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Zulieferer Innovativ 2011 - Automobilindustrie auf vollen Touren
„Bayerns Automobilindustrie ist das Flaggschiff der bayerischen Wirtschaft": Mit dieser Botschaft gab Minister Martin Zeil in seiner Videobotschaft einen positiven Einstieg in den 13. Jahreskongress „Zulieferer Innovativ" am 6. Juli 2011. Die Produktion in der Automobilindustrie läuft in zahlreichen Ländern wieder auf Hochtouren, um die weltweite Nachfrage nach Fahrzeugen zu bedienen. Das Interesse an Innovationen und Kooperationen lockte wieder zahlreiche Teilnehmer und Experten zum 13. Jahreskongress Zulieferer Innovativ nach Ingolstadt. Über 130 Neuanmeldungen erfolgten noch direkt vor Ort am Kongresstag. Die Fachausstellung war bereits seit Wochen vollständig ausgebucht und bot den Besuchern innovative Lösungen und richtungsweisende Konzepte für die Automobilindustrie. Die Konzeption und Organisation erfolgten durch Bayern Innovativ im Rahmen von Netzwerk BAIKA und Cluster Automotive. Der Kongress erfuhr umfassende Unterstützung durch das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie. Partner waren wiederum der Verband der Automobilindustrie VDA, Berlin, und die IFG Ingolstadt, vertreten durch Ingolstadts Oberbürgermeister Dr. Alfred Lehmann. Der Kongress mit der begleitenden Ausstellung vermittelte einen hervorragenden Überblick in Strategien und Potenziale aus Industrie und Forschung. In den folgenden Absätzen sind die Kernaussagen der Präsentationen der verschiedenen Vortragsreihen zusammengefasst:
Plenum
Staatsminister Martin Zeil zeichnete im per Video ausgestrahlten Interview ein positives Bild der bayerischen Automobilindustrie, die gestärkt aus der vorangegangenen Wirtschaftskrise gegangen ist. Gründe dafür sieht Zeil in der hohen Wettbewerbsfähigkeit, der Umweltkompetenz sowie die gute Vernetzung der Wirtschaft mit der Wissenschaft. Die Politik setzt hierzu Rahmenbedingungen, die Forschung und Industrie mit innovativen Technologien wie z. B. der Elektromobilität oder der Hybridtechnologie, den Leichtbau, etc. umsetzen. Der Wirtschaftsminister betonte den Stellenwert des Jahreskongresses „Zulieferer Innovativ“, der große Hersteller zusammenbringt mit den mittelständischen Zulieferern, die 80 Prozent der Wertschöpfung erbringen.
Anschließend schilderte Peter Kössler, Werkleiter Ingolstadt, Audi AG, die rasante Entwicklung des Produktionsstandortes Ingolstadt, die in den letzten zehn Jahren geprägt war durch die globalen Herausforderungen durch die Dynamik der Märkte sowie momentan der schnellen Erholung aus der Krise 2009. Der Standort Ingolstadt wurde seit 2000 aufgrund des wachsenden Portfolios sowohl an Baureihen als auch Modellen ständig erweitert, sodass quasi ein zweites Werk entstand. Als Multiderivatehersteller mit höchster Komplexität steht Audi an zweiter Stelle europaweit und ist viertgrößter Hersteller weltweit. Die zukünftige Entwicklung zeichnete Kössler mit einer Steigerung im Volumensegment und in der Derivatisierung; 2015 soll der Rekord von 1.5 Millionen verkaufter Fahrzeuge weltweit erreicht sein. Herausforderungen sind die wachsende Komplexität, noch mehr Produktvarianten, gestiegene Produkterwartungen des Kunden und der logistische Aufwand. Wichtige Themen für Audi sind Ressourceneffizienz, Umweltschutz und Nachhaltigkeit. Dies zeigt sich u. a. in integrierten Lösungen an den zahlreichen Standorten, die regionale Gegebenheiten berücksichtigen, als auch im DEKRA-Zertifikat als erster Automobilhersteller, der die europäische Norm DIN EN 16001 für ein strukturiertes Energiemanagementsystem erfüllt. Nennenswert ist auch der selbstständige kontinuierliche Verbesserungsprozess, der von den Mitarbeitern selbst getriebene Anregungen zu verbesserter Ergonomie und gesteigerter Produktion beinhaltet. So stellt Audi bereits heute die Weichen, um die Leistungsfähigkeit der älter werdenden Belegschaft zu erhalten, denn „die Jungen rennen zwar schneller, aber die älteren kennen die Abkürzung“, so Kössler.
