Symposium

Logistik Forum Nürnberg

Herausforderungen in der Transportlogistik – Infrastruktur, Kosten, Innovationen
26. November 2009, Maritim Hotel, Nürnberg

Nachbericht

Impulse für die Transport-Logistik

  • 175 Teilnehmer aus 4 Ländern beim Logistik Forum Nürnberg
  • Neue Technologien und Konzepte für Vorsprung im Wettbewerb
  • Podiumsdiskussion: „Nachhaltige Lösungen in der Transportlogistik“

Zum fünften Mal fand am 26. November 2009 das Logistik Forum in der Metropolregion Nürnberg statt – einem bedeutender Logistik-Knotenpunkt intermodaler Verkehrsträger. 175 Teilnehmer und 18 Aussteller informierten und präsentierten Trends, Entwicklungen und Best-Practice-Beispiele der Transportlogistik. Auch in diesem Jahr wurde das Symposium gemeinsam von der Bayern Innovativ GmbH, verantwortlich für das Management des Clusters Logistik, und dem CNA e. V., verantwortlich für den Cluster Bahntechnik, konzipiert und organisiert.
Neben der Vermittlung aktueller Logistik-Trends bot die Plattform vielfältige Möglichkeiten zur Anbahnung von Kooperationen mit Partnern aus Wirtschaft und Wissenschaft. „Wir freuen uns über die positive Resonanz auf das Symposium. Wichtigstes Ziel unserer Plattformen ist, Wirtschaft und Wissenschaft zielgerichtet zusammenzuführen, um zukünftige Innovationen zu initiieren und zu beschleunigen“, so Gabriel von Lengyel-Konopi, Manager des Clusters Logistik und Leiter Technologie-Marketing der Bayern Innovativ GmbH in Nürnberg.

Experten aus Industrie und Forschung waren sich einig, dass das Güterverkehrsaufkommen trotz des signifikanten Rückgangs im Zuge der Wirtschafts- und Finanzkrise in Deutschland bereits in Kürze wieder zunehmen wird. Derzeit werden pro Jahr für jeden der 82,4 Mio. Einwohner in Deutschland 51,4 Tonnen Fracht bewegt, davon alleine per LKW 39,7 Tonnen. Für die beiden wichtigen Verkehrsträger „Straße“ und „Schiene“ wird ein überproportionaler Anstieg erwartet: Experten gehen von einer Steigerung um 80 % bis zum Jahr 2025 aus. Dies stellt Logistikdienstleister und produzierende Unternehmen vor große Herausforderungen, bietet ihnen aber auch große Chancen: So gehört eine effiziente Logistik heute zu den wichtigsten Erfolgsfaktoren. Mit innovativen Technologien und Dienstleistungen lassen sich wichtige Wettbewerbsvorteile sichern.

Das Logistik Forum Nürnberg zeigte auf, dass auch im Transportsektor ein ressourcenschonender Umgang mit den Energieträgern erforderlich ist. In der gesamten Wertschöpfungskette müssen Potenziale zur CO2-Reduzierung genutzt werden - vom energiesparenden Büro, der Logistik-Immobilie bis hin zu Einsparungen in der Logistikkette. Eine wesentliche Voraussetzung für das umweltgerechte Abwickeln der Verkehre ist eine leistungsfähige und effiziente Verknüpfung der Verkehrsträger.

Der Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg, Dr. Ulrich Maly sowie Prof. Dr. Klaus L. Wübbenhorst, Präsident der IHK Nürnberg für Mittelfranken, unterstrichen in ihren Grußworten die Bedeutung der Logistik für die Metropolregion Nürnberg, etwa mit dem Leuchtturmprojekt der Service Factory Nürnberg oder die Einweihung des trimodalen Umschlagterminals im Güterverkehrszentrum Hafen Nürnberg-Roth. Als weitere Leuchttürme wurden das neue Logistikzentrum der Firma Dachser im gemeinsamen Gewerbegebiet Feucht – Nürnberg – Wendelstein, die neue energetisch und architektonische hochinnovative Firmenzentrale von Panalpina in der Nürnberger Rheinstraße sowie die Inbetriebnahme des neuen Logistiklagers von Keller und Kalmbach in Hilpolstein genannt.

