Kooperationsforum

Urbane Nachhaltigkeit

Architektur, Energieeffizienz, Städteplanung
14. Juli 2009, Haus der Architektur, München

Nachberichterstattung

Nachbericht

Urbane Nachhaltigkeit live
Erfolgreiches Kooperationsforum in der Architektenkammer München
(von Dr. Oliver Herwig, freier Journalist und Moderator des Kooperationsforums „Urbane Nachhaltigkeit – Architektur, Energieeffizienz, Städteplanung“)


Der Kontext entscheidet, lautete die Kernbotschaft des mit hochrangigen Experten besetzten Kooperationsforums „Urbane Nachhaltigkeit“, das am 14. Juli im Münchner Haus der Architektur stattfand. Experten aus Forschung, Technologietransfer, Politik, Verwaltung und Immobilienwirtschaft betonten einhellig: Energieeffizienz endet nicht an der Gebäudekante, sie ist gekoppelt an das Umfeld. Wer klug lokale Ressourcen einsetzt und die vorhandene Energieinfrastruktur optimiert, wird in Zukunft entscheidende Standortvorteile verwirklichen.

„Die letzten zehn Prozent sind die teuersten“, betonte Professor Gerhard Hausladen von der Technischen Universität München. Statt mit höchstem Aufwand um die letzte Kilowattstunde zu kämpfen, vertrat der Lehrstuhlinhaber für Bauklimatik und Haustechnik einen anderen Weg: mehr Gebäude energetisch ertüchtigen und vernetzt denken.

Wie sich mit geringem Aufwand hohe Erträge erwirtschaftet lassen, zeigte Helmut Mildner, Geschäftsführer der NUWOG-Wohnungsgesellschaft der Stadt Neu-Ulm. Seine Überzeugung: Investitionen in die Gebäudesubstanz amortisieren sich.

Nachhaltigkeit gibt es nicht zum Nulltarif. Sie verlangt Initiative. Und übergreifendes Denken von der Holzhackschnitzelheizung bis zur Wärmepumpe und zum regionalen Verbund. So warnte Ministerialdirektor Josef Poxleitner Architekten und Investoren, sich zu Verpackungskünstlern degradieren zu lassen. Der Leiter der Obersten Bayerischen Baubehörde zeigte, dass, energieeffizientes Planen und Bauen eine Gemeinschaftsaufgabe darstellt: Staat, Kommunen, Wissenschaft und Forschung sowie Private müssten zusammenwirken.

„Wir haben ein Vermittlungsproblem, kein technisches Problem“, betonte Dr. German Hacker, Erster Bürgermeister von Herzogenaurach. Solartechnik auf dem Dach müsse in Zukunft attraktiv werden wie Alufelgen von Sportwagen. Die fränkische Stadt geht mit gutem Beispiel voran: Im Herbst wird die Kommune im Rahmen des European Energy Award Silber ausgezeichnet.

Nachhaltigkeit, das wurde deutlich, geht weit über Fernwärmenetze, Kraft-Wärme-Kopplung und Wärmedämmverbundsysteme hinaus. Nur wenn bayerische Gemeinden, Architekten und Investoren die Kräfte ihrer Region nutzen, gelingen entscheidende Schritte in Richtung Energiewende.

 
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