnologie in erster Linie für Krisen- und Katastrophengebiete geeignet. Mögliche Anwendungsbereiche für Holz: Verstärkung der Betonstrukturen mit Holz (Holzleichtbeton, Holzspäne, Holzsplitter für Aggregat).

Technologietrends und Zukunftsthemen mit Bezug zu Forst und Holz präsentierte Dr. Raoul Klingner, Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der Angewandten Forschung, München. Er hob insbesondere den Aspekt hervor, zukünftige sozioökonomische Herausforderungen wie Gesundheit, Umwelt, Energieversorgung, Sicherheit, Kommunikation und Mobilität in technologische Lösungen miteinzubinden. Dazu kann auch die Forst- und Holzbranche einen wichtigen Beitrag leisten z.B. Energieeffizienter Holzbau, Holz als gesundes Ausbaumaterial, Spielzeug aus nachwachsenden Rohstoffen wie flüssiges Holz.

All diese Entwicklungen zeigen beispielhaft, dass der Roh-, Werk- und Baustoff Holz für Innovation und Nachhaltigkeit steht und hier noch vielfältige Potenziale gegeben sind. Diese wird die Bayern Innovativ GmbH auch in Zukunft weiter aufgreifen, gemeinsam mit den Partnern aus Rosenheim und dem Cluster Forst und Holz.
Viele Vorträge sind verfügbar unter: www.bayern-innovativ.de/holz2009

Ansprechpartner
→ Dipl.-Biol. Regina Merz
→ Dipl.-Ing. Gabriel v. Lengyel-Konopi
→ Dr. Robert Bartl
→ Johanna Lison M. A.
→ Prof. Dr. Josef Nassauer

Seite bookmarken ...
Diese Veranstaltungen könnten für Sie von Interesse sein:
09.02.2012, Stadthalle Fürth
Textil Innovativ
Symposium mit Fachausstellung
29.02. - 04.03.2012, Messe Wels, Österreich
Energiesparmesse 2012
Gemeinschaftsstand Enterprise Europe Network
01.03.2012, Akzo Nobel Functional Chemicals GmbH & Co. KG und Alencis GmbH in Greiz
Optimierung des Korrosions- und Verschleißverhaltens von Bauteilen durch Hochleistungsoberflächen
Cluster-Treff
14.03.2012, Rosenheim
Material Innovativ 2012
Symposium mit begleitender Fachausstellung
21.03.2012, ZAE Bayern, Erlangen
Zerstörungsfreie Testmethoden in der Photovoltaik
Cluster-Treff beim ZAE Bayern Abteilung Erlangen