Symposium mit begleitender Fachausstellung

Textil Innovativ 2010

Pressemitteilung

Querschnittstechnologien – Innovationstreiber für multifunktionelle technische Textilien

  • Vertikale und horizontale Vernetzung für Neuentwicklungen
  • Innovationen für Industrie, Sport, Medizin und Fahrzeugbau
  • 230 Teilnehmer und 30 Aussteller auf dem Kongress in Aschaffenburg

Nürnberg/Aschaffenburg, 7. Oktober 2010. Technische Textilien stellen einen signifikanten Wachstumsmarkt dar. Sie repräsentieren bereits 50 Prozent der Textilproduktion in Deutschland - mit weiter steigender Tendenz. Spezifische Eigenschaften wie atmungsaktiv, stich- und schnittfest oder flammresistent machen sie für vielfältige Anwendungsfelder attraktiv.
In Zukunft werden zusätzlich geringeres Gewicht, verbesserter Tragekomfort sowie die Integration elektronischer Funktionen gefordert. Damit geht der Trend eindeutig in Richtung Multifunktionalität.
Innovationspotenziale eröffnen sich in allen Stufen der textilen Wertschöpfungskette. Jedoch sind nicht nur die klassischen Disziplinen wie die Weberei, Textilveredlung und der Maschinenbau allein von Bedeutung. Erst das Zusammenspiel unterschiedlichster Technologien ermöglicht es, multifunktionelle Textilien zu realisieren: Querschnittstechnologien wie die Polymerchemie, Bio- und Nanotechnologie oder Mikrosystemtechnik und Elektronik spielen dabei eine wesentliche Rolle. Zudem treiben individuelle Kundenanforderungen und zum Teil regulatorische Vorgaben Innovationen voran.

„Vernetzung ist gefragt, um mit Partnern zielgerichtet neue Entwicklungen anzugehen und sich auch zukünftig erfolgreich am Markt zu positionieren. Das internationale Symposium ‚Textil Innovativ' bietet dafür eine ideale Plattform", so Prof. Dr. Josef Nassauer, Geschäftsführer, Bayern Innovativ GmbH.
Der Kongress wird von der Bayern Innovativ GmbH in enger Zusammenarbeit mit dem Verband der Bayerischen Textil- und Bekleidungsindustrie ausgerichtet und erfährt Unterstützung durch das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie. Weitere Partner sind der Cluster Neue Werkstoffe und das enterprise europe network.

Technische Textilien werden umfassend für den Schutz von Arbeits- und Einsatzkräften in diversen Branchen und Bereichen verwendet. Aber nicht nur hier, sondern genauso wenn es um den Schutz von Sportlern in extremen Situationen, von Insassen im Fahrzeug oder von Patienten und Personal im Krankenhaus geht. Erforderlich sind sowohl der Schutz gegen mechanische, chemische und thermische Einwirkungen als auch gegen Bakterien und Viren.
Entwicklungsaktivitäten von Industrie und Forschung im Feld der Schutztextilien konzentrieren sich deshalb vorrangig auf den Erhalt von Leistung und Gesundheit. So befasst sich eine Vielzahl an Projekten des 7. Europäischen Rahmenprogramms mit dem Thema Schutzausrüstung. Die Europäische Kommission hat sich zum Ziel gesetzt, die Zahl von sieben Millionen Arbeitsunfällen pro Jahr um 25 Prozent bis 2012 zu senken.

Zukünftige Trends werden u. a. in einem optimierten multifunktionalen Schutz durch die Verwendung von Biopolymeren, Composite-Fasern und reaktiven Polymeren gesehen sowie in der Integration von Elektronik für Smart Textiles und Spezialsystemen wie Kühlungsausrüstung.

