Netzwerke sind das A und O für Erfolg

Bayerns Wirtschaftsminister Franz Josef Pschierer und Bayern Innovativ-Geschäftsführer Dr. Rainer Seßner über Innovationspolitik des Freistaats Bayern

Was sind die Schwerpunkte der Wirtschaftspolitik des Freistaats Bayern und welche Rolle spielt die Bayern Innovativ? Darüber hat "vernetzt", das Kundenmagazin von Bayern Innovativ, im November 2016 mit Bayern Innovativ-Geschäftsführer Dr. Rainer Seßner und dem heutigen bayerischen Wirtschaftsminister Franz Josef Pschierer gesprochen.

Das Interview zeigt: Die Angebote der Bayern Innovativ für den Technologie- und Wissenstransfer und für die Unterstützung von Innovationsprozessen sind ein wesentlicher Baustein der bayerischen Innovations- und Wirtschaftspolitik.

Wie können wir die Spitzenposition Bayerns im Wettbewerb um die Innovations-führerschaft dauerhaft sichern?

Pschierer: Bayern ist deswegen so stark, weil hier unterschiedliche Akteure an einem Strang ziehen. Das sind erstens unsere Unternehmen, egal ob Weltkonzern oder Mittelständler, die viel in Produktinnovationen investieren. Zweitens die exzellenten Forschungseinrichtungen im Freistaat. Und drittens unterstützt die Bayerische Staatsregierung durch passgenaue Förderprogramme und geeignete Rahmenbedingungen den Innovationsprozess.

Wir haben, etwa mit Bayern Innovativ oder dem Zentrum Digitalisierung.Bayern, auch wichtige Einrichtungen für Forschung, Entwicklung und den Wissenstransfer geschaffen.

Damit aus einer guten Idee ein verwertbares Produkt oder eine nützliche Dienstleistung wird, müssen Wirtschaft und Wissenschaft eng vernetzt werden.

Außerdem ruhen wir uns auf unseren Erfolgen nicht aus. Wir haben vor kurzem unsere Technologieförderprogramme auf den Prüfstand gestellt. Auf dieser Grundlage schließen wir jetzt bestehende Förderlücken und setzen neue, technologieübergreifende Schwerpunkte, etwa im Bereich der Digitalisierung.

Welche Felder stellen Schwerpunkte der bayerischen Wirtschaftspolitik dar?

Pschierer: Die bayerische Cluster-Politik ist ein bewährtes Instrument. Auch hier konzentrieren wir uns mittlerweile auf Zukunftstechnologien: Digitalisierung, Energie, Gesundheit, Neue Materialien und Mobilität. Damit stärken wir die internationale Spitzenposition der bayerischen Wirtschaft. Und der Erfolg gibt uns Recht: Zwei bayerische Cluster wurden vom Bund als „Spitzencluster” gefördert, bei MAI Carbon läuft die Förderung aktuell noch. Vergangenen Sommer konnten sich dann mit dem Cluster Leistungselektronik und dem Medical Valley erneut zwei Teilnehmer aus Bayern beim Bundeswettbewerb „Internationalisierung von Spitzenclustern” durchsetzen.

Seßner: Bei Bayern Innovativ sind die Cluster Energietechnik, Automotive und Neue Werkstoffe aufgehängt und das Forum MedTech Pharma e.V., für das wir die Geschäftsbesorgung machen, kooperiert eng mit dem Medical Valley EMN e.V.

In Zukunft wird unsere Gesellschaft das verbindende Element darstellen und noch stärker Cluster-übergreifende Aktivitäten betreuen. Über dieses „Cross-Clustering” werden wir aktiv und branchen- bzw. technologieübergreifend unterstützen. Zum einen bei der Zusammenarbeit im Rahmen von „Cross-Cluster-Initiativen”, zum anderen mittels Dienstleistungen – wie beispielsweise Wissenstransfer und -management für Cluster. Diese Dienstleistungen werden neben den Clustern auch den anderen Partnern der Bayern Innovativ GmbH im Rahmen eines kollaborativen Ansatzes offenstehen.

