

One-on-One für Zulieferer weiter auf Erfolgskurs
Trotz eines Ausstellerrückgangs von 30 Prozent war auch in diesem Jahr die Internationale Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt ein herausragendes Schaufenster für Neuentwicklungen der Automobilhersteller mit über 100 Weltpremieren. Über 70 Prozent der Wertschöpfung werden dabei von den Zulieferern erbracht.
Einen Tag nach Ende der IAA trafen sich auch in diesem Jahr BAIKA Zulieferer aus aller Welt auf der BAIKA One-on-One Plattform in St.Gallen, organisiert von der Bayern Innovativ GmbH. Auf diesem seit Jahren erfolgreichen internationalen Kooperationstreffen werden Firmen und Institute in bilateralen Meetings zusammengeführt, mit Gesprächspartner ihrer eigenen Wahl. Ziel ist es, neue Konstellationen einer Zusammenarbeit für die Wertschöpfungsketten der kommenden Serienentwicklungen auszuloten und neue Ideen für die nächste Generation von Innovationen anzugehen.
Die Festlegung der Gespräche erfolgte bereits einige Wochen vor dem One-on-One Meeting. Danach bereiteten sich die Teilnehmer mit den vorliegenden Firmen- und Institutsprofilen sowie den geäußerten Kooperationsinteressen gezielt auf die Gespräche vor. Dieser ausgefeilte Vorbereitungsprozess führt zu hoher Treffsicherheit und damit hoher Erfolgsquote der Meetings.
Das internationale Match-Making-Forum am 28./29. September fand wieder in bewährter Zusammenarbeit mit dem Verband der Deutschen Automobilindustrie (VDA) und dem Amt für Wirtschaft des Kantons St.Gallen sowie mit umfassender Unterstützung des Bayerischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie statt. Es wurde erstmals auf dem Executive Campus der Hochschule St.Gallen ausgerichtet, der sich als ein idealer und attraktiver Tagungsort erwies.
Die nachfolgenden Inhalte sind wie folgt gegliedert:
1. Tag
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Begrüßung, Einführung
Gabriel v. Lengyel-Konopi, Leiter Technologie-Marketing der Bayern Innovativ GmbH hob - in Vertretung von Prof. Josef Nassauer - zur Eröffnung des Forums die große Bedeutung der Automobilindustrie für die Wirtschaft in Bayern, in Deutschland und in der Welt hervor. Trotz der aktuellen Krise werde in naher Zukunft wieder mit wachsenden Produktions- und Absatzzahlen gerechnet. Voraussetzung hierfür sei die Bewältigung aktueller Herausforderungen sowie die Konzentrierung auf Innovationen – von wegweisenden, technologischen Entwicklungen im Premiumsegment bis zur Beherrschung der zunehmenden Vielfalt an Fahrzeugen, u. a. mit der Realisierung bezahlbarer Innovationen in aufstrebenden wachstumsstarken Marktregionen.
Wegweisende Technologien für nachhaltige Innovationen in allen Bereichen der automobilen Wertschöpfung gewinnen deshalb noch mehr an Bedeutung. Hierzu bedürfe es des Ausbaus von Kooperationen und Wertschöpfungsketten mit der Integration völlig neuer Zulieferer und Technologiepartner. Die Firmen seien deshalb stets bestrebt, neue bestmögliche Partner zu identifizieren – auf regionaler bis internationaler Ebene – in Einkauf, Entwicklung, Produktion oder Vertrieb.
Hierfür leistet die Bayern Innovativ GmbH mit der BAIKA One-on-One-Plattform seit nunmehr zwölf Jahren einen besonderen Beitrag – für die internationale Vernetzung von Automobilzulieferern mit branchen- wie auch technologieübergreifende Kooperationen der Wirtschaft unter Einbeziehung wissenschaftlichen Institute.
So könne das BAIKA One-on-One auch in 2009 mit über 170 Teilnehmern aus 18 Ländern und rund 620 vorbereiteten Business Meetings wieder einen sehr guten Zuspruch verzeichnen.
Ein wesentlicher Grund für die ungebrochene Anziehungskraft dieser One-on-One Plattform läge maßgeblich in der langjährigen, ausgezeichneten Zusammenarbeit mit dem Amt für Wirtschaft des Kantons St.Gallen begründet. Gabriel von Lengyel-Konopi dankte Dr. Josef Keller, Volkswirtschaftsdirektor und Präsident der Kantonsregierung St.Gallen, für diese vertrauensvolle Kooperation und Unterstützung und würdigte den Executive Campus der Hochschule als hervorragenden Austragungsort.
