Kooperationsforum

Funktionelle Pflanzeninhaltsstoffe

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Funktionelle Pflanzeninhaltsstoffe, Stephan J. Barth

Die Hopfenwirtschaft ist eine globale Nischenindustrie der Landwirtschaft. Weltweit betreiben auf 57.000 Hektar ca. dreitausend Pflanzer den Anbau dieser seit vielen Jahrhunderten bekannten und geschätzten Kulturpflanze. Deutschland und die USA sind die bedeutendsten Hopfenanbauländer der Welt. Während in Deutschland die größte Anbaufläche von ungefähr 17.500 Hektar kultiviert wird, produzieren die USA auf einer Fläche von ca. 12.500 Hektar die meisten Bittersäuren. Sie sind das Salz in der Suppe, die der Brauer Würze nennt und mit Hilfe des Hopfens – oder vielmehr seiner Bitterstoff gebenden Alphasäuren – dem Bier den unverwechselbar herben wohlmundenden Geschmack verleihen.

Letztes Jahr produzierten die ca. 1.500 Pflanzer Deutschlands eine noch nie eingefahrene Ernte von fast 4.000 Tonnen Alphasäuren. Die 74 Großpflanzer der USA produzierten eine fast identische Menge an Alphasäuren und die restlichen Pflanzer in der Welt weitere 2.500 Tonnen. Diese Erntemengen wurden im Wesentlichen von vier Firmen verarbeitet und vermarktet. Das gesamte Umsatzvolumen auf Handelsebene dürfte 2008 um die 800 Mio. – 1 Mrd. Euro betragen haben. Wir haben auf der Verarbeitungs- und Vermarktungsebene mit einer mittelständisch geprägten Industrie von Familienunternehmen und Genossenschaften zu tun.
Die sog. Hopfenhandelsfirmen sind hochtechnisch versierte anwenderorientierte Unternehmen, die man am ehesten als Naturstoffveredelungsbetriebe verstehen kann. Sie produzieren aus den Naturhopfen als Ausgangsware eine Vielzahl von Produkten, die zu 98 % von der Brauindustrie verwendet werden. Die breite Produktpalette hilft, das Bier auf verschiedene Arten zu bittern, aromatisieren, stabilisieren und die Schaumfestigkeit zu verbessern.

Ohne die Unterstützung der modernen Sortenzüchtung durch den Freistaat Bayern wäre der Hopfenstandort Deutschland allerdings niemals zum zentralen Umschlags- und Verarbeitungsstandort für Hopfen aus aller Welt geworden.
Gestützt auf die hervorragende Züchtungsarbeit des Hopfenforschungs- und -Züchtungsinstitut in Hüll, einer halbstaatlichen Einrichtung, die großzügigst vom Freistaat Bayern unterstützt wird, bietet Deutschland den Brauern der Welt das breiteste Sortenspektrum von feinsten Aromasorten bis hin zu ökonomisch effizientesten Bittersorten. Diese Hopfen werden in Deutschland in hochmodernen Veredelungsbetrieben verarbeitet, in Kühlhäusern eingelagert und in alle Welt verkauft. Deutschland ist Hopfenexportweltmeister. Dank des hohen Verarbeitungs-Know-hows ist Deutschland auch Importvizeweltmeister, da hier Sorten aus aller Welt von den Handelsunternehmen gekauft, verarbeitet und wieder exportiert werden.

Diese hocheffiziente Nischenindustrie ist seit ca. 10 Jahren intensiv mit der Erforschung von möglichen Einsatzzwecken des Hopfens außerhalb der Brauindustrie beschäftigt. Das heutige Kooperationsforum zeigt neben anderen Aspekten den aktuellen Stand dieser Bestrebungen.



Stephan J. Barth
1. Vorsitzender des Deutschen Hopfenwirtschaftsverbandes e. V.

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