Klaus Bräunig, Geschäftsführer des VDA, Berlin, lieferte einen profunden Überblick über Wettbewerb und Perspektiven der Automobilindustrie. Absatzzahlen, Marktanteile, Export und Produktionszahlen deutscher Pkw bewegen sich dabei auf Rekordniveau. So gingen 2011 bis dato bereits 77 Prozent der in Deutschland produzierten Pkw in den Export; erstmalig übertraf die Auslandsproduktion die Inlandsproduktion. Dabei wächst das Premiumsegment besonders rasant; seit 2000 mit einem Plus von 180 Prozent. Beim globalen Pkw-Absatz zeigt sich eine Strukturverschiebung: die Triade schrumpft, während der Rest der Welt und hier vor allem China und Indien, stark zulegen. Risiken sind Inflation und Benzinkosten. Die Zulieferer als die Innovatoren befinden sich im Aufschwung, sehen sich jedoch den Herausforderungen Technologie – Globalisierung – Auslandsmärkte gegenüberstehend. Die deutschen Zulieferer und Autobauer sind führend in der technologischen Leistungsfähigkeit: in punkto CO2-Reduzierung über Rekuperation, Gewichtsreduzierung, Verminderung von Reibungsverlusten und Rollwiderständen, etc. In seinem Ausblick ging Bräunig auf Lieferketten und Rohstoffpreise ein, die durch unvorhersehbare Ereignisse und Entwicklungen, aber auch durch politische Gegebenheiten stark betroffen sein können. Energie muss gerade in der energieintensiven Kette der Automobilproduktion bezahlbar bleiben. Bei der Bewältigung der komplexen globalen Herausforderung spielen Kooperationen und damit Cluster und Netzwerke wie die der Bayern Innovativ GmbH eine große Rolle.
John Conomos vom Australian Automotive Industry Envoy in Melbourne schilderte die Situation des australischen Marktes, der mit 1 Million Fahrzeugzulassungen/Jahr ein außergewöhnlich offener Importmarkt ist. Australien ist eines von nur 13 Ländern das in der Lage ist, ein Auto vom Konzept bis zum Verkaufsraum zu entwickeln. 240 000 Autos/Jahr werden von den OEMs GM, Toyota und Ford sowie ca. 170 Zulieferern produziert. Um die Australische Automobilindustrie zu stärken, haben die „Stakeholders“ kürzlich die „Automotive Australia 2020“ Roadmap entwickelt. Ein wichtiger Fokus der Industrie liegt auf dem Asiatisch-Pazifischen-Raum, es besteht jedoch auch großes Interesse an deutschen bzw. europäischen Kompetenzen.
Li-Ionen-Batterien bilden derzeit die aussichtsreichste Technologie für Hybrid- und E-Fahrzeuge. Die Hauptargumente dafür sind deren Kosten, Lebensdauer, Performance, Qualität und Sicherheit, wie Dr. Andreas Bosch von SB LiMotive erläuterte. Das Produktportfolio des Unternehmens enthält das komplette „Battery Pack“ ebenso wie Einzelmodule. Wichtige Erfolgsfaktoren sind die vertikale Integration aller Schritte von der Entwicklung bis zur Aftermarket-Betreuung und das Recycling. Große Bedeutung für die industrielle Umsetzung hat die Standardisierung, etwa bei Formaten, Varianten und Moduldimensionen; hier liegt für die Zukunft ein hohes Kostenersparnispotenzial. Ebenso ist eine Validierung der Batteriesysteme wichtig. Aspekte dabei sind Fahrprofile, Ladeprofile sowie Umgebungsbedingungen, da der Verkauf weltweit in unterschiedliche Märkte und damit auch Klimazonen erfolgt. Bosch sieht einen großen Markt für Batteriesysteme in Europa bei den OEMs.
