
In den letzten fünf Jahren häufen sich wissenschaftliche Publikationen aus aller Welt über verschiedenste gesundheitsfördernde Eigenschaften des Hopfens. Über 250 aktuelle Arbeiten auf diesem Gebiet – vor allem aus Japan, USA und einigen Ländern Mitteleuropas – zeigen ein erstaunlich breites Spektrum viel versprechender Aktivitäten des Hopfens und seiner Inhaltsstoffe. Ob und wie sich diese Erkenntnisse letztlich auf den Hopfenmarkt auswirken, bleibt abzuwarten. Denn bislang dient Hopfen nahezu ausschließlich als Rohstoff zum Brauen von Bier. Über 95% der weltweit angebauten Menge werden dafür verwendet. Den Rest findet man in anderen Lebensmitteln (z.B. Hopfenbrot), in Körperpflegeprodukten (Badezusätze, Shampoos) oder in Kombination mit Baldrian als Bestandteil pflanzlicher Schlaf- und Beruhigungsmittel.
Die Bedeutung des Hopfens für die Gesundheit wurde bereits in den Kräuterbüchern des Mittelalters beschrieben. Heute wird dieses Jahrhunderte alte Wissen um die Heilwirkungen des Hopfens durch moderne wissenschaftliche Methoden bestätigt, z.B. seine verdauungsfördernden und entzündungshemmenden Eigenschaften, die in erster Linie auf die Bitterstoffe (Alpha- und Beta-Säuren) zurückzuführen sind. Diese Stoffe sind auch in der Lage, zahlreiche Krankheitserreger wirksam zu bekämpfen (z.B. die Erreger von Tuberkulose oder pathogene Keime in Lebensmitteln).
Wegen dieser antimikrobiellen Wirkung etablieren sich Hopfen-Bitterstoffe derzeit vermehrt in der Agroindustrie, wo sie als natürliche, umweltfreundliche Alternative zur Hemmung unerwünschter Bakte-rien dienen und während der Zuckerverarbeitung oder bei Fermentationsprozessen (z.B. Herstellung von Bioethanol) Einsatz finden. Weitere Anwendungen als natürliche Antibiotika werden erforscht, u.a. in den Bereichen Kosmetik und Pharma.
Doch nicht nur die Bitterstoffe spielen eine wichtige Rolle für die gesundheitsfördernde Wirkung des Hopfens, sondern vor allem auch seine Polyphenole. Deren Bedeutung für die menschliche Gesundheit ist seit den 1980er Jahren bekannt. Den Polyphenolen wird inzwischen ein ähnlicher Stellenwert wie den Vitaminen zugesprochen. Denn durch ihre antioxidativen Eigenschaften können sie sogenannte „Freie Radikale“ abfangen, die im Körper schädliche Prozesse auslösen, was das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen, Diabetes oder Krebs steigert. Daher wird heute eine Nahrung reich an Vitaminen und Polyphenolen empfohlen. Neben so bekannten „gesunden“ Pflanzen wie Soja, grüner Tee oder rote Trauben stellt auch Hopfen eine reichhaltige Quelle für diese wertvollen Verbindungen dar.
Eine Besonderheit des Hopfens sind die ebenfalls zur Gruppe der Polyphenole zählenden Prenylflavonoide, die man nur in sehr wenigen Pflanzenfamilien findet. In Ernährungswissenschaft und pharmazeu-tischer Forschung haben insbesondere die beiden Substanzen Xanthohumol und 8-Prenylnaringenin enorme Beachtung erlangt. Während 8-Prenylnaringenin eine hohe östrogene Aktivität aufweist und somit zur Verwendung in der sanften Hormonersatztherapie (Behandlung von Wechseljahrbeschwerden und Vorbeugung von Osteoporose) untersucht wird, zählt Xanthohumol zu den wirksamsten natürlichen Antioxidantien und weist u.a. ein sehr bemerkenswertes Potential zur Krebsvorbeugung auf. Humanstudien auf diesem Gebiet stehen allerdings noch an.
Bereits klinisch bestätigt sind positive Wirkungen von Hopfen-Polyphenolen gegen Karies und Allergien. Ganz aktuell belegt eine erst vor wenigen Tagen veröffentlichte medizinische Untersuchung aus Japan den therapeutischen Effekt eines aus Hopfen gewonnenen Extrakts bei 94 Personen mit erhöhten Blutzuckerwerten.
Diese weltweite wissenschaftliche Erforschung des Hopfens bildet eine solide Grundlage für neue Anwendungen im Bereich „Gesundheit“, sei es als Bestandteil physiologisch wertvoller Ernährung oder als Wirkstoff pflanzlicher Arzneimittel. Damit ergeben sich spannende Perspektiven für die zukünftige Vermarktung von Hopfen.