Logistik: ein Stellhebel für nachhaltige Prozesse

14.06.2010
  • Über 80 Teilnehmer beim 9. Hofer Logistik-Kooperationsforum
  • Nachhaltigkeit ist kein Zustand, sondern Bewegung
  • Unternehmen müssen Prozesse hinterfragen und neue Wege gehen

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In allen Bereichen des täglichen Lebens spielt das Thema Nachhaltigkeit eine große Rolle. Im Zuge weltweiter Beschaffung, global verzweigter Produktionsstätten und überregionaler Distribution werden die Supply Chains zunehmend unter nachhaltigen Aspekten betrachtet. Gerade die Logistik ist aufgrund ihrer vielfältigen Entwicklungsmöglichkeiten ein zentraler Stellhebel und Innovationsmotor für die Nachhaltigkeit. Neben der wirtschaftlichen Gestaltung und Prozessoptimierung liegen zusätzliche Herausforderungen in der Ökologie sowie in der Verantwortung gegenüber der Gesellschaft.

Vor diesem Hintergrund konzipierte und organisierte der Cluster Logistik gemeinsam mit der Logistik Agentur Oberfranken e. V. das 9. Hofer Kooperationsforum. Über 80 Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik kamen in die Hochschule für Angewandte Wissenschaften nach Hof, um über die Bedeutung und aktuelle Trends der Nachhaltigkeit zu diskutieren.

Für die ökologischen Aspekte der Nachhaltigkeit, besonders der Vermeidung oder Verringerung von CO2-Emissionen, bietet der Verkehrs- und Transportbereich Ansatzpunkte. Hierzu zählt die Optimierung der Motorentechnologie ebenso wie auch eine bessere Auslastung der Straßengütertransporte. Prof. Peter Klaus, Sprecher des bayerischen Clusters Logistik und Frank Felten, Vice President Marketing & Product Management der PTV AG aus Karlsruhe, stellten hierzu innovative Ideen, Konzepte und Lösungsansätze vor. Angefangen bei verbesserter Nutzung des vorhandenen Laderaums durch optimierte Produktverpackungen, über die Vermeidung unnötiger Transporte bis hin zu technologiebasierten Supply Chain Steuerungskonzepten. Zu Letzteren zählen auch interaktive Routenplaner mit Anbindung an Frachtenbörsen, um eventuelle Leerfahrten zu vermeiden. Als nachhaltige Steuerungsinstrumente werden die Preisgestaltung sowie Anreize für die Kundennachfrage gesehen.

Rechtsanwalt Axel Salzmann, Mitglied der Geschäftsleitung des Versicherers Oskar Schunck AG & Co. KG, zeigte anschaulich, dass auch das Thema Riskmanagement in der Logistik ein wesentlicher Teil der ökonomischen Nachhaltigkeit ist. Gerade in der Logistikbranche werden viele Zusatzleistungen erbracht, die vertraglich nicht geregelt und somit versicherungstechnisch nicht abgedeckt sind. Im Härtefall kann es hier durch mangelnde Absicherung bis zur Insolvenz von Auftragnehmer oder Auftraggeber kommen.

Dass auch die Logistik eines Stromnetzbetreibers eine enge Verbindung von Ökologie und Ökonomie eingehen muss, verdeutlichte Dr. Urban Keussen, Geschäftsführer der E.ON Netz GmbH. Eigentlich müsste der Strom genau in der Sekunde produziert werden, in der er verbraucht wird, da Strom nicht speicherbar ist, aber jederzeit - vor allem in Spitzenzeiten - der Nachfrage zur Verfügung stehen muss. Das Bild und Aufgabenfeld hat sich hier sowohl auf Erzeuger- wie auch auf Kundenseite in den letzten zehn Jahren massiv gewandelt. So hat sich nicht zuletzt aufgrund der Nachhaltigkeitsdiskussionen zum einen auf Erzeugerseite die Art der Stromgewinnung verändert, zum anderen ist auf Kundenseite eine verstärkte Nachfrage nach „grünem" Strom festzustellen. In diesem Zusammenhang stellen auch die politisch geforderten E-mobility-Konzepte eine Herausforderung für die Stromanbieter und Netzbetreiber dar. Um Spitzenlasten zu bestimmten Zeiten zu vermeiden, müssen neue technische Lösungen zum Einsatz kommen. Eine Möglichkeit ist die kommunikative Vernetzung und Steuerung von Stromerzeugern, Speichermedien, elektrischen Verbrauchern und Netzbetriebsmitteln. Damit könnten z. B. Elektroautos als Stromzwischenspeicher genutzt werden.

Dass Energieeinsatz und Effizienzoptimierung kein Selbstzweck, sondern im Sinne der Nachhaltigkeit sowohl ökonomisch als auch ökologisch sinnvoll sind, erläuterte Peter Bimmermann, Business Development Manager des Intralogistikspezialisten Vanderlande Industries. Die Intralogistik ist im Gegensatz zum Transportbereich weniger von politischen Rahmenbedingungen abhängig und bietet somit für Unternehmen einen leicht zugänglichen Ansatz für nachhaltige Optimierungen. Zudem sind Einsparmöglichkeiten bei den Betriebskosten ein Verkaufsargument gegenüber den Kunden. Dies bestätigte später auch Richard Chambers, der einige zusätzliche Einsparmöglichkeiten entlang der Logistikkette vorstellte und dazu ermunterte, unkonventionelle Lösungen zu prüfen und gegen Widerstände zu kämpfen.

In die gleiche Richtung tendierten Kilian Hochrein von W. L. Gore & Associates GmbH und Gerhard Mey von der Otto GmbH & Co. KG. Beide diskutierten aus unterschiedlichen Gesichtspunkten heraus, was Nachhaltigkeit eigentlich ist und wie sich diese auf den unternehmerischen Erfolg auswirkt. Als Kernaussagen aus den beiden Vorträgen sowie den anschließenden Diskussionen lässt sich festhalten, dass Nachhaltigkeit keine neue Erfindung ist und in jedem Land etwas anderes darunter verstanden wird. Nachhaltigkeit sollte nicht als Zustand betrachtet werden, sondern als eine stetige Tätigkeit. Hier gilt es genau darauf zu achten, was der Kunde wirklich will und das eigene Geschäftsmodell darauf anzupassen. Im Sinne der gesellschaftlichen Verantwortung, der Ökonomie und der Ökologie gilt es dabei nicht nur, alte Strukturen zu optimieren und vorhandene Möglichkeiten zu nutzen, sondern ganz neue Wege zu beschreiten.

Zum Abschluss der Veranstaltung berichtete Alexander Ochs von der Bayernhafen GmbH & Co. KG über die Bedeutung eines nachhaltigen Flächenmanagements im Zusammenhang mit der Bedeutung trimodaler Verkehrskonzepte. Des Weiteren beginnt derzeit ein Projekt, bei dem Rundläufe zur Ver- und Entsorgung mit Leercontainern über die Schiene realisiert werden. Im Zuge der Verringerung von CO2-Emissionen gibt es hier Überlegungen, das Binnenschiff als effizientes Transportmittel für die Rückführung dieser Container zu nutzen.

Beim Get-together mit oberfränkischen Spezialitäten wurden die Diskussionen mit den Referenten und Ausstellern weitergeführt. Alle Teilnehmer nutzten dabei auch die Chance, alte Kontakte zu pflegen und neue, zukunftsträchtige zu knüpfen.