Prof. Dr. Georg Wachtmeister von der TU München brach eine Lanze für die konventionellen Antriebssysteme und sieht hier durchaus noch Verbesserungspotenzial besonders in den Bereichen Emissionsreduktion, reduzierter Kraftstoffverbrauch und CO2-Ausstoß sowie dem Betrieb mit regenerativen Energieträgern. Hier bietet sich insbesondere Gas als Kraftstoff an, da zum einen die Erdgasvorräte groß sind und Gas aus regenerativen Quellen, z. B. Biogas gewonnen werden kann. Zum anderen ist die notwendige Infrastruktur für die Versorgung unproblematisch.
Optimierungsmöglichkeiten beim Verbrennungsmotor liegen zusätzlich in der Rekuperation oder im sogenannten „Demand Sizing“ – also der bedarfsgerechten Auslegung der Motoren für einen spezifischen Bereich wie etwa den „Split-Motoren“ die im Stadtverkehr im 2-Zylinder- und nur im Überlandverkehr im 4-Zylindermodus fahren. Neuartige Designerkraftstoffe lassen das Brennverfahren vollkommen neu gestalten und ermöglichen, Abgase gezielt zu vermindern.
Prof. Josef Nassauer, Geschäftsführer der Bayern Innovativ GmbH und Sprecher des Clusters Automotive, gab auf der Basis intensiver Netzwerktätigkeit einen komprimierten Überblick über aktuelle Trends und Entwicklungen in der Automobilbranche. Die Innovationstätigkeit insbesondere in den zentralen Feldern Antriebstechnik, Elektromobilität, Elektronik, Fahrerassistenzsysteme und Leichtbau nimmt wieder Fahrt auf. Technologische Innovationen sind heute vorwiegend schnell und effizient in Kooperationen zu realisieren, bis hin zu „Open Innovation“. Hierfür sind Netzwerke und Cluster von zentraler Bedeutung. Als Beispiele nannte Prof. Nassauer das Netzwerk BAIKA und den bayerischen Cluster Automotive, die zusammen über 2.200 Akteure umfassen und vernetzen, davon rund 1.000 aus Bayern. Zusätzliche Synergieeffekte entstehen durch die Einbindung in den Kooperationsverbund „Haus der Forschung“ mit dem Ziel der verstärkten Forschungsförderung in Bayern.
Strategien in der Industrie
Heinrich Timm, Leiter Technologie Netzwerke bei der Audi AG stellte Materialhybridkonzepte als Zukunft des Karosserieleichtbaus vor. Essenziell ist die funktionsabhängige und ressourcenschonende Verwendung des „richtigen" Werkstoffes, die Nutzung seines „spezifischen Potenzials". So sind zwar im Audi A4 neun Stahlgüten mit entsprechend herausfordernder Verbindungstechnik verbaut, aber nur 10 Prozent Gewichtsreduzierung möglich. „Wer mehr braucht, muss in anderen Materialarten denken", so Timm. Hilfreich für den Leichtbau sind bionische Vorbilder, die Material auch nur dort einsetzen, wo es lastbedingt benötigt wird. Umgesetzt wurde dies z. B. beim Audi R8. Dessen Aluminium-Spaceframe ist durch computergestützte Topologieoptimierung gegenüber früheren Versionen 40 Prozent leichter als im optimierten Stahlbau. Im Hinblick auf künftige E-Antriebe ist mit viel Zusatzgewicht zu rechnen, daher wird CFK das nächste Material der Wahl werden. Dadurch sollen weitere 20 Prozent Gewichtsersparnis ermöglicht werden.
Dr. Klaus Elmer, Technischer Geschäftsführer der Eissmann Group Automotive hob die Bedeutung von Interieurstrategien im Premiumbereich hervor. Kernkompetenz seines Unternehmens ist das Kaschieren von Leder und die Geschäftsfelder Innenräume, Verkleidungsteile, Bedienmodule und „Individual". Zurzeit hat Eissmann einen Auftrag über die Innenausstattung der neuen Boeing 747 erhalten. Herausfordernd beim Trend der zunehmenden Individualisierung sind neben höchster Qualität der Materialien und anspruchsvollem Design kleine Volumina bei gleichzeitig wirtschaftlicher Produktion selbst bei Losgröße 1. Eissmann arbeitet hier mit Lean-Strategien sowohl in der Entwicklung (z. B. einteiliges Konzept mit mehrteiliger Optik), bei den Materialien (mit High-Tech aus der Luftfahrt für den Automobilbau) und Produktion nach Vorbild von Toyota (Integrierung mehrerer Arbeitsschritte in ein Werkzeug oder effiziente Anordnung von Arbeitsplätzen, so dass einzelne Arbeitsschritte unter Vermeidung von Wegen direkt übergeben werden können.