Die nachfolgenden Inhalte sind wie folgt gegliedert:

Ressourcenschonender Umgang mit Energieträgern

Die Notwendigkeit eines ressourcenschonenden Umgangs mit den Energieträgern und einer CO2-Redunktion mahnte Prof.-Dr. Ing. Adolf Müller-Hellmann, Geschäftsführer des VDV-Förderkreis e.V., für den Transportsektor an. Der Druck des Handelns für die Umsetzung nachhaltiger Transportabwicklungen - auch unter ökonomischen Gesichtspunkten – wird durch die Anforderungen der Verlader und das politische Umfeld zunehmen. Spätestens ab dem Jahr 2013 ist jedes Unternehmen verpflichtet, den von ihm verursachten CO2-Ausstoß über den Emissionshandel zu bezahlen. Zu den Bemühungen der Staatengemeinschaft zur Reduzierung gehören neben dem Handel mit CO2- Zertifikaten die Vereinbarungen des Kyoto-Protokolls. Das Protokoll sieht vor, den jährlichen Treibhausgas-Ausstoß der Industrieländer innerhalb der so genannten ersten Verpflichtungsperiode (2008–2012) um durchschnittlich 5,2 % gegenüber dem Stand von 1990 zu reduzieren. Deutschland verpflichtete sich u. a. wegen des hohen Anteils der sehr CO2-intensiven Verbrennung von Braunkohle für die Stromerzeugung in Deutschland zu einer Reduzierung von 21%. Der Verkehrsbereich leistete keinen Beitrag zu dieser Reduzierung. Dieses Verhalten wird bei zukünftigen Vereinbarungen nicht mehr akzeptiert. Deshalb wird die Nachfrage nach CO2-armer und CO2-freier Bereitstellung von Mobilität für Personen und Gütern über das bereits vorhandene Niveau signifikant zunehmen. Aus diesem Grund sollten Firmen, die auch in Zukunft marktfähig agieren wollen, bereits heute mit der Reduzierung des CO2-Ausstoßes beginnen bzw. die Bedingungen für Maßnahmen zur nachhaltigen Senkung schaffen. „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.“ Die Logistikbranche wird daher ihre bereits vielfältigen Bemühungen zur Realisierung klimaschonender Angebote weiter intensivieren müssen.

Podiumsdiskussion im Plenum

Einen Höhepunkt des Symposiums bildete die von Prof. Dr. Harald A. Gleißner, Sprecher der BVL-Regionalgruppe Berlin/Brandenburg, moderierte Podiumsdiskussion zum Thema „Nachhaltige Lösungen in der Transportlogistik“. An der Expertenrunde aus Vertretern aller Verkehrsträger der Logistik nahmen teil:

  • Harald Leupold, Geschäftsführer der Hafen Nürnberg-Roth GmbH
  • Iris Hilb, Leiterin Regionalvertrieb DB Schenker Rail
  • Simon Ulmann, Leiter Transportlogistik/Projekte bei der Kühne + Nagel Schweiz AG
  • Andreas Bergmann, Director Traffic Development Cargo Business Division Aviation der Flughafen München GmbH
  • Prof.-Dr. Ing. Adolf Müller-Hellmann, Geschäftsführer des VDV-Förderkreis e.V. und
  • Ltd. MR Dr. Kurt Bechtold, Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie.

In kurzen Eingangsstatements zeigten die sechs Experten aus den verschiedenen Branchen Erfahrungen und Perspektiven nachhaltiger Logistiklösungen auf und betonten, den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur zu priorisieren. Die Notwenigkeit der Co2-Redunktion für den Transportsektor ist auch hier sehr deutlich geworden. Es müssen Rahmenbedingungen geschaffen werden, dass sich Klimaschutz auch ökonomisch lohnt, wobei unterschiedliche Auffassungen über „Marktanreize“, „Regulierungen“ und „Preissignale“ bestehen.

Weitere Kernaussagen der Podiumsdiskussion im Plenum:

  • Eine leistungsfähige und effiziente Verknüpfung der Verkehrsträger ist Voraussetzung, um Verkehre umweltgerecht abzuwickeln;
  • Ringzug-System zur Verknüpfung der Verkehrsträger in der Metropolregion Nürnberg; Bamberg, Hof und Nürnberg miteinander stärker verbinden;
  • Derzeit wenig Spielraum für Unternehmen, Mehrkosten für Ökologie auszugeben. Aber: Investitionen der Betriebe weisen in die Richtung, dass den ökologisch effizienten Verkehren eine steigende Bedeutung zukommt;
  • Klimaschutz muss sich auch ökonomisch lohnen;
    2 Handlungsrahmenbedingungen: Leidensdruck und Geld. Hier gilt es, nachhaltige Lösungen in der Transportlogistik anzusetzen;
  • Direktverbindungen im Luftverkehr lassen lange Umwege und Strecken auf dem Landverkehr unnötig erscheinen;
  • Maut und Bepreisung der Infrastruktur sind interessante Instrumente, jedoch müssen Ausweichverkehre vermieden werden. Auch eine Zweckbindung der Mittel ist sinnvoll, siehe Beispiel Schweiz.

