Cluster-Forum

Kraft-Wärme-Kälte-Kopplung – Ausbau von Wärmenetzen

Nachbericht

Cluster-Forum - „Kraft-Wärme-Kälte-Kopplung - Ausbau von Wärmenetzen"

  • Dezentrale Strom- und Wärmeversorgung mit Wachstumspotenzial
  • Verringerung Primärenergieeinsatz - Minderung der CO2-Emissionen
  • Branchentreff mit 165 Teilnehmern im Arvena Parkhotel in Nürnberg

Am 15. April 2010 trafen sich beim Cluster-Forum in Nürnberg Vertreter von Politik, Kommunen, Wirtschaft und Forschung zum Dialog und zur Diskussion über aktuelle Themen der Fernwärmeerzeugung, Verteilung und Abnahme.
165 Teilnehmer und 13 Aussteller aus Bayern und dem ganzen Bundesgebiet nahmen an dem vom Cluster Energietechnik konzipierten und organisierten Forum teil. Durch die Kooperation mit der ENERGIEregion GmbH, die Unterstützung des Bayerischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie sowie der Mitwirkung namhafter Experten der Energiebranche wurde eine breite Basis für die Themen Wirtschaftlichkeit, Energieeffizienz und praktische Anwendung geschaffen.
Prof. Josef Nassauer, Geschäftsführer, Bayern Innovativ GmbH, betonte in seiner Einführung die Bedeutung der KWK als Energieeffizienztechnologie mit der Gewinnung von Strom und Wärme. Durch verbesserte Nutzung der Primärenergie und der damit verbundenen Vermeidung von CO2-Emissionen verbinden sich hier Ökonomie und Ökologie in idealer Weise. Die Bundesregierung unterstützt dieses Wachstumspotenzial durch entsprechende Gesetze und finanzielle Förderungen. Bis zum Jahr 2020 soll der KWK-Strom von derzeit 13 Prozent auf 25 Prozent verdoppelt werden.
Dr. Roland Fleck, Vorsitzender des Vorstands EnergieRegion Nürnberg e.V. und Wirtschaftsreferent der Stadt Nürnberg unterstrich die Bedeutung, die die Metropolregion Nürnberg den Erneuerbaren Energien wie auch der Kraft- Wärme-Kopplung beimisst und erläuterte hierzu unter anderem das Beispiel der Fernwärmeabdeckung des Kraftwerks Sandreuth.
Experten aus allen Bereichen der Fernwärmebranche - Planer, Stadtwerke, Facility-Unternehmen, Anbieter und Bertreiber von KWK-Anlagen - führte dieses Cluster-Forum zusammen, um Perspektiven und Chancen, aber auch die zukünftigen Herausforderungen im Bereich der Fernwärmeerzeugung und -verteilung tiefgehend zu diskutieren.

Die nachfolgenden Inhalte des Cluster-Forums sind wie folgt gegliedert:

Wärmenetze & KWKK - Energiemarkt und Rahmenbedingungen

Den ersten Vortragsblock eröffnete Herr Lutz Kalkutschky vom Bundeswirtschaftsministerium, Referat Fernwärme. Er stellte das novellierte KWK-Gesetz vor und erläuterte die Ausgestaltung der Förderung von KWK-Anlagen und der Wärmenetze. Durch eine Zwischenprüfung in 2011 soll die Wirksamkeit des Gesetzes im Hinblick auf die Zielerreichung (KWK-Strom 25 %) überprüft werden.

Herr Werner Lutsch vom AGFW, dem Energieeffizienzverband für Wärme, Kälte und KWK e.V. näherte sich der Bedeutung der leitungsgebundenen Wärmeversorgung mit demographischen Erkenntnissen. Eine alternde Gesellschaft wandert zurück in die Ballungsräume, hat ein geringeres verfügbares Einkommen und benötigt eine einfache, sichere und kostengünstige Wärmeversorgung. Die Fernwärme stellt diese Zukunftstechnologie dar, mit der - auch Erneuerbare Energien - ökonomisch und volkswirtschaftlich sinnvoll, flächendeckend in die Wärmeversorgung der Ballungsräume integriert werden können.

Schon Anfang der 90 Jahre baute die Stadt Frankfurt systematisch die Fernwärmeversorgung aus. Angetrieben von den Klima-Bündnis-Zielen, einer 50 Prozent CO2-Reduzierung entwarf die Stadt integrierte Energiekonzepte im Bebauungsplanverfahren, schuf eine enge Zusammenarbeit mit der Wohnungswirtschaft und führte Beratungen von Planern und Investoren durch. Herr Peter Fay von Energiereferat der Stadt Frankfurt, in Vertretung von Dr. Werner Neumann, wies in seinem Vortrag darauf hin, dass neue planungsrechtliche Umsetzungsmöglichkeiten im Bau- und Planungsrecht das Wachstumspotenzial der Fernwärme deutlich erhöhen könnten.