Die Verwirklichung ungewöhnlicher Ideen ist die Frage des richtigen Partners", postulierte Kirsten Schönharting, Geschäftsführerin, Strähle + Hess, einem Textil-Trendsetter für Automobilinterieur. Mit „Texspiration" entwickelt das Unternehmen Kollektionen basierend auf aktuellen Trends und auch multikulturellen Stilen, um daraus, „das positive Lebensgefühl des 21. Jahrhunderts in textile Formen zu übersetzen". Neben hochwertigem Design wird bei Strähle + Hess Nachhaltigkeit großgeschrieben; nachwachsende Rohstoffe werden eingesetzt sowie das Cradle-to-Cradle-Prinzip in Produktionskreisläufen umgesetzt.
Dr. Norbert Neumann, Vice President Purchasing, Robert Bosch GmbH, stellte Anforderungen seines Unternehmens an Kooperationspartner vor. Als Verantwortlicher der Sparte Bosch Chassis Systems Control für aktive und passive Sicherheitssysteme skizzierte er die aktuellen Megatrends für das gesamte Unternehmen als auch für Crashschutz und Fahrerassistenzsysteme. Dies sind die Elektrifizierung des Antriebsstrangs mit einer eigenen Elektromotoren- und Leistungselektronikfertigung sowie die Themen verletzungsfreies Fahren und autonomes Fahren. Detailliert stellte er Auswahlkriterien für Lieferanten dar. Quantifizierbare Aspekte werden zu einem Nutzenpotenzial aggregiert, das um den erwarteten oder beobachteten Kundenaufwand zu einem Nettonutzenpotenzial bereinigt wird. Daneben wird eine nachhaltige Unternehmens- und Innovationskultur erwartet, die zu den im Hause Bosch definierten Erfolgsfaktoren kompatibel ist.
Uwe Heil, Teamkoordinator Umweltbilanzierung und Recycling bei der AUDI AG, stellte das e-Gas-Projekt vor. Motivation ist ein gesamtheitlicher Ansatz für Nachhaltigkeit und eine hervorragende Umweltbilanz. Ziel von Audi ist eine CO2-neutrale Mobilität - dies umfasst beispielsweise auch den Einsatz nachhaltiger Werkstoffe. So erhöht eine umweltgerechte Bauweise zwar die Emissionen bei der Produktion, verringert jedoch die Emissionen während der Nutzung deutlich, so dass ein „Break even" bereits nach rund der Hälfte der Nutzungszeit erreicht werden würde. Die zusätzlichen Umweltlasten, die durch Leichtbau entstehen, müssen im Fahrbetrieb kompensiert werden. Beim neuen Audi A6, dessen Gesamtgewicht um rund 80 kg reduziert werden konnte, wird der „Break even" bereits nach rund 5.000 km erreicht; das Treibhausgas-Sparpotenzial beträgt 13 Prozent. Diese Gesamtfahrzeugbilanz umfasst auch den Anteil der Bauteile vom Erzabbau über die Lieferketten. Beim e-Gas-Projekt steht die Strommixbetrachtung im Vordergrund: So investierte Audi in vier Windräder zur Erzeugung von Strom; dieser wird wiederum zur Methanisierung von CO2 aus einer mit Abfällen betriebenen Biogasanlage genutzt. Ein e-gas-Fahrzeug kann dann so umweltfreundlich fahren wie ein Elektrofahrzeug mit Windstrom (Audi balanced mobility).
Dr. Peter Buchholz von der Deutschen Rohstoffagentur in der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, Hannover, erläuterte die Situation auf den Rohstoffmärkten und Möglichkeiten der Rohstoffsicherung.
China ist derzeit der Motor für die Nachfrage bei den wichtigsten Industriemetallen, wobei die Nachfrageentwicklung nicht unbedingt an eine Preisentwicklung gekoppelt ist.
In den vergangenen Jahren konnte der Regelkreis der Rohstoffversorgung in der Waage gehalten werden, zum Beispiel durch Verbesserung der Recyclingraten, Substitution und Miniaturisierung in den Produkten. Gleichzeitig konnten durch Explorationsanstrengungen viele neue Lagerstätten erschlossen oder die Ausbeute bestehender Lagerstätten verbessert werden.