Innovationen für den Verkehrsträger „Straße“

Die Vortragsreihe „Innovationen für den Verkehrsträger Straße“, die von Dr. Norbert Schmidt, Leiter Geschäftsfeld Prozesse der Fraunhofer-Arbeitsgruppe für Supply Chain Services SCS in Nürnberg moderiert wurde, konnte unterschiedliche Ansätze für eine optimierte Transportlogistik aufzeigen. Die Erfahrungen des Fraunhofer SCS mit dem Thema „multimodaler Verkehr“ verdeutlicht, dass in der jüngeren Vergangenheit viele Unternehmen keine (positiven) Erfahrungen im kombinierten Verkehr haben – speziell in Bezug auf Trassenkapazitäten und Einhalten der Zeitfenster. Jedoch ist eine hohe Bereitschaft für den Kombinierten Verkehr durch die Maut und Energiepreisentwicklung zu erkennen. Insbesondere entlang der „Renner Relationen“ ist ein hohes, unausgeschöpftes Marktpotenzial für multimodale Transportlösungen Straße-Schiene vorhanden.

Innovative Transportlösungen profitieren grundsätzlich von aktuellen Entwicklungen in den Supply Chains der Verlader. Aktuelle Treiber multimodaler Lösungen sind dabei die zunehmende Bedeutung der „Green Logistics“, neue Marktsegmente mit Rückladungsverkehren über große Distanzen sowie die zunehmende „Globalisierung“. Hier führt die Umschichtung auf Container bei Importen sowie in den Hafen-Hinterlandverkehren zu höheren Bündelungseffekten und zu Reduzierungen regionaler Netzverkehre.

Walter Schwaighofer, Leiter GF MOBILER, Rail Cargo Austria AG, hob in seinem Vortrag die Kompatibilität der in Österreich eingesetzten Horizontalumschlagtechnik „MOBILER“ für das Ausland hervor. MOBILER ist eine Technik, die den Umschlag Straße-Schiene erleichtert. Wichtig ist, dass Güterwaggons, Behälter und Fahrzeuge entsprechend ausgerüstet sind, um diese Technik zur Anwendung zu bringen. Das Projekt konnte in Österreich erfolgreich umgesetzt werden, da RCA MOBILER die gesamte Logistikkette plant, erstellt und verantwortet. Weiterhin werden längerfristige Verträge mit Kunden, Lieferanten und Dienstleistern geschlossen und das Equipment auf die Kundenbedürfnisse angepasst. RCA MOBILER disponiert die Waggons sowie LKW und ist alleiniger Ansprechpartner. Bezogen auf die Übertragung ins Ausland ist die Bereitschaft zur Investition, eine hohe Kundenorientierung und eine gute Marktkenntnis der Logistik eine wichtige Voraussetzung. Die Bahnen in Europa sollten im MOBILER die Chance zur Erweiterung ihrer Produktpalette sehen und nicht einen neuen Konkurrenten, da auch LKW eingesetzt werden. Man kann den MOBILER auch dazu nutzen, um bei Streckenstilllegungen bedeutende Mengen auf der Schiene zu halten. Mit einem guten Team und entsprechenden Kompetenzen und Möglichkeiten kann man das Erfolgsmodell MOBILER jederzeit und überall kopieren, wobei RCA MOBILER Logistik für Partnerschaften und Kooperationen im Ausland jederzeit offen sei.

