Branche im Wandel

Holzbau: Neue Entwicklungen durch veränderte Strukturen

Holz gewinnt als Baustoff zunehmend Bedeutung: Vom allgemeinen Trend zur Nachhaltigkeit profitiert auch dieser nachwachsende Rohstoff. Selbst Konzerne nehmen Holzbauweisen in ihr Portfolio auf. Sie können künftig auch Großprojekte einfacher realisieren.


Ein Baum wächst langsam, aber beständig. Ähnlich gemächlich hat sich lange Zeit die Holzindustrie entwickelt. Obwohl der natürliche Baustoff heute beliebter ist denn je, hinkt er in seiner Entwicklung anderen Materialien hinterher. „In der Holzbranche gab es lange Zeit keine Industriebetriebe. Und das Handwerk konnte aufgrund der geringen Größe nur begrenzt Forschung und Entwicklung betreiben", sagt Karl Moser, Geschäftsführer von Karl Moser Consulting, Aichach. Er plant und realisiert seit vielen Jahren Bauprojekte in Holz, und hat zum Beispiel mit seinem früheren Unternehmen MERK-HOLZBAU das bekannte Expo-Dach zur Weltausstellung im Jahr 2000 in Hannover gebaut.
Standardisierte Holzwerkstoffe und moderne Maschinentechnik haben inzwischen einen Entwicklungsschub ausgelöst. Besonders die Verklebung von Brettern, Furnieren, aber auch von Holzspänen zu Trägern und Platten war dabei ein wichtiger Schritt. Die Technik wurde zwar weitgehend bereits Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelt, ist aber immer noch entscheidend für moderne Werkstoffe aus Holz. Die Produktion von Holzbauteilen hat sich zu einer leistungsfähigen Industrie entwickelt. Sie stellt standardisierte Bauteile wie Brettschichtholz, Brettsperrholz, Furnierschichtholz, aber auch aus Holzspänen erzeugte plattenförmige Holzwerkstoffe her. Diese sind unter anderem Grundlage für Planung und Ausführung beeindruckender zeitgenössischer Holzbauten wie beispielsweise dem „Metropol Parasol" in Sevilla - mit einer Grundfläche von über 10.000 Quadratmetern und 26 Metern Höhe einer der weltweit großen Bauten aus dem nachwachsenden Baustoff Holz. Aber im Gegensatz zur industriellen Produktionstechnik ist die ausführende Holzbaubranche auch heute noch überschaubar. Größere Projekte werden meistens in Zusammenarbeit kleinerer Unternehmen ausgeführt, anstatt wie bei anderen Bauweisen inzwischen üblich von international ausgerichteten Konzernen. „Im Holzbau hat es eigentlich nie Großunternehmen gegeben. Bislang gibt es nur wenige Firmen, die hier mehr als 150 Mitarbeiter beschäftigen", sagt Moser. Doch genau das ändert sich gerade. „Es gibt ganz konkrete Entscheidungen bei Bauunternehmen, Holz mit in ihr Portfolio aufzunehmen", so Moser. International agierende Firmen wie die STRABAG-Tochter Züblin weiten ihr Portfolio inzwischen auf den Holzbau aus. So hat die Firma die mittelständischen Holz-Unternehmen MERK-Project GmbH sowie die PAUL STEPHAN GmbH übernommen.
Neben den herkömmlichen Bauweisen in Stahl und Beton kann nun auch Holz von vornherein in die Projektplanung einbezogen werden. Der Einstieg großer Player in den Holzbau ermöglicht Vorhaben in neuen Dimensionen. Denn bei Großprojekten sind bislang selbst größere Holzbauer an ihre Leistungsgrenze gekommen.
Auch der allgemeine Trend zu mehr Nachhaltigkeit macht den Werkstoff Holz künftig noch attraktiver. Holz-Experte Moser glaubt denn auch nicht, dass Zimmereibetriebe durch Großunternehmen verdrängt werden, denn das Volumen des Holzbaus werde insgesamt zunehmen. „Der Holzbau könnte aber noch entscheidend vom stärkeren Zusammenwirken unterschiedlicher Fachrichtungen profitieren", sagt Moser. Er schätzt daher auch die Vernetzungsarbeit von Bayern Innovativ: „Es ist wichtig, die Menschen zusammenzuführen. Denn der Verbund ist sehr viel tragfähiger als ein einzelner Balken."

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Metsä Wood