Deutschland ist als Exportnation bei vielen wichtigen Rohstoffen von anderen Ländern abhängig, insbesondere von China. Die im Oktober 2010 gegründete Deutsche Rohstoffagentur ist eine Beratungsagentur für die deutsche Wirtschaft. Da der einzelne Zulieferer wenige Möglichkeiten hat, seine Rohstoffversorgung zu sichern, sieht die Agentur einen Lösungsansatz in Preisgleitklauseln und Lagerhaltung. Ein weiterer Weg ist die Bildung von Einkaufsgemeinschaften. Vorausschauende rohstoffverarbeitende Konzerne sichern sich über langfristige Verträge ab. Bei einigen Rohstoffen werden weiter Lieferengpässe bestehen, ebenso wird es bei einigen Rohstoffen eine hohe Preisvolatilität geben. Vorteil für die deutsche Wirtschaft im globalen Wettbewerb ist, dass sie Abnahmegarantien leisten kann und daher ein wichtiger Partner für Rohstofflieferanten ist.
Potenziale aus der Forschung
Das Thema Elektroantriebe im Kontext von Materialressourcen erläuterte Arno Mathoy von der Brusa Elektronik AG, Sennwald, Schweiz. Er machte deutlich: es wird nicht einen Elektroantrieb geben. Je nach Auslegung (urbaner Raum, Vollfahrzeug) bieten sich unterschiedliche Lösungskonzepte an. Aber auch die Verfügbarkeit Seltener Erdmetalle für Permanentmagneten der Elektromotoren schließt z. B. einen Radnabenantrieb für hohe Fahrzeugstückzahlen aus. Deshalb werden sich andere Motoren durchsetzen. Der Weg zur Elektromobilität wird anfänglich über parallele Hybride laufen, da diese ohne zusätzliche Infrastruktur auskommen. Letztendlich wird aber der Range Extender dem Elektrofahrzeug zum endgültigen Durchbruch verhelfen, glaubt Mathoy.
Dr. Frank Tietz, Institut für Energie- und Klimaforschung des Forschungszentrum Jülich, referierte über unterschiedliche Aspekte der Energiespeicherung für zukünftige Mobilität. Jenseits des Li-Ionen Batterie-Hypes wurden Forschungsschwerpunkte zu Brennstoffzellen und Dünnschicht-Festkörperbatterien vorgestellt. Mit dem Konjunkturpaket II konnte die Infrastruktur im Forschungszentrum wesentlich verbessert werden, so dass jetzt eigene großflächige Funktionsschichten hergestellt werden können. Die aktuellen Arbeiten fokussieren sich auf metallische Anoden- und keramische Elektrolyt- und Kathodenwerkstoffe mit dem Ziel der Steigerung der Energiedichte.
Auch die Potenziale des Wasserstoff-Verbrennungsmotors sind bei weitem noch nicht ausgereizt, so Christian Spuller vom Institut für Verbrennungskraftmaschinen der Technischen Universität Graz, Österreich. Hier konzentriert man sich auf die Verbesserung des Wirkungsgrades durch Brennraumauslegung für den Betrieb als Selbstzünder mit Direkteinblasung. Dieser Modus erfordert extreme Randbedingungen, die für den PKW-Einsatz nicht geeignet sind. Ergänzt man aber eine Fremdzündung (Zündkerze oder Glühstift) wird schon jetzt ein hohes Wirkungsgradpotenzial über das gesamte Kennfeld erreicht, was noch weiter optimiert werden soll.
Automobildesign für Elektromobilität präsentierte Wotan Wilden, Lehrstuhl für Industrial Design der TU-München. Die Arbeiten sind eingebunden in das E-Mobility Projekt „Mute" der TU München, an dem sich 27 Lehrstühle beteiligen. Leichtbau, Reduktion auf das Wesentliche und Ergonomie standen dabei im Vordergrund. Das herstellerunabhängige Projekt wird als Open-Innovation Plattform für die Weiterentwicklung von Elektrofahrzeugen gesehen. Das neu entwickelte Konzept-Car wird dieses Jahr auf der IAA auf dem Bayern Innovativ Gemeinschaftsstand zu sehen sein.