Anwendungspotenziale von Smart Textiles umfassen das Überwachen von Vitalparametern in Einsatzsituationen, Medizin und Sport, das Orten von Einsatzkräften oder auch das Sicherstellen der Kommunikation einer größeren Zahl von Einheiten unter Einsatzbedingungen mit einer Leitstelle. Zu den Herausforderungen zählen nach wie vor eine dauerhafte Verknüpfung der "harten" Mikroelektronik mit der "weichen" Textiltechnologie mit einer einhergehenden Miniaturisierung und Flexibilisierung der Elektronikkomponenten. Fortschritte werden stark von der Mikrotechnologie getrieben: Organisch integrierte Schaltkreise, neue Sensoren, z. B. für das Messen von Feuchtigkeit und PH-Wert, deren Kombination mit Mikrofluidik und anschließende Integration in flexible Kunststoffoberflächen sind gegenwärtige Forschungsthemen. Von Interesse sind ebenso textile Solarzellen für die Energieversorgung.

Einen immer höheren Stellenwert erhält der Gesundheitsschutz im Sinne der Infektionsprophylaxe und -bekämpfung. Dabei beschränkt sich der Schutz vor Viren und Bakterien nicht nur auf das Krankenhausumfeld, sondern erstreckt sich in gleicher Weise auf Beruf, Sport und Outdoor. Moderne Barriere-Textilien und antibakteriell ausgerüstete Schutztextilien, z. B. mit eingearbeiteten Silber-Nanopartikeln, können hierzu einen wertvollen Beitrag leisten. Ärzte und Pflegepersonal machen zudem den Bedarf an einem verbesserten Stich- und Schnittschutz aus, insbesondere bei eingesetzten Handschuhen. In diesem Zusammenhang gewinnt die Nanotechnologie weiter an Bedeutung. Nanofasern und -composite sowie das nanostrukturelle Design von Materialoberflächen (Nano-Surface Engineering) für Multifunktionalität bilden aktuelle Forschungsschwerpunkte.

Innovationen im Bereich der Schutztextilien weisen ein großes Transferpotenzial in andere Anwendungen wie Automobil und Sport auf. So müssen Airbags in Fahrzeugen extremen Kräften standhalten - Aufblasgeschwindigkeit von bis zu 540 km/h und -zeit von rund 30 Millisekunden sowie Temperaturen bis zu 500° C - und unter verschiedensten Bedingungen funktionieren; ähnliche Anforderungen gelten für Ballistikschutzwesten. In der Entwicklungsarbeit solch hochkomplexer Textilstrukturen wird die Simulationstechnologie immer wichtiger. Mit ihrer Hilfe lassen sich in Abhängigkeit der gewählten Faser und Flächenbildungstechnologie Funktionen analysieren und damit bessere Produkte und Prozesse erzielen.

International renommierte Experten geben Einblicke in Entwicklungen und Trends, u. a. von:

  • Kärcher Futuretech, Lion Apparel und UVEX - führende Produzenten von
    Schutzbekleidung
  • Mectex - Spezialist für die Entwicklung und Herstellung von Geweben für den
    Sportbereich, u. a. für den Speedo LZR Racer mit dem Michael Phelps
    bei den Olympischen Spielen 2008 acht Goldmedaillen gewann
  • TRW Automotive - führender Automobilzulieferer im Bereich Airbag, Gurte und
    Lenkräder
  • Trevira und Trans-Textil - neue Fasern und Membran-Technologie für den
    Gesundheitsschutz
  • Fraunhofer-Einrichtung für Modulare Festkörper-Technologien
    - Vorreiter im Feld Polytronics für Smart Textiles

Insgesamt verzeichnet der Kongress 230 Teilnehmer aus sieben Ländern - aus dem gesamten Feld der textilen Wertschöpfungskette sowie den Anwenderbranchen Schutzausrüstung, Sport/Bekleidung, Automobil und Medizin. Die Ausstellung ist mit 30 Ausstellern ausgebucht. 

Der Kongress in Aschaffenburg bietet somit eine hervorragende Zusammensetzung für die Initiierung neuer Kooperationen für Innovationen von morgen.

Eine Vielzahl der Teilnehmer konnte sich bereits am Vortag bei der Besichtigung der Unternehmen Analytik Service Obernburg, Cordenka und PHP Polyamide/Polyester High Performance - alle ansässig im Industrie Center Obernburg - über jüngste Fortschritte in der Fasertechnologie und Analytik informieren.

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