Von der Wirtschaft seit langem gefordert wird die Zulassung größerer und schwererer LKW. Dem 60-Tonner-Konzept „EuroCombi“ erteilt der Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung jedoch eine klare Absage. Dennoch bieten die mit diesem Fahrzeug gewonnenen Erfahrungen eine wichtige Grundlage für künftige LKW-Einsatzkonzepte. Arnulf Bleck, Leiter Flottenmanagement des Logistikdienstleisters Meyer & Meyer GmbH & Co. KG aus Osnabrück forderte eine offene und faire Diskussion des aus seiner Sicht zu negativ dargestellten Einsatzes der schweren und übergroßen LKW/“EuroCombi“. Sein Unternehmen konnte in einem 18-monatigen Feldversuch mit einem einzelnen „EuroCombi“ auf der hoch belasteten Strecke vom Ruhrgebiet nach Hannover und Braunschweig 17.700 Liter Diesel einsparen, 115.000 km Fahrstrecke vermeiden und den CO2-Ausstoß um 15 % reduzieren. Dies wurde mit dem Einsatz eines 25,25 m-LKW im Gegensatz zu einem Einsatz eines herkömmlichen 18,75 m-LKW geschafft. Auf einzelnen Relationen bietet der „EuroCombi“-Einsatz weiterhin absolute Vorteile zum Kombinierten Verkehr dar und ist nicht als Konkurrenz anzusehen. Vor allem, wenn in der Abgangs- bzw. Zielregion kein Güterverkehrszentrum (GVZ) zur Verfügung steht.

Stefan Kupp, Bereichsleiter Industrie und Gewerbe, EnergieAgentur Mittelfranken in Nürnberg, gab einen Überblick über das mit dem “Green Freight & Logistics Award 2008“ ausgezeichnete Maßnahmenpaket des fränkischen Unternehmens AFT H. Altmann Fahrzeugtransporte GmbH. Mit Fahrertrainings im Bereich Sicherheit und ökonomisch-ökologisches Fahren konnten große Erfolge erzielt werden. Zur nachhaltigen Umsetzung wurde ein Bonus-Malus-System eingeführt, mit dem „grünes“ Verhalten der Fahrer honoriert wird. Die Prämie ist je nach Unterschreitung des Durchschnittverbrauchs gestaffelt und beträgt derzeit maximal bis zu 370.- €/mon. Bei einem Durchschnittverbrauch von 43 l/100km wird derzeit jedoch keine Prämie ausgezahlt. Weiterhin wird mit dem Fahrertraining die permanente Überprüfung des „richtigen“ Reifendrucks bezogen auf die Warenmenge angeregt und eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 85 km/h vollzogen. Weitere Maßnahmen waren die Umrüstung der LKW-Flotte auf Biokraftstoffe, die Anschaffung von LKWs mit dem Euro-Standard 5 sowie die Nutzung des Transportträgers Schiene mit Doppelstockwaggons, was 100.000 LKW-Touren im Jahr eingespart hat. Die derzeitige Wirtschaftskrise trifft auch das Unternehmen und hat zu einem Rückgang des Fahrzeugexportes in Bremerhaven von 45 % geführt. Weiterhin entstand durch die neuen EU-Mitglieder ein enormer Druck auf die deutschen Logistik-Unternehmen. Die Fa. AFT führt aktuell eine Restrukturierung des Unternehmens durch. Es ist zu erwarten, dass der CO2-Ausstoß durch Logistik mit den unerfahrenen Marktteilnehmern wieder steigen wird.

Robert Grundl, Inhaber Logistik Management Consulting Fördervereinigung Güterverkehrslogistik Regensburg e.V. (FGR), stellte das Projekt „RegLog-City-Logistik“ vor. Dieses Projekt zur Ver- und Entsorgung von Standorten in der Regensburger Altstadt konnte aus Mitteln der beteiligten Unternehmen erfolgreich und langfristig umgesetzt werden. Die Ergebnisse können sich mit 32 Sendungszustellungen/Tag und tägl. 13 Tonnen Stückgut sehen lassen. In 11 Jahren wurden über 50 000 LKW Kilometer bei 20 LKWs am Tag weniger für die Innenstadt gefahren. Das bedeutet für die Umweltbilanz in dieser Zeit 9 000 Liter Kraftstoff und über 12 Tonnen CO2-Einsparung.

Innovationen für den Verkehrsträger „Schiene“

In der Einführung zur Vortragsreihe „Innovationen für den Verkehrsträger Schiene“ berichtete der Sprecher des Cluster Bahntechnik, Dr. Holger Schulze-Halberg, über neue Impulse aus Politik und Technik. Neben den Stärken gegenüber der Straße und durchaus positiven Zukunftsaussichten erörterte er auch bestehende Schwächen des Verkehrsträgers „Schiene“. Aktuelle Probleme sind z. B. die fehlenden Standards bei den Schnittstellen und Betriebsordnungen. Hier besteht noch enormer Handlungsbedarf. Eine weitere Botschaft war der Appell des weiteren Ausbaus der Automatisierung des Verkehrsträgers „Schiene“ und der jeweiligen Verknüpfung zu den anderen Verkehrsträgern.