Der Aspekt der Erhöhung der Fahrzeugsicherheit wurde mit dem Projekt Ko-FAS „Kooperative Sensorik und kooperative Perzeption für die präventive Sicherheit im Straßenverkehr" vorgestellt. Kernstück sind kooperative Transponder mit Sende- und Empfangseinheiten, die in Echtzeit Informationen zwischen Verkehrsteilnehmern und / oder der Infrastruktur austauschen, so Stephan Zecha von der Continental Safety Engineering in Alzenau. Somit können auch Klassifizierungs- und Bewegungsdaten anderer Verkehrsteilnehmer in die Situationsbewertung einbezogen werden, was die sichere Beurteilung komplexer Fahrsituationen ermöglicht. Im Juli 2011 startet ein Pilotversuch in Aschaffenburg, für den eine Kreuzung mit Umgebungserfassung und Transpondern ausgerüstet wird.
Den Abschluss der Session bildete ein Beitrag der RAMPF Giessharze GmbH & Co. KG zum Thema Biopolyole für Automobilanwendungen. Dr. Frank Birkelbach erläuterte dabei die Potenziale verschiedener Biokunststoffe. Diese bieten OEMs die Möglichkeit, sich neue Märkte und Zielgruppen über „grünes Marketing" zu erschließen. Daneben kann auch von einer langfristigen Stabilität der Preise ausgegangen werden. Je nach Einsatz müssen für jede Entwicklung typische Automotive Anforderungen wie Hitzebeständigkeit, Splitterverhalten oder UV-Beständigkeit verifiziert und die Kosten bewertet werden. Erste Produkte, wie Dichtungstüllen für den Kabelstrang oder Stecker für Elektroautos befinden sich bereits in der Testphase.
Kompetenzforum Aussteller
Mit dem „Kompetenzforum Aussteller" wurde 12 Technologieexperten unter den über 190 Ausstellern erstmals eine eigene Bühne für ihre Innovationen bereitet. Den Zuhörern bot sich damit die Möglichkeit, präsentierte Innovationen live in der Ausstellung zu erleben.
Ronald Schaare, Preh GmbH, Bad Neustadt a. d. Saale, stellte Black Panel-Bediensysteme ohne aktive Anzeigen vor, die mit verschiedenen Funktionen sowie farbcodierten Menüs belegt werden können. Dies trägt neben neuen Gestaltungsmöglichkeiten im Fahrzeuginnenraum auch zur einfacheren Bedienung sowie Sicherheit und Komfort bei.
Dr. Uwe Pichler-Necek, Magna Powertrain GmbH & Co. KG, Lannach, Österreich, gab mit seinen Ausführungen einen Überblick über MAGNA Powertrains aktuelle Entwicklungen im Bereich der aktiven Fahrwerkssysteme. Produktinnovationen wie z.B. die aktive Hinterradlenkung, die aktive Wankstabilisation sowie der elektromechanische Bremskraftverstärker werden vorgestellt. Im Fokus steht die Verbesserung von Fahrsicherheit und Komfort sowie die Integration in Fahrerassistenzsysteme ebenso wie die Gewichtsreduzierung.
Rainer Möller, ELECTRICFIL Automotive, Miribel, Frankreich, erläuterte einen neuartigen Winkelsensor für Hybrid- und Elektroantriebe. Herzstück des Drehgebers ist das Lagesensorsystem EMPOS, das mit einer Antwortzeit im Mikrosekundenbereich, Unempfindlichkeit gegenüber Montagetoleranzen sowie integrierte Signalverarbeitung punktet.
Ein System zum höchsteffektiven schweißen und härten mit schneller Elektronenstrahlablenkung durch Magnetfelder stellte Dr. Klaus Brodt, PTR Präzisionstechnik GmbH, Maintal vor. Damit ist neben einer „online" Fugensuche durch Elektronenrückstreuung ein simultanes Mehrbadschweißen durch Zerlegung des Elektronenstrahls möglich. Eine weitere Anwendung ist die Mehrprozesstechnik - vom Vorwärmen bis zum Glätten erfolgen alle Prozessschritte mit einem gezielt gesplitteten Elektronenstrahl.
