

Nürnberg/Straubing, 23.10.2008 Biopolymere sind Kunststoffe, die als Polymer aus biogenen Rohstoffen hergestellt werden – unabhängig ob sie biologisch abbaubar sind oder nicht. Als Biopolymere bezeichnet man weiterhin alle Kunststoffe, die biologisch abbaubar sind – hergestellt aus nachwachsenden Rohstoffen oder auf Erdölbasis. Darüber hinaus gewinnen neuartige Kunststoffe auf Erdölbasis mit einem bedeutenden Anteil an nachwachsenden Rohstoffen besonderes Interesse.
Biopolymere können einen Beitrag leisten, den Einsatz petrochemischer Ressourcen zu reduzieren, den CO2-Ausstoß zu vermindern oder das Abfallaufkommen zu verringern. Biologisch abbaubare Polymere sind vor allem interessant für die Verwendung in Bereichen wie Verpackung, Landwirtschaft oder Medizinprodukten. Polymere auf Basis nachwachsender Rohstoffe, die nicht biologisch abbaubar sind, bieten sich an, anstelle von Kunststoffen auf Erdölbasis im Automobil oder in der Elektronikindustrie eingesetzt zu werden. Heute beträgt der Anteil der Biopolymere an der weltweiten Produktion an Kunststoffen weniger als ein Prozent. Gerade durch den Einsatz neuer Technologien und die Preisentwicklung im Rohölsektor werden Biopolymere zunehmend an Bedeutung gewinnen.
Laut European Bioplastics e. V., dem Branchenverband der industriellen Hersteller, Verarbeiter und Anwender von Biokunststoffen und biologisch abbaubaren Werkstoffen (BAW), sowie daraus hergestellter Produkte in Europa, liegt „das Potenzial der Biokunststoffe – gemessen am derzeitigen Stand der Technologie – bei 5 bis 10% des Kunststoffmarktes (EU: 40 Mio. t, weltweit: 200 Mio. t), langfristig (> 20 Jahre) wohl noch deutlich höher“. Abhängig ist diese Entwicklung von den politischen Rahmenbedingungen und den Rohstoffpreisen.
Jüngste Innovationsentscheidungen, z. B. der BASF oder der Pyramid Bioplastics zeigen, dass die Produktion technischer Biopolymere auch am Standort Deutschland ausgeweitet wird.
Um das Potenzial zu nutzen ist eine enge Zusammenarbeit von Unternehmen und Forschungsinstituten in allen Stufen der Wertschöpfung erforderlich. Durch neue Technologien können beispielsweise zusätzliche Rohstoffquellen erschlossen oder Verfahren zur Fertigung von Zwischen- und Endprodukten weiterentwickelt werden. Die Kooperation von Partnern aus den Bereichen Agrarwirtschaft, Chemie, Biotechnologie oder Verfahrenstechnik kann hier neue Impulse setzen.
Inhalte des Kooperationsforums
Zu diesem Thema konzipiert und organisiert die Bayern Innovativ GmbH als Koordinator des Netzwerkes „Life Science Bavaria“ das interdisziplinäre Kooperationsforum „Biopolymere – Rohstoffe, Technologien, Anwendungen“, gemeinsam mit dem Kompetenzzentrum für Nachwachsende Rohstoffe in Straubing.
Im Mittelpunkt stehen aktuelle Forschungsvorhaben sowie neue Technologien und Verfahren zur Herstellung von Biopolymeren und deren anwendungsorientierter Weiterverarbeitung. Das Spektrum reicht von einer Ausdehnung der stofflichen Nutzung nachwachsender Rohstoffe, z. B. cellulosehaltiger Ressourcen, über weiterentwickelte chemische und biotechnologische Prozesse bis hin zur Verarbeitung zu neuen Produkten für verschiedenste industrielle Anwendungen – von der Verpackung über Textil und Automobil bis hin zur Medizintechnik..
„Das Forum bietet eine ideale Plattform für den direkten Kontakt von Wirtschaft und Wissenschaft, von Experten, potenziellen Anwendern und Kunden für zukünftige Kooperationen zur weiteren Erschließung des Wachstumssegmentes Biopolymere“, so Professor Dr. Josef Nassauer, Geschäftsführer der Bayern Innovativ GmbH, Nürnberg.
Paul Gatenholm, Professor am Virginia Polytech Institute (USA) und Gründer der Firmen Xylophane AB und Arterion AB (Schweden), stellt Möglichkeiten der chemischen und enzymatischen Modifikation pflanzlicher Polysaccharide wie Xylane oder Arabinose vor. Eingesetzt werden diese Polymere z. B. als Materialien mit Barriereeigenschaften für Sauerstoff und Aromen im Verpackungssektor oder als künstliche Blutgefäße.
Dr. Karlheinz Hausmann von DuPont aus Genf wird einen Weg präsentieren, den Anteil nachwachsender Rohstoffe bei Hochleistungs-Kunststoffen zu erhöhen und damit den Ausstoß an Treibhausgasen wie auch die Abhängigkeit von Erdöl zu vermindern. Hierzu wird ein Zwischenprodukt der Polymersynthese, das 1,3-Propandiol, über Fermentation aus Maisstärke gewonnen. Die Gebrauchs- und Verarbeitungseigenschaften der daraus synthetisierten Kunststoffe entsprechen denen von Polymeren auf petrochemischer Basis oder übertreffen diese sogar. Diese Kunststoffe bieten u. a. hohe Festigkeit und Steifigkeit, verbesserte Oberflächenqualität sowie einen hohen Glanz und gute Dimensionsstabilität. Damit wird das Material attraktiv für eine Reihe von Kfz-Komponenten, elektrische und elektronische Systeme sowie für weitere Anwendungen in Industrie- und Konsumgütern.
Daten und Fakten zum Kooperationsforum
Über 200 Teilnehmer aus Deutschland, Belgien, Frankreich, den Niederlanden, Italien, Österreich und der Schweiz sind angemeldet, darunter Unternehmen aus den Bereichen Automobil (u. a. Audi, BMW, Brose, Dräxlmaier), Textil und Bekleidung (u. a. adidas, Freudenberg, Luxilon, Sandler, Trevira, TWD Fibres, TWE Vliesstoffwerke), Kunststoffe (u. a. Wethje, polyMaterials, Reifenhäuser) und Chemie (u. a. Evonik Degussa, Henkel, Lanxess, SABIC, Süd-Chemie, Wacker Chemie).
Im Rahmen der begleitenden Ausstellung zeigen die Biomasse GmbH, Flottweg AG, GENEART AG, h. hiendl Kunststofftechnik GmbH & Co. KG, J. Rettenmaier & Söhne GmbH & Co. KG sowie SABIC Innovative Plastics ihre Technologien und neueste Ergebnisse. Der BioCubator Straubing-Sand, C.A.R.M.E.N. e. V., das Technologie- und Förderzentrum (TFZ) sowie das Netzwerk "Life Science Bavaria" präsentieren ihr Dienstleistungsspektrum.
Am Vortag hatten Teilnehmer des Kooperationsforums die Gelegenheit, das Kompetenzzentrum für Nachwachsende Rohstoffe vor Ort zu besichtigen.
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