Ein Beispiel für die wachsende Automatisierung zeigte Victor Behrends von der in München ansässigen Eureka Navigation Solutions AG. Dort wurde speziell für den Einsatz im intermodalen Verkehr ein auf RFID-Technologie basierender Transponder entwickelt, der kostengünstig die Orts- und Zustandsdaten der Fahrzeuge und der transportierten Güter erfasst. Dies hat insbesondere im intermodalen Verkehr mit dem Einsatz von LKW und Güterzügen große Bedeutung, da es hier mehrfach zur Trennung von Behälter und Fahrzeug kommt. Weiterhin kann die Laufleistung von Achsen an den Waggons erfasst werden. So können die Betreiber über die Dokumentation der gesammelten Daten und Informationen die Güterwaggons rechtzeitig warten. Schwere Unfälle aufgrund defekter Radachsen, wie zuletzt in der Schweiz, können damit der Vergangenheit angehören. Um die lückenlose Dokumentation zu ermöglichen, wird derzeit in Zusammenarbeit mit der Deutschen Telekom ein Netz an Hotspots zur Datenübermittlung errichtet.

Weitere Erkenntnis dieser Themenreihe war die positive Bewertung und Fördermöglichkeit von privaten Gleisanschlüssen. Dr. Boris Zimmermann, Geschäftsführer des gleichnamigen Unternehmens aus Steinach bei Rothenburg, gab zu bedenken, dass der Umschlag Straße-Scheine möglichst kostengünstig zu gestalten sei. Hier sollte die Fördermöglichkeit von 50 Prozent für die Reaktivierung oder Neuerrichtung von Gleisanschlüssen stärker bekannt gemacht werden. Eine weitere Herausforderung ist die Gestaltung des Transport-Nachlaufs hin in die Empfängerregionen. Je nach Waren und Empfänger kann der Nachlauf trotz Schienentransport bis über 100 Km betragen, was den Einsatz des LKW unabdingbar macht. Ein weiteres Argument für die optimale Ausgestaltung zur Verknüpfung der Verkehrsträger.

Dass nicht nur die Kombination von Verkehrsträgern zu einer optimalen Logistikkette führt, zeigte Volker Kraft aus der Abteilung Verkehrslogistik des Fraunhofer IML in Dortmund auf. Um neue Kunden für die Schiene gewinnen zu können, sollten Software-Lösungen für die Gestaltung und Konsolidierung der Verkehrsträger geschaffen werden. Dabei spielen vor allem die vielfältigen Parameter wie Aufkommen, Verfügbarkeit oder Zeitbedarf eine Rolle. Für die strategische und taktisch-operative Planung ist daher - neben dem Wissen über die Güterstruktur und der Kompatibilität zu den Transportmitteln und Verkehrsträgern – ein umfangreiches Datenhandling notwendig. Das Fraunhofer IML hat diesbezüglich das EDV-Tool „Intermodal4All“ zur automatisierten Analyse von Aufkommens- bzw. Konsolidierungspotenzialen im kombinierten Verkehr entwickelt. Durch den Einsatz können Unternehmen Informationen über potenzielle intermodale Transporte sowie deren Kostenoptimierung erhalten. Mit einem weiteren vorgestellten Softwaretool können neue Transportrelationen aufgebaut und bestehende umgestaltet werden. Nach Eingabe der feststehenden bzw. gewünschten Parameter kombiniert das System die Leistungserbringer zu einer geeigneten Route und visualisiert die günstigsten Relationen.

Zum Abschluss der Vortragsreihe berichtete Ingo Röttger, Geschäftsführer der Pöhland Speditions GmbH aus Döhlau über die Potenziale von Güterverkehrszentren (GVZ) in der Fläche. So konnte das Unternehmen durch Integration mehrerer Güterverkehrszentren in eine Unternehmensgruppe zusätzliche Ressourcen schaffen. Eine hohe standardisierte Qualität wurde so entwickelt und günstige Logistikkosten realisiert.