Dr. Keller begrüßte die Teilnehmer im Namen der Regierung des Kantons St.Gallen und zeigte sich erfreut, dass St.Gallen einmal mehr Gastgeber dieses Kooperationsforums sein dürfe – eine Region, in welcher eine Vielzahl von Zulieferern für die Automobilindustrie tätig sei und sich viele dieser Unternehmen im Laufe der Zeit eine wichtige Position in der Zulieferkette der internationalen Automobilhersteller erarbeiten konnten.
In der Schweiz zählen schätzungsweise 300 Unternehmen mit insgesamt 34.000 Mitarbeitenden zu den Zulieferern der Automobilindustrie. Eine Mehrheit dieser Unternehmen erziele mit ihren Geschäften einen signifikanten Anteil ihres Umsatzes in Europa. Die meisten Firmen sind in ihren Bereichen technologisch marktführend, solide finanziert und in festen Aktionärshänden – das verschaffe eine gute Position, um die Krise zu meistern.
„Chancen gehen nie verloren. Aber jene, die man selbst versäumt, nutzen andere.“, führte Dr. Keller aus. Gerade die bayerische Automobilindustrie habe eindrücklich gezeigt, dass sie Chancen entschlossen nutzen will. Früher als andere habe sie konsequent neue Märkte erschlossen und ihre Produktionsbasis im Ausland vergrößert.
Dr. Keller drückte seine Überzeugung aus, dass Kooperationen in Zukunft einen noch bedeutenderen Erfolgsfaktor darstellen. Aufgabe einer nachhaltigen Wirtschaftsförderung sei es deshalb, neue Formen der Kontaktherstellung zu suchen und zu initiieren. Genau das sei Bayern Innovativ mit dem internationalen Kooperationsforum für Automobilzulieferer gelungen. In diesem Zusammenhang dankte Herr Dr. Keller vor allem auch Prof. Nassauer für die vertrauensvolle zehnjährige Zusammenarbeit in der Durchführung dieses Forums.
Erste Runde One-on-One Gespräche
Rund 20 Prozent der Teilnehmer kamen aus Bayern, u. a. BMW, Continental, DTS, HS Genion, Reinhausen, SAP, Scherdel, Tieto oder ZF. Sie nutzten die Möglichkeit, nach ihren Vorstellungen Kontakte zu Firmen aus aller Welt aufzubauen – vor allem aus Westeuropa, aber auch Osteuropa, USA, Tunesien, Indien, Japan oder den Philippinen.
Das große Spektrum der Kooperationsinteressen spiegelte nahezu die gesamte Bandbreite aktueller Entwicklungstrends im Automobil wider: Powertrain, Interieur, Exterieur, Sicherheit und Elektronik, neue Materialien sowie die Produktionstechnik. Besonderes Interesse bestand – entsprechend den Trends der IAA – hinsichtlich neuer Technologien für Antriebsaggregate bis hin zur Elektromobilität.
Insgesamt wurden ca. 620 bilaterale Meetings für die 170 Repräsentanten von Unternehmen, Organisationen und Forschungseinrichtungen aus 18 Ländern entsprechend ihrer Interessen vorbereitet.
Der Nachmittag war für die erste Runde der im Vorfeld organisierten Business-Meetings reserviert. Dabei wurden bereits knapp 400 halbstündige, intensive Gespräche abgewickelt, mit hoher Erfolgsquote und damit entsprechender Zufriedenheit der Teilnehmer, die beste Voraussetzung für die nachfolgende Abendveranstaltung.
Abendveranstaltung
Nach den äußerst intensiven Meetings am ersten Tag war der Abendevent in der privaten Automobilsammlung der Autobau AG, Romanshorn eine ideale Gelegenheit zur Fortsetzung des Networkings, aber auch zur Entspannung.
Für einige Teilnehmer allerdings bedeutete die Mitfahrt mit Daniel Mauerhofer, einem der bekanntesten Schweizer Rennpiloten, in einem Maserati Rennwagen auf einer Teststrecke Adrenalin pur. Der Rundgang durch eine außergewöhnliche private Automobilsammlung mit attraktiven Sport- und Rennwagen bot Faszination pur, mit interessanten Einblicken in technologischen Innovationen von einst und heute.
Impulsreferate
Mit Impulsreferaten von BAIKA, BMW und Renault startete der zweite Tag. Dr. Stefanie Wrobel von der Bayern Innovativ GmbH präsentierte einen komprimierten Überblick aktueller Marktperspektiven und technologischer Trends. Nach aktuellen Studien dürfte die weltweite Produktion in den nächsten Jahren wieder auf das Niveau von 2007 mit ca. 80 Millionen Fahrzeugen pro Jahr ansteigen. Ein Wertzuwachs der Fahrzeuge ist dabei in den Triademärkten, ein Volumenwachstum vorwiegend in den Schwellenmärkten zu erwarten. Automobilexperten unterstreichen die Potentiale technolgie-übergreifender Kooperationen, die durch Netzwerke und Cluster gezielt initiiert werden.
