11. BAIKA Jahreskongress

Zulieferer Innovativ 2009

Energie und Mobilität – Lebenswelt Automobil – Technologien und Systeme

Statements Pressegespräch

Banken und Versicherer müssen Kreditversorgung sichern

Frankfurt am Main/Ingolstadt, 24. Juni 2009. Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), hat öffentliche und private Banken aufgefordert, ihre gesamtwirtschaftliche Verantwortung auch in der Krise zu erfüllen. „In der Automobilindustrie, speziell bei unseren Zulieferunternehmen, kommt diese Zielsetzung aber nur zum Teil an. Manche unserer Unternehmen haben mit der Kreditversorgung zu kämpfen, erfahren Kürzungen ihrer Kreditlinien und Verteuerungen der Konditionen“, sagte Wissmann auf dem 11. BAIKA-Jahreskongress „Zulieferer innovativ“ im Audi Forum in Ingolstadt. „Dabei ist in der derzeitigen Situation vielfach sogar ein Ausweiten der Kreditlinien notwendig. Da ziehen manche Banken einfach nicht in genügender Weise mit, obwohl doch im Rahmen des Konjunkturprogramms die KfW einen größeren Teil der Risiken übernimmt.“ Der von der Bundesregierung aufgespannte Schutzschirm für die Kreditinstitute erfülle seinen Zweck bisher nur unzureichend. Daher es sei Aufgabe der Politik, hier entsprechend auf die Banken einzuwirken, betonte der VDAPräsident.

Ähnlich beurteilt Wissmann die Situation im Bereich der Warenkreditversicherungen. „Seit Monaten bemühen wir uns beim Gesamtverband der Versicherungswirtschaft sowie den einzelnen Warenkreditversicherungen darum, dass sie kein generell negatives Urteil über der Automobilbranche fällen, sondern ausschließlich aufgrund von Einzelfallprüfungen entscheiden.“ Es sei dringend notwendig, dass die Kreditversicherer zu eine realistischen Beurteilung zurückkehrten, so Wissmann. Der VDA begrüße deshalb, dass die Bundesregierung im Rahmen des Bürgschaftsprogramms nun auch einen Schutzschirm für die Warenkreditversicherer erwägt. „Wir können nur hoffen, dass die Versicherer angesichts dieser Hilfestellung wieder bereit
sind, aktiv unternehmerische Entscheidungen zu treffen.“

Unter der unzureichenden Kreditversorgung leiden besonders die innovationsstarken und meist mittelständisch strukturierten Zulieferunternehmen ebenso wie die Nutzfahrzeugindustrie, sagte Wissmann. Hier sei die Lage geradezu dramatisch. So sank die Ausfuhr von Nutzfahrzeugen bis 6t im bisherigen Jahresverlauf um 65 Prozent, die von schweren Nutzfahrzeugen um 68 Prozent – allein im Mai um 77 Prozent. In Deutschland blieben die Neuzulassungen von Transportern bis Mai um 28 Prozent hinter dem Vorjahresvolumen zurück. In der schweren Klasse über 6t sank der Absatz im bisherigen Jahresverlauf um 30 Prozent.

Wissmann: „Derzeit sorgt eine gravierende Investitionsunsicherheit in der Speditions- und
Logistikbranche für eine mangelnde Marktnachfrage auf dem Nutzfahrzeug-Markt.“ Dies betreffe in erster Linie die Geschäftsbeziehungen zwischen den einzelnen Unternehmen, das „B to B“ - Business. Nur in einem verlässlichen Umfeld mit klaren Regeln und planbare Risiken seien die Unternehmen bereit, längerfristige Investitionsentscheidungen zu treffen. „Hier besteht aus Sicht der Automobilindustrie weiter großer politischer Handlungsbedarf“, sagte Wissmann.

Auf dem Kongress im Audi Forum – einem der führenden internationalen Treffpunkte der Automobilbranche – hob der VDA-Präsident die Bedeutung von Premiumfahrzeugen für den Automobilstandort Deutschland hervor. Der Anteil der Premiummarken an der Inlandsproduktion sei in den letzten zehn Jahren von 40 auf 50 Prozent gestiegen, das Exportvolumen habe im gleichen Zeitraum ebenfalls um 10 Prozentpunkte auf 50 Prozent zugelegt. Wissmann: „Damit zählt jedes zweite Auto, das in Deutschland produziert oder exportiert ist, zum Premiumsegment.“ Der
Umsatz mit Premiumprodukten habe sich in den letzten zehn Jahren sogar auf 90 Mrd. Euro verdoppelt. Knapp zwei Drittel des Umsatzes dieser Schlüsselindustrie entfalle damit auf Premium. Der Ausfuhrwert sei mit über 140 Prozent sogar noch stärker gestiegen.

Insbesondere für die Beschäftigung am Standort Deutschland sei das Premiumsegment von strategisch wichtiger Bedeutung. Während in den letzten zehn Jahren die Beschäftigung bei den Herstellern insgesamt leicht rückläufig war (-2 Prozent), legte der Premiumbereich um 12 Prozent zu. Wissmann: „Sechs von zehn Mitarbeitern, die am Standort Deutschland bei den Herstellern beschäftigt sind, hängen direkt am Premium, vor zehn Jahren war es gut jeder zweite.“ Gerade bei
Premiumprodukten seien in letzter Zeit die größten CO2-Einsparungen erzielt worden. Wenn die Leistung sogar noch gesteigert werden kann, obwohl ein 4-Zylinder-Motor – mit geringerem Verbrauch - anstelle eines bisherigen 6-Zylinders eingesetzt wurde, so unterstreiche dies die Innovationsstärke der deutschen Hersteller und Zulieferer.

Ebenso wichtig sei Premium beim Thema Sicherheit. „Von ABS über Bremsassistent, Seitenairbag, Keramikbremse, Abstands-Tempomat, Knie-Airbag, Aktives Kurvenlicht und Infrarot-Nachtsichtsysteme – stets wurden diese Innovationen zunächst in Premiumfahrzeugen eingebaut, bevor sie ihren Weg in die Volumenmodelle fanden“, unterstrich der VDA-Präsident.

Wissmann betonte: „Das Jahr 2009 ist das härteste Jahr in der Geschichte der Automobilindustrie. Doch uns stimmt zuversichtlich, dass alle Langfristprognosen sich darin einig sind: Das Automobil bleibt Wachstumsmarkt, bleibt Innovationsträger, bleibt Schlüsselindustrie. Und die Prognosen sagen auch: Die deutsche Automobilindustrie, Hersteller wie Zulieferer, wird auch zukünftig führend im internationalen Wettbewerb sein.“

Ansprechpartner: Eckehart Rotter
VDA - Abteilung Presse
Tel. (0 69)97507-266
E-Mail: rotter@vda.de

Pressestatement Matthias Wissmann Pressestatement Matthias Wissmann
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