

Neue Materialien für gezielte Anwendung
Das achte Symposium „Material Innovativ“ am 10. April 2008 setzte wieder ein Zeichen für
Innovationen mit Neuen Materialien. Ob komplexe Magnesiumdruckgusskomponenten oder
Faserverbundwerkstoffe für schnell bewegte, ultraleichte Bauteile oder keramische Substrate
mit hoher Wärmeleitfähigkeit für die Leiterplattenindustrie – Neue Materialien finden sich in
allen Bereichen der Wertschöpfung.
In seiner Eröffnungsrede betonte Dr. Hans Schleicher, Amtschef des Bayerischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie, die besondere Bedeutung Neuer Materialien als Innovationstreiber in weiten Bereichen der Wirtschaft.
Ziel der Clusterpolitik des Freistaates sei es, dieses Potenzial noch mehr zu erschließen –
durch frühzeitige Kooperationen der Industrie mit der Forschung und durch intensivere Vernetzung
mit den Branchen.
„Neue Produkte im Automobilbau profitieren von verschiedensten Materialentwicklungen“,
bestätigte Dr. Thomas Lampe, Volkswagen AG, Wolfsburg. Leichtbau mit formgehärteten Stählen,
keramische Glühstiftkerzen als Kaltstarthilfe bei Dieselmotoren, Kunststoffe für mehr
Designfreiheit bei Scheinwerfern oder antistatische, Schmutz abweisende Textilien für den
Innenraum sind nur einige Beispiele.
Neue Materialien erfüllen auch Leichtbauoptionen im Maschinenbau, speziell in der Robotik.
„Faserverbundwerkstoffe ermöglichen gezielte Gewichtsreduzierung für höhere Traglasten
und gesteigerte Bewegungsdynamik,“ so Wolfgang Bohlken von der Kuka Roboter GmbH,
Augsburg. Er erläuterte dies anhand signifikanter Produktivitätssteigerungen bei Palettierrobotern
mit CFK-Koppel, mit der sehr hohe Beschleunigungen, ein sehr gutes Dämpfungsverhalten
und hohe Traglasten bei gleichzeitig großer Reichweite realisiert werden. Die hohe
Innovationsdynamik von Kuka und die gezielte Vernetzung mit Partnern am Standort Bayern
sei ein wesentliches Kriterium für weiterhin komplette Roboterfertigung in Augsburg.
„Bei der Werkstoffentwicklung gewinnt die Simulationstechnik immer mehr an Bedeutung“,
unterstrich Dr. Peter Stingl von der CeramTec AG aus Lauf. „Die Entwicklung neuer Keramiken
und ihrer Fertigungsverfahren erfolgt bereits virtuell mit hoher Präzision. Deshalb benötigen
wir heute keine Testversuche mehr, sondern gehen direkt in die Bauteilherstellung. Dies
spart Zeit und Kosten.“
Einen Einblick in diese faszinierenden Simulationstechniken gewährte Prof. Dr. Hermann
Riedel vom Fraunhofer-Institut für Werkstoffmechanik in Freiburg. Nahezu unglaublich, wie über quantenmechanische Ansätze und molekulare Strukturen Gleichungen entwickelt und
die notwendigen Parameter experimentell gewonnen werden. Mit den heutigen Rechnerleistungen werden damit Berechnungen möglich, die quasi aus der Konfiguration der Atome
die angestrebten Materialeigenschaften und die dazu erforderlichen Prozessbedingungen
voraussagen. Mit dieser Perspektive verwundert es nicht, dass Neue Materialien auch in
Langzeit-Szenarien eine wichtige Rolle spielen. Diese Erkenntnisse münden auch in ein Anforderungsschema für zukünftige neue Materialien, so Dr. Carsten Saager von der BMW Group
München.
Einen eindrucksvollen Erfahrungsbericht über die zielführende Vernetzung im Cluster Neue Werkstoffe lieferte Dr. Kord Pannkoke von Bayern Innovativ anhand von Beispielen aus einzelnen
Themenfeldern, die bereits deutliche Impulse für Weiterentwicklung und Zusammenarbeit
relevanter Partner in Bayern setzen.
Das Symposium „Material Innovativ“ stellt eine zentrale Plattform des Clusters Neue
Werkstoffe dar und wurde in enger Abstimmung mit dem Cluster Automotive ausgerichtet.
Die Konzeption und Organisation erfolgte in Zusammenarbeit mit der Neue Materialien Nordbayern
GmbH, dem Verband der keramischen Industrie sowie mit Unterstützung des Bayerischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie.
Rund 350 Experten und Anwender aus vier Ländern waren in Nürnberg vertreten, u. a. Audi, BMW, Daimler, Opel, MAN, Mazda, Porsche, BASF, Bosch, Brose, Conti, Johnson Controls, LEONI,
Mann + Hummel, Rehau, Schaeffler, SGL Carbon, ThyssenKrupp, Diehl, EADS, Krauss Maffei, Siemens, Saint-Gobain, Sumitomo, UVEX sowie Universitäten und Forschungsinstitute aus
Bayreuth, Erlangen, Freiburg, Fürth, Ingolstadt, Jülich, München, Nürnberg, Stuttgart und Würzburg.
Die Vorträge können im Kongress-TV unter www.bayern-innovativ.de/kongress-
TV abgerufen werden.