Leitungsgebundene Wärmeversorgung - Umsetzung und Betrieb

Fragen, was man mit der Fernwärme im Sommer macht, wie sich der, durch bessere Gebäudedämmung und Passivhäuser, abnehmende Wärmebedarf kompensieren lässt, beantwortete Herr Erich Maurer, Geschäftsführer der EnergieRegion mit dem Hinweis auf die Kälteerzeugung. Kälteabsorptionsmaschinen stellen eine sinnvolle Ergänzung zur Erhöhung der Grundlast dar und können eine damit einhergehenden Verbesserung der Wirtschaftlichkeit der KWK-Anlagen erreichen.

Am Begin der Planung von Wärmenetzen steht die Wärme-Potenzialanalyse. Aus den daraus gewonnenen Wärmedichtekarten werden die Lastschwerpunkte identifiziert und die optimalen Trassenkorridore ermittelt. Ausgehend von einer mittleren Nutzungsdauer der Wärmenetze von 60 Jahren gewinnt auch die Modernisierung an Bedeutung, die Dr. Stephan Richter von der GEF Ingenieurs AG als logistische Herausforderung bezeichnete, da Inlinerverfahren und Auskleidung in diesem Bereich nicht Stand der Technik sind.

Anhand von Praxisbeispielen machte Herr Johannes Heinze, Leiter Contracting, ImpleaPlus deutlich, wie Wärmenetze und KWK-Anlagen zusammenwirken. Den kapitalintensiven KWK-Anlagen und Wärmenetzen stehen die geringeren Wärmegestehungskosten gegenüber. Ein wesentlicher Wirtschaftslichkeitsfaktor ist auch die richtige Netzaufsiedelung. Darunter versteht man den sukzessiven Anschluss der Wärmeabnehmer und die Bereitstellung der dazu erforderlichen Wärmeleistung.  

Energie-Contracting stellt eine sinnvolle Möglichkeit dar, die nicht unerheblichen Investitionen eines Fernwärmenetzes im kommunalen und privaten Immobilienmarkt zu bewältigen. Die unterschiedlichen Modelle stellte Herr Stephan Weinen, Geschäftsführer WISAG Energiemanagement und WISAG Gebäude- und Industrieservice Bayern vor, die sich von einer systematischen Effizienz-Analyse bis zur Bereitstellung der Brennstoffe erstrecken.
Dazu gehört auch eine webbasierte Gebäudeautomation, die durch die Erstellung kundenspezifischer Graphiken die KWK-Nutzungsgrade nachvollziehbar und überprüfbar macht.

Projekte geplanter und in Betrieb befindlicher KWK-Anlagen

Eine deutliche Steigerung des Fernwärmeumsatzes auf 300 GWh/a, die Verdrängung des Gases und damit einhergehend die Reduzierung der CO2- Emissionen waren die Zielvormulierungen der Stadtwerke Ingolstadt, so Herr Kurt Händel, Leiter Erzeugung/Sonderaufgaben der Stadtwerke Ingolstadt. Die Nutzung des Abwärmepotenzials der Raffinerie Petroplus Ingolstadt steht dabei im Mittelpunkt des daraus folgenden Abwärmeprojekts WIN. Mehrere Planungsschritte, führten von der Vorstudie, beginnend in 2002 über die Detailstudie und die Realisierungsstudie bis zum offiziellen Start im September 2009.    

Mit 35 Mio. €, davon 7 Mio. € für die Fernwärmeleitungen und 28 Mio. € für das Biomasseheizkraftwerk, das in Neumarkt errichtet werden soll, zählt dieses Projekt zu den größten der Stadtgeschichte Neumarkts. Herr Manfred Tylla, Werksdirektor der Stadtwerke Neumarkt erläuterte wie nach dem Projektstart Mitte 2005 das Projektziel, vornehmlich die Erzeugung regenerativer Energie aus biogenen Rohstoffen, festgelegt wurde. Dabei wurde besonderes Augenmerk auf die Kriterien für die Bereitstellung von Biomasse, die Energieabnahme, die Standortfrage und die Größe der Anlage gelegt.    

Im letzten Vortrag zeigte Herr Werner Rück wie man mit viel Eigeninitiative und Einsatz eine Biogasanlage mit nachgeschalteter KWK-Anlage und einer Nahwärmeleitung wirtschaftlich erfolgreich betreiben kann. Seit 1995 wurden nach dem Anschluss der eigenen Wohnhäuser, die Werkstatt und im Anschluss daran einige Nachbarhäuser in die Wärmeversorgung mit eingebunden. Dabei spielte vor allem die Auswahl der Wärmeleitungsrohre, bzgl. des Materials, der Rauigkeit, des Durchmessers und die Trassierung durch private und öffentliche Grundstücke eine ausschlaggebende Rolle.

Die hohe Teilnehmerzahl und die angeregten Diskussionen machten deutlich, dass die Wahl des Themas und die Qualität der Vorträge die Beteiligten entlang der Wertschöpfungskette erreichten. Der Cluster Energietechnik wird sich auch in den nächsten Veranstaltungen dem Thema Energieeffizienz/Wärmerückgewinnung widmen und damit wichtige Impulse im Bereich der Innovationsmöglichkeiten setzen. 

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