Bayern Innovativ als Ideengeber für neue Entwicklungen

Welche Rolle spielt Bayern Innovativ in der bayerischen Innovations-landschaft?

Pschierer: Bayern Innovativ ist auf vielen Feldern aktiv. Die Gesellschaft organisiert Fachkongresse für verschiedene Branchen und Technologien, die jedes Jahr ein breites Publikum begeistern und bietet KMUs eine Beteiligung an Gemeinschaftsständen auf unterschiedlichsten Leitmessen an. Vor allem ist es die zentrale Institution für den Technologietransfer im Freistaat. Eine wesentliche künftige Aufgabe wird das gerade angesprochene „Cross-Clustering” sein.

Seßner: Darüber hinaus betreut Bayern Innovativ im Rahmen einer Projektträgerschaft als „Projektträger Bayern” wichtige Förderprogramme der Bayerischen Staatsregierung.

Im Bereich Technologieförderung werden etwa die Programme Medizintechnik und die Innovationsgutscheine abgewickelt. Als einer der fünf Partner der Bayerischen Forschungs- und Innovationsagentur ist Bayern Innovativ auch ein wichtiger Ideengeber für neue Entwicklungen.

Bayern Innovativ versteht sich als Backbone, also Rückgrat in der bayerischen Innovationslandschaft und nimmt damit die Rolle als zentraler Ansprechpartner für Innovation, Technologie- und Wissenstransfer in Bayern ein. Wir verstehen uns auch als Multiplikator und Mediator.

Kann Bayern Innovativ Unternehmen im Innovationsprozess unterstützen?

Seßner: Neben den erwähnten Fördermöglichkeiten bieten wir interaktive Plattformen – beispielsweise mit integrierten B2B-Meetings – an, die Innovationsprozesse in der mittelständischen Wirtschaft initiieren und unterstützen.

Künftig werden wir unser Portfolio an Dienstleistungen rund um die Themen Technologietransfer und Innovation weiter ausbauen. Bereits jetzt bieten wir mit dem von der Europäischen Kommission geförderten Programm IMP3rove einen systematischen Ansatz für ein erfolgreiches Innovationsmanagement an.

Assessment und Coaching werden von Innovationsexperten der Bayern Innovativ GmbH durchgeführt. Eine wichtige Rolle werden neue digitale Dienstleistungen spielen.

Netzwerke für eine innovative Zukunft

Stichwort Vernetzung: Wie wichtig sind Netzwerke für Wettbewerbs-fähigkeit und Wirtschaftswachstum?

Pschierer: Netzwerke sind das A und O für den Erfolg. Kooperation setzt bei Forschung und Entwicklung enorme Synergien frei. Ebenso bedeutend ist aber auch die Vernetzung von Wirtschaft und Wissenschaft. Davon profitiert vor allem der in Bayern so wichtige Mittelstand. Große Unternehmen können vieles im Alleingang stemmen. Aber kleine und mittlere Betriebe brauchen starke Partner, die ihnen dabei helfen. Daher ist es uns so wichtig, dass unsere Netzwerke allen Interessenten offenstehen.

Wir wollen, dass auch unsere bayerischen Gründer von Anfang an gut vernetzt sind – egal, ob es um den Austausch untereinander, die Unterstützung von Industriepartnern oder um Fragen der Finanzierung geht.

Seßner: Eine der herausragenden Fähigkeiten von Bayern Innovativ ist der Aufbau von Netzwerken. Unsere künftige Aufgabe wird es sein, eine digitale Plattform für selbstorganisierende und dynamische „Netzwerke 4.0” aufzubauen.

Dabei wählen wir einen kooperativen Ansatz: Wo es vorhandene Netzwerke gibt, beziehen wir diese integrativ mit ein. So leisten wir unseren Beitrag für einen gemeinsamen Erfolg der bayerischen Wirtschaft und eine innovative Zukunft!

Bayern Innovativ ist ThinkTank und Innovationsmoderator für den Freistaat Bayern