Holger Aldebert, LPKF Laser & Electronics AG, Erlangen, erläuterte die Verfahrensweise beim Laserstrahlschweißen von Kunststoffen. Dessen Vorzüge liegen in der Partikelfreiheit, Flexibilität, Online-Prozesskontrolle und Festigkeit. Die LPKF Laser & Electronics AG produziert Maschinen und Lasersysteme, die u.a. in der der Automobilindustrie zum Einsatz kommen.
Michael Bischoff, OBE Ohnmacht & Baumgärtner GmbH & Co. KG, Ispringen, zeigte einige Beispiele von Komponenten, die im Metallpulverspritzgussverfahren (MIM) hergestellt wurden. Komplexe Bauteile können mit dem MIM- Prozess kostengünstig in einem Schritt hergestellt werden, statt in mehreren Schritten mit traditionellen Verfahren. Weiter können besondere Oberflächenstrukturen erzeigt werden. Das Verfahren findet Anwendung im Automotive-Bereich und darüber hinaus.
Dr. Markus Kuhn von der AxynTeC Dünnschicht GmbH, berichtete über diamantähnliche Kohlenstoffschichten für tribologische Anwendungen. Diese DLC (diamond like Carbon)-Schichten besitzen Eigenschaften zwischen Graphit und Diamant. Die individuell anpassbaren Schichten ermöglichen Verschleißmechanismen wie Abrasion, Adhäsion, Tribochemie und Ermüdung zu unterdrücken. Eingesetzt werden die Beschichtungen im Rennsport, Maschinenbau, Blechumformung, Medizintechnik und für dekorative Oberflächen.
Hybridbauteile für mechanische und elektrische Applikationen im Bereich Automotive werden von der Diehl Metall entlang der gesamten Wertschöpfungskette vom Rohmaterial bis zum Endprodukt hergestellt. Diese Metall-Kunststoffverbunde werden für Getriebesteuerungen, Steckverbinder, Ambientebeleuchtung, Bordnetzkomponenten uvm. eingesetzt. Herr Dr. Frank Warmuth zeigte ein aktuelles Beispiel: die Dachinnenleuchte vom Audi A4, die mit einem umspritzten Stanzgitter realisiert wird.
Thermische Formgedächtnislegierungen können im Automobil Aktuatoren etwa für Tankdeckel, Luftführungen oder Leuchtweitenregulierung substituieren.
Herr Andre Bucht vom Fraunhofer Institut IWU, Dresden zeigte die Vorteile von geringeren Kosten, kleinerem Bauraum und geräuschlosem Wirken auf.
Dr. Walter Schütz von der Future Carbon GmbH in Bayreuth präsentierte elektrische Heizsysteme auf Basis von Kohlenstoff-Metamaterialien. Diese homogenen Dispersionen aus z. B. Nanotubes besitzen eine hohe thermische und elektrische Leitfähigkeit. Entsprechende Lacke können als Heizanstriche bis 250 °C (Siliconbasis) oder bis 500° C (anorganische Basis) eingesetzt werden. Durch elektrische Kontaktierung können so homogene Flächen mit großer Aufheizrate realisiert werden.
Die SmartCable GmbH in Erlangen stellte eine neue Software zur virtuellen Produktentwicklung sowie für die Simulation von Änderungen und Anpassungen von Bordnetzen für Fahrzeuge vor. Die Spezifika von Bordnetzen lassen sich mit 3D- und 2D-Zeichnungen darstellen, Technische Reglementierungen werden bei der Projektierung der Bordnetze automatisch berücksichtigt. Frau Dr. Helga Weber präsentierte mit dem Änderungstool „H_Change" verschiedene Aktionen zur Synchronisierung.
Herr Reinhard Büchl von der Büchl Consult + Engineering GmbH zeigte im Abschlussvortrag Innovative Systeme für Intralogistik in der Automobilindustrie. Dabei ging er auf speziell für Kunden entwickelte und realisierte Beispiele ein. Der Multifunktionsbehälter aus Edelstahl bzw. Aluminium erleichtert Material- und Abfalltransporte in großen Produktionen erheblich. Mit dem Satz: „Wir erfinden Ihre Logistik" brachte Herr Büchl seine Kompetenz auf den Punkt.
Das Team von Bayern Innovativ freut sich auf ein Wiedersehen bei „Zulieferer Innovativ 2012", am 4. Juli 2012 in Ingolstadt.
Ansprechpartner
Holger Czuday
Gabriel v. Lengyel-Konopi
Prof. Dr. Josef Nassauer