Abschluss-Keynote

Zum Abschluss des Logistik Forum Nürnberg 2009 gab der renommierte Wissenschaftler Prof. Dr. Dr. h. c. Gerd Aberle von der Justus-Liebig-Universität Gießen einen Ausblick auf die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Güterlogistik. Im Fokus seines Vortrags stand die Bewertung der Chancen und Risiken der derzeit diskutierten unterschiedlichen verkehrspolitischen Strategien. Deutlich wurde, dass die Verkehrspolitik als Teil der Wirtschaftspolitik anzusehen ist und Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur auch für die weitere Entwicklung der Verkehrsträger zukünftig essentiell sind. Die Politik muss hier Rahmenbedingungen schaffen und Finanzierungsmodelle vorgeben. Die volle Zweckbindung der Mauteinnahmen für Fernstraßeninvestitionen kann als positiv gewertet werden. Weiterhin können Verlagerungseffekte erzielt werden, sofern für die Nutzung der Infrastruktur bezahlt werden muss. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, das gesamte komplexe Verkehrs- und Transportsystem nachhaltig mit den finanziellen Mitteln auszustatten. In Bezug auf die Ordnungspolitik sollte der Abbau von europäischen Wettbewerbsverzerrungen im LKW-Bereich weiter vorangetrieben werden, weiterhin ist die Fortsetzung der Förderung des kombinierten Verkehrs, hier insbesondere der Schnittstellen, voranzutreiben. Die Sicherung „wettbewerbsfähiger Betriebszeiten“ bei Flughäfen sowie die Einführung einer „lärmabhängigen“ Trassenpreisgestaltung im Schienenverkehr sind weitere Elemente, die bei der zukünftigen Verkehrspolitik zu beachten sind.

Teilnehmerspektrum und Fachausstellung

Die Teilnehmer aus Deutschland, Österreich, Schweiz und Ungarn kamen von Unternehmen der gesamten Wertschöpfungskette der „Transportlogistik“, u. a. aus den Bereichen Spedition (Alois Zimmermann GmbH, Amm GmbH & Co.KG, DPD Geopost GmbH, Emons Spedition GmbH, Geis Industrie-Service GmbH, Keitel Spedition, Kühne + Nagel (AG & Co.) KG, LTG Landauer Transportgesellschaft Doll KG, Meyer & Meyer Holding GmbH & Co. KG, Panalpina Welttransport GmbH, PÖHLNND Speditions GmbH, Railion Deutschland AG, TRANSA Spedition GmbH, Translog Transport und Logistik GmbH, DB Schenker Rail Deutschland AG), Energie (Energieagentur Mittelfranken e.V., Richard Chambers GmbH), Infrastrukturanbieter (Bayernhafen GmbH & Co.KG, Flughafen München, Hafen Nürnberg-Roth GmbH, VAG Nürnberg, Zweckverband Industrie-/Gewerbepark Interfranken), IT-Einsatz (Eureka Navigation Solutions AG, Funkwerk IT - Information Technologies GmbH, Harbor Technology Group GmbH, HEISAB GmbH, imatech GmbH, INDANET AG, mobileObjects AG, milkrun.info, Siemens AG Global Shared Services) sowie Beratung und Forschung (Duale Hochschule Baden-Württemberg Mannheim, GCA Projektmanagement & Consulting GmbH, ifp - Prof. Dr.-Ing. Joachim Milberg - Institut für Produktion und Logistik GmbH Co. KG, Europäische Logistik Akademie Chiemsee, Fraunhofer SCS, Fraunhofer IML, Hochschule Hof, Nürnberg und Würzburg-Schweinfurt, LKZ Prien GmbH, LTC logistics technology & consulting LTD, Universität Gießen, Unternehmensberatung Görke).

In der begleitenden Fachausstellung präsentierten Unternehmen und Forschungseinrichtungen an 18 Ständen ihre Technologien, Produkte und Dienstleistungen rund um die Themen Transportlogistik, Logistikdienstleistung, Schienen- und Bahntechnik sowie Beratung, Aus- und Weiterbildung.

Aus den Rückmeldungen der Teilnehmer wurde deutlich, dass das 5. Logistik Forum Nürnberg die Interessen der Branche getroffen hat und als Möglichkeit zur Anbahnung von Kooperationen mit Partnern aus Wirtschaft und Wissenschaft wahrgenommen wurde. Dies sehen die Veranstalter als einen hervorragenden Anreiz für die Konzipierung und Planung für das Jahr 2011.

Fachlicher Ansprechpartner 
Frank Hoppe
Tel. +49 911-20671-232
Fax +49 911-20671-766

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