Eine große Chance und Herausforderung für Zulieferer sind zahlreiche neue technische Entwicklungen, die vor allem durch das Premium-Segment getrieben werden.
Das zeigte Prof. Dr. Raymond Freymann, Geschäftsführer Forschung und Technik der BMW Group München, eindrucksvoll in seinem Vortrag. Darin gab er einen tiefen Einblick in Entwicklungen bei den sogenannten „Advanced Driver Systems“ zur Erhöhung der aktiven und passiven Sicherheit. Hier wirken neue Sensoren und Technologien der Umfelderfassung, der Kommunikationstechnologie und GPS-Daten bis hin zur Satellitennavigation zusammen. Und er zeigte eine Weltpremiere: die Filmsequenz eines in hoher Geschwindigkeit autonom über den Nürburgring fahrenden BMW-Testfahrzeugs.
Die zweite große Chance und Herausforderung für die Zulieferer ist die Vielfalt an Fahrzeugen und Modellen durch eine zunehmende Segmentierung der Märkte, unter anderem getrieben durch die Zielsetzung erschwinglicher Innovationen in den Wachstumsregionen.
Die Zusammenarbeit von Wirtschaft und Wissenschaft in Netzwerken und Clustern wird gerade auch unter diesem Aspekt zunehmend wichtiger. Dies stellte Dr. Patrick Kim, Vice President, Materials Engineering von Renault, s.a.s. Paris, in den Mittelpunkt seiner Ausführungen, Repräsentant eines Autombilherstellers, der vor allem auch gezielt Volumenmärkte in den Wachstumsregionen bedient. Der Integration lokaler Zulieferer in die international vernetzte Wertschöpfung kommt dabei besondere Bedeutung zu.
Fortsetzung der One-on-One Gespräche
Die Impulsreferate gaben die richtigen Auftaktsignale für die Fortsetzung der One-on-One-Gespräche am zweiten Tag. Entsprechend dem vorbereiten Terminplan wurden bis spät in den Nachmittag hinein noch ca. 250 bilaterale Gespräche durchgeführt.
Erstmals haben an den Meetings auch Vertreter der Bayern Innovativ als Manager der Cluster Automotive und Neue Werkstoffe teilgenommen. Sie waren viel gesuchte Gesprächspartner vor allem für internationale Teilnehmer, die über die Netzwerke und Cluster der Bayern Innovativ gezielt Zugang zu Kompetenzträgern, aber auch potentiellen Kunden gesucht haben.
Durchschnittlich konnte jeder Teilnehmer 15 Kooperationsgespräche mit Partnern seiner Wahl führen, für die von jeweils beiden Seiten eine Interessensbekundung vorlag. Dies garantiert hohe Übereinstimmung, vermied kurzfristige Stornierungen und erklärt die weiter hohe Erfolgsquote von erstmals über 50 Prozent, ein Anstieg um 10 Prozent gegenüber 2008.
Erfahrungen aus den Kooperationsgesprächen
Die Rückmeldung der Teilnehmer war uneingeschränkt positiv, mit zahlreichen Erfolgsbeispielen jener, die früher schon an One-on-One Kooperationsgesprächen teilgenommen haben.
Entsprechend einer Umfrage unter den Teilnehmern wurden vor allem die gezielte Zusammenführung von Kompetenzträgern durch den exzellenten Matching-Prozess, ein ausgewogenes Verhältnis von Angebot und Nachfrage unter den Teilnehmern sowie das hohe gegenseitige Interesse an den vereinbarten Meetings hervorgehoben.
Des Weiteren wurde die Qualität der Gesprächspartner und deren gute Vorbereitung auf die Meetings erwähnt – ein ebefalls wesentlicher Aspekt für ein erfolgreiches One-on-One.
Die Mehrzahl der Gespräche mündete demzufolge in konkrete Kooperationsprojekte. Neben Kundenaufträgen wurden vor allem FuE Kooperationen initiiert. Alle Teilnehmer der Umfrage bekundeten ihr klares Interesse für das nächste Matchmaking Forum.
„Nachhaltige internationale Resonanz, gerade in schwierigen Zeiten, besonders wertvoll für die interessierten Firmen – das BAIKA One-on-One hält Kurs. Wir freuen uns auf ein Wiedersehen in Lindau 2010”, fasste Prof. Dr. Josef Nassauer das One-One-One 2009 zusammen.
Ansprechpartner:
Dr. Kord Pannkoke
Dr. Stefanie Wrobel
Johanna Lison