![]()
Internationales One-on-One in Lindau
Die Automobilindustrie zieht weiter an und hat die Folgen der Krise gut überwunden. Große Nachfrage besteht nach Premiumfahrzeugen sowie nach innovativen „low-cost-cars". Höhere Absatzzahlen sind in Nordamerika zu verzeichnen, vor allem aber in den Wachstumsmärkten Osteuropa, Indien und China.
Mit dem Aufschwung nimmt auch die Innovationsdynamik weiter zu. Technologische Neuerungen werden vorwiegend schnell und effizient in Kooperationen realisiert. Netzwerke und Cluster ermöglichen hierbei wesentliche Impulse und zielgerichtete Kontakte für neue geschäftsgetriebene Kooperationen sowie Entwicklungen; sie sind daher von enormer Bedeutung für zukünftige Wertschöpfungsketten in der Automobilindustrie.
Vor diesem Hintergrund fand das 12. Internationale BAIKA One-on-One Matchmaking-Forum am 20./21. September 2010 in Lindau am Bodensee statt, einen Tag nach Ende der Messe „Automechanika" in Frankfurt. Anders als die Messe mit fertigen Entwicklungen, markiert das One-on-One den Startpunkt für neue Ideen. Die Durchführung erfolgte unter Einbeziehung von Akteuren des Clusters Automotive, wieder in Zusammenarbeit mit dem Amt für Wirtschaft des Kantons St. Gallen, dem Verband der Deutschen Automobilindustrie (VDA) sowie mit umfassender Unterstützung des Bayerischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie.
Rund 160 Repräsentanten von 120 Unternehmen und Instituten aus 28 Ländern kamen nach Lindau. Für diese organisierte die Bayern Innovativ GmbH über ein spezielles Online-Portal rund 550 Business-Meetings vorab, entsprechend der individuellen Interessen der Teilnehmer. 20 Prozent kamen aus Bayern, u. a. Robert Bosch, Continental, Leoni, Diehl oder Webasto-Edscha. Darüber hinaus war das europäische Ausland prominent vertreten mit Renault aus Frankreich und Carcoustics aus Österreich. Sie alle nutzten die Möglichkeit, gezielt nach ihren Vorstellungen Kontakte zu Firmen aus aller Welt aufzubauen - vor allem aus Westeuropa, aber auch Osteuropa, USA, Tunesien, Indien oder den Philippinen. Neben den organisierten Business-Meetings konnten vor Ort noch zahlreiche weitere Kontakte für Adhoc-Meetings hergestellt werden.
Besondere Impulse setzten die Referate des zweiten Tages über Trends, Chancen und Anforderungen der Zulieferindustrie. Prof. Josef Nassauer, Geschäftsführer der Bayern Innovativ GmbH und Sprecher des Clusters Automotive, gab zu Beginn einen kompri-mierten Überblick über aktuelle Trends in der Automobilindustrie aus der Sicht einer weit gefächert agierenden Netzwerkorganisation. Zentrale Innovationsfelder sind Antriebs-technik und Elektromobilität, Fahrerassistenzsysteme für mehr Sicherheit und Komfort, attraktive Gestaltung von Interieur und Exterieur sowie Elektronik und Neue Materialien als Basistechnologien für erhöhte Funktionalität und konsequenten Leichtbau. Deshalb stand das Gesamtfahrzeug im Fokus des One-on-One mit einer besonderen Vertiefung hinsicht-lich Antriebsstrang und Elektromobilität. Das internationale Netzwerk BAIKA und der bayernweite Cluster Automotive ergänzen sich dabei in idealer Weise durch eine verstärkte Zusammenarbeit von Unternehmen und Forschungseinrichtungen entsprechend ihrer Zielsetzungen.
Die Bedeutung von Kooperation hob Norbert Neumann, Vice President Purchasing, Chassis System Control, Robert Bosch GmbH, in seinem Impulsreferat hervor. Bosch bezieht 90 Prozent seines gesamten Einkaufsvolumens von kleinen und mittelständischen Unternehmen. Um dem wachsenden Wettbewerbsdruck wirkungsvoll zu begegnen, arbeitet der Einkauf gemeinsam mit seinen Zulieferern an optimierten, hocheffizienten Wertschöpfungsstrukturen - für die Führerschaft in Technologie, Innovation, Qualität, Liefertreue und Kosten. Der Konzern ist dabei sehr interessiert an neuen Kooperationen, sei es in der traditionellen Wertschöpfungskette oder für vollkommen neuartige Kompetenzen bei Elektrofahrzeugen.
Der kommende Markt der Elektromobilität werde dabei einen großen Einfluss auf die gesamte Automobilindustrie nehmen und den Wettbewerbsdruck aus China verschärfen. Mit der dortigen Massenproduktion von elektrisch betriebenen Fahrrädern - jährlich 20 Millionen - verfolgen Hersteller zunehmend auch neuartige Konzepte für reine Elektrofahrzeuge.
Die Erweiterung der Antriebstechnik vom Verbrennungsmotor über Hybridsysteme bis hin zum Elektrofahrzeug setzt vor allem Impulse für Optimierungen im gesamten Antriebsstrang, betonte Karsten Hofmann, Director Advanced Development von Continental Automotive. Stehe zunächst die Optimierung des Verbrennungsmotors im Vordergrund, so werde dieser Weg geebnet über die Hybrid- und die Range Extender-Technologie. Derzeit stehen mechatronische Komponenten, Start-Stop-Systeme und die elektrische Aufladung von Batterien im Mittelpunkt des Interesses. Auch Karsten Hofmann hob die große Bedeutung Chinas für die Entwicklung des neuen Marktes der Elektromobilität hervor mit einem Bestand von 60 Millionen elektrisch betriebenen Zweirädern. Urbane Mobilität und alternative Konzepte stehen dabei ganz im Vordergrund. Für die massiven Herausforderungen, die auf die Zulieferer entlang der gesamten Wertschöpfungskette zukämen, seien Kooperationen unerläßlich.
Auf dem traditionellen Abend-Event mit Schifffahrt auf dem Bodensee und anschließendem Abendessen im Schloss Montfort wurde das Networking fortgesetzt. Das Ambiente verbunden mit herrlichem Wetter und Bilderbuchpanorama schuf eine perfekte Atmosphäre für vertiefende Gespräche.
„Ein ideales Umfeld, eine perfekte Organisation" dies war die einhellige Meinung der Teilnehmer. „BAIKA One-on-One erfüllt gerade auch heute mit noch kürzeren Takt- und Entwicklungszeiten in der Automobilindustrie eine wichtige Funktion, mit geringem Aufwand und dennoch zielsicher weltweit neue Kooperations- und Geschäftspartner zu finden und damit schneller und innovativer zu sein als der Wettbewerb", so